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In der Serie Willi Wau – Ein Hund geht zur Arbeit sind die folgenden Bände erschienen:
Tierarzt für Kinder
Der allerbeste Polizist
Der super Fußballtrainer
Der weltbeste Lehrer

 

 

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Copyright © by Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2011

Umschlag-, Vorsatz- und Innenillustration: Erhard Dietl

Umschlaggestaltung: init, Bielefeld

Lektorat: Susanne Schürmann

E-Book-Umsetzung: Satzweiss.com Print Web Software GmbH

ISBN 978-3-646-92224-0

 

Alle Bücher im Internet unter

www.carlsen.de

 

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Es gibt Tage, an denen Willi morgens nicht aufstehen mag. Dann stellt er sich schlafend. Das ist gar nicht einfach, denn Elvira versucht, ihn wach zu kitzeln. Mit den Fingern. Oder mit ihrer Rückenkratzbürste.

Willi ist Elviras Hund. Eigentlich heißt er Wilhelm Wau. Und Elvira ist Kinderärztin und heißt Doktor Elvira Klöbner.

„Willi, was ist nur los mit dir?“, fragt Elvira ratlos.

Sie grabbelt in seinem Fell.

Willi knurrt leise. Er rubbelt sich den Schlaf aus den Augen. Dann dreht er sich noch einmal im Körbchen um.

„Willi“, sagt Frau Doktor Klöbner an diesem Morgen ungeduldig, „wenn du nicht in die Praxis kommst, werden einige Kinder traurig sein.“

„Ich bin hundemüde“, murmelt Willi, „ich mag heute keine Kinder.“

Doch als er ein leises Miauen hört, ändert er seine Meinung. Es ist besser, sich von Kindern ärgern zu lassen, als allein zu Hause zu bleiben. Allein mit Minette, der Katze. Elviras Freund Karl-Heinz hat das kleine schwarz-weiße Fellbündel eines Tages mitgebracht.

„Ach wie süß!“, hat Elvira verzückt ausgerufen.

Aber Minette ist keine nette Katze. Das hat Willi gleich an dem bösen Funkeln in ihren gelben Augen erkannt. Minette hat eine niedliche Nase. Das ist aber auch das einzig Niedliche an ihr, findet Willi. Probehalber hat er mit der Zunge an einem Katzenohr geleckt. Es war kein bisschen süß. Es schmeckte fischig.

 

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„Die wird sich noch wundern“, hat Minette schon am ersten Tag über Elvira gesagt.

Nur leider konnte Elvira das nicht verstehen. Willi aber schon. Es ist nützlich, wenn man ein paar Worte Kätzisch kann.

Elvira Klöbner hat sich bis jetzt aber gar nicht gewundert. Das hat damit zu tun, dass sie sehr zerstreut ist.

Sie merkt nicht, dass Minette die Milch aus dem Sahnekännchen leckt. Sie merkt nicht, dass Minette sich am liebsten auf Elviras teuren weichen Kaschmirpullovern ausruht.

„Schön das Kistchen benützen, meine Süße!“, sagt Elvira gerade.

Willi wendet sich ab, als sein Frauchen Minette auf die Schnauze küsst. Igitt!

„Kommst du, Willi?“, drängelt Frau Doktor Elvira Klöbner.

Sie möchte die Patienten nicht warten lassen.

„Viel Spaß, Stinker!“, maunzt Minette.

Sie sitzt in der Katzenklappe und grinst.

Menschen können nicht erkennen, wenn Katzen grinsen. Hunde aber schon. Am liebsten würde Willi Minette jetzt den Baum hochjagen. Er tut es nur Elvira zuliebe nicht. Außerdem würde sie ihn ausschimpfen. Vielleicht würde sie ihm sogar das Abendfresschen streichen.

Gar nicht auszudenken!

 

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Das Wartezimmer ist noch leer. Weil Frau Doktor Elvira Klöbners Sprechstundenhilfe krank ist, wischt die Ärztin selbst mit einem Lappen über den Spieltisch mit den Bausteinen. Sie sortiert die Illustrierten für die Eltern. Sie spitzt die Buntstifte. Und sie hängt ein neues Plakat auf.

 

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steht darauf.

Elvira schaut in den Terminkalender.

„Heute haben wir nicht viele Patienten“, sagt sie.

Bei ihr müssen sich die Kinder am Vortag anmelden. Außer, ein Kind ist abends noch gesund und bekommt erst um Mitternacht Fieber. Dann darf es auch ohne Anmeldung kommen.

Die Sonne scheint durch die gelben Vorhänge.

„Wie schön friedlich es hier ist“, sagt Elvira. Sie lächelt zufrieden. „Haben wir nicht das schönste Wartezimmer der Welt, Willi?“

„Wau“, bellt Willi. Das kann alles Mögliche heißen.

Heute bedeutet es: „Das Wartezimmer ist am schönsten, wenn es leer ist.“

Elvira weiß nicht, was im Wartezimmer vorgeht, wenn sie im Untersuchungsraum ist.

Es gibt nicht nur nette Kinder. Oft sind welche dabei, die Willi mit Absicht ärgern. Sie tun, als würden sie ihn streicheln. In Wirklichkeit ziehen sie ihn an den Ohren. Oder am Schwanz. Manche halten ihm ihr Wurstbrot hin, damit er daran schnüffeln kann. Aber sie geben es ihm nicht. Sie beißen lieber selbst hinein.

Richtig gemein findet Willi das. Denn er bekommt sein Fressen immer erst abends gegen fünf.

Willi hat zwar nicht immer Hunger.

Aber er hat immer sehr großen Appetit.

Willi ist ein ziemlich verfressener Hund.

Futter ist die tollste Erfindung der Welt.

Vor allem Katzenfutter. Das hat Willi erst entdeckt, seit er sein Frauchen mit Minette teilen muss. Elvira denkt, dass Minette genauso verfressen ist wie ihr Hund. Sie weiß ja nicht, dass Willi sich zum Nachtisch über das Katzenschüsselchen hermacht.

Die zweitbeste Erfindung, findet Willi, ist Schlafen.

Allein der Gedanke daran lässt ihn gähnen.

„Leg dich ruhig wieder hin, mein Süßer!“, sagt Elvira.

Sie kann bestimmt Gedanken lesen.

Sie knuddelt Willi. Er rollt sich auf den Rücken und stöhnt wohlig.

Knuddeln ist die drittschönste Erfindung.

Es könnte ewig so weitergehen!