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Inhaltsverzeichnis
 
Titel
EINLEITUNG
 
Kapitel 1 – ÜBER DAS DENKEN HINAUSGEHEN
Kapitel 2 – DIE KRAFT DES GEGENWÄRTIGEN AUGENBLICKS
Kapitel 3 – WER BIN ICH?
Kapitel 4 – ERWACHEN
Kapitel 5 – DER INNERE RAUM
Kapitel 6 – DEIN INNERES ZIEL
Kapitel 7 – PRÄSENT WERDEN
Kapitel 8 – BEWUSSTSEIN
Kapitel 9 – DER INNERE KÖRPER
Kapitel 10 – DIE EINHEIT ALLEN LEBENS
 
ANMERKUNGEN
ÜBER DEN AUTOR
Copyright

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Die amerikanische Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel »Oneness With All Life. Inspirational Selections from ›A New Earth‹« bei Dutton/Penguin Group, New York, USA.

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EINLEITUNG
Für dieses Buch habe ich Abschnitte aus Eine neue Erde ausgewählt, die zum inspirierenden und meditativen Lesen besonders geeignet sind. Aus diesem Grund halte ich es für ratsam, das Buch nicht gleich von Anfang bis Ende durchzulesen. Ich empfehle dir vielmehr, höchstens jeweils ein Kapitel zu lesen und immer da innezuhalten, wo du dich innerlich angesprochen fühlst. Lies diese Stelle vielleicht noch einmal, lass die Worte auf dich wirken und fühle die Wahrheit, auf die sie hindeuten und die natürlich schon in dir ist. Hilfreich ist es mitunter auch, das Buch einfach irgendwo aufzuschlagen, die betreffende Seite oder auch nur ein paar Zeilen zu lesen und sich von den Worten auf jene Dimension tief im Innern einstimmen zu lassen, die jenseits aller Worte, jenseits des Denkens ist. Zur Wahrheit, auf die die Worte verweisen, zur zeitlosen Dimension des Bewusstseins gelangt man nicht durch diskursives Denken und logisches Begreifen.
Das Buch ist keine Kurzfassung von Eine neue Erde. Es enthält zwar einige der wichtigsten Texte daraus, befasst sich jedoch relativ wenig mit dem Ego und überhaupt nicht mit dem Schmerzkörper. Mit anderen Worten: Wenn du die mentalen und emotionalen Muster, die die Entstehung eines neuen Bewusstseins blockieren, in deinem eigenen Innern aufspüren und verstehen willst, musst du das Originalbuch lesen.
Den größten Nutzen aber bringt das Buch denen, die Eine neue Erde schon gelesen haben, vielleicht sogar mehr als einmal, sich tief darauf eingelassen haben und dadurch bis zu einem gewissen Grad eine innere Wandlung erfahren haben. Die Informationen, die Die Einheit allen Lebens vermittelt, sind nicht das Wichtigste. Man liest das Buch weniger, um etwas Neues zu lernen, sondern um tiefer zu gehen, um präsenter zu werden und aus dem Strom unaufhörlichen, zwanghaften Denkens zu erwachen. Wenn es zu keiner inneren Einsicht in das kommt, worauf die Worte hinweisen – sei sie auch nur angedeutet und flüchtig -, sind sie im Grunde bedeutungslos und bleiben abstrakte Begriffe. Wenn jedoch eine solche Erkenntnis stattfindet, bedeutet dies, dass das erwachte Bewusstsein allmählich aufscheint, und die Worte, die du liest, lassen es dann noch deutlicher hervortreten. Wenn du bestimmte Textstellen als besonders kraftvoll empfindest, solltest du dir klarmachen, dass das, was du fühlst, deine eigene spirituelle Kraft ist: das, was du in deinem innersten Wesen bist. Nur der Geist kann den Geist erkennen.

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Kapitel 1
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ÜBER DAS DENKEN HINAUSGEHEN
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Das Denken ist nichts weiter als ein winziger Aspekt der Totalität des Bewusstseins, der Totalität, die du bist.
 
 
Was jetzt im Entstehen begriffen ist, ist kein neues Glaubensbekenntnis und keine neue Religion, keine neue spirituelle Ideologie oder Mythologie. Wir stehen vor dem Ende nicht nur der Mythologien, sondern auch der Ideologien und Glaubenssysteme. Der Wandel geht tiefer und weit über den Verstand und das Denken hinaus. Tatsächlich ist im Kern des neuen Bewusstseins die Transzendenz des Denkens bereits angelegt, die neu zugängliche Fähigkeit, sich über das Denken zu erheben und eine Dimension in sich selbst zu entdecken, die unendlich viel umfassender ist als das Denken. Dann beziehen wir unsere Identität, den Sinn für uns selbst und für das, was wir sind, nicht länger aus dem unablässigen Strom des Denkens, das wir in dem alten Bewusstsein für uns selbst halten. Welch eine Befreiung, sich darüber klar zu werden, dass die »Stimme im Kopf« gar nicht ich bin! Wer bin ich dann? Der, der dieses erkennt. Die Bewusstheit, die dem Denken vorausgeht, der Raum, in dem das Denken – bzw. die Emotion oder Sinneswahrnehmung – auftritt.
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Hauptgrund für das Unglücklichsein ist nie die Situation, es sind die Gedanken darüber.
 
 
Achte auf die Gedanken, die dir durch den Kopf gehen. Trenne sie von der Situation, die stets neutral, nämlich so ist, wie sie ist. Hier ist die Situation oder Tatsache, und dort sind meine Gedanken darüber. Statt Geschichten zu erfinden, solltest du lieber bei den Fakten bleiben. »Ich bin pleite« ist zum Beispiel eine Geschichte. Sie schränkt dich ein und hält dich davon ab, etwas Wirksames zu unternehmen. »Ich habe noch 50 Cent auf meinem Bankkonto« hingegen ist eine Tatsache. Indem man den Tatsachen ins Auge sieht, gewinnt man Kraft. Mach dir bewusst, dass das, was du denkst, in großem Maße die Emotionen erzeugt, die du empfindest. Erkenne die Verbindung zwischen deinen Gedanken und deinen Emotionen. Sei die Bewusstheit hinter deinen Gedanken und Emotionen, statt dich mit ihnen zu identifizieren.
013
Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott«, heißt es in der Bibel.1 Was ist unter der »Weisheit dieser Welt« zu verstehen? Die Denkprozesse sowie Bedeutungen, die ausschließlich durch das Denken definiert sind.
 
 
Das Denken isoliert Situationen oder Ereignisse und nennt sie gut oder schlecht, als hätten sie ein Eigenleben. Wenn man sich total auf das Denken verlässt, wird die Wirklichkeit fragmentiert. Diese Fragmentierung ist zwar eine Illusion, aber während man darin befangen ist, wirkt sie sehr real. Dabei ist das Universum ein unteilbares Ganzes, in dem alle Dinge wechselseitig miteinander verbunden sind und nichts für sich allein besteht.
Die innere Verbundenheit aller Dinge und Ereignisse bedeutet, dass es letzten Endes illusorisch ist, eine mentale Einteilung in »gut« oder »schlecht« vorzunehmen. Solche Einteilungen sind stets Beweis für eine eingeschränkte Perspektive und folglich nur zeitweilig und relativ wahr.
 
 
Aber Zufälle gibt es ebenso wenig wie Dinge oder Ereignisse, die nur durch sich selbst und für sich allein existieren. Die Atome, aus denen der Körper besteht, bildeten einst das Innere von Sternen, und auch für die geringfügigsten Ereignisse gibt es praktisch unendlich viele Ursachen, die auf unbegreifliche Weise mit dem Ganzen verknüpft sind.
 
 
Wenn man ein Ereignis bis zu seinen Ursachen zurückverfolgen wollte, müsste man bis zum Anbeginn der Schöpfung zurückgehen. Der Kosmos ist kein Chaos. Das Wort »Kosmos« selbst bedeutet Ordnung! Aber es ist keine Ordnung, die der Menschengeist je verstehen könnte, obwohl er manchmal einen flüchtigen Blick hineintun darf.
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In einem Wald, der noch nicht von Menschenhand berührt wurde, sieht unser Verstand überall nur Unordnung und Chaos. Er kann nicht einmal mehr zwischen lebendig (gut) und tot (schlecht) unterscheiden, da überall aus verrottender und zerfallender Materie neues Leben entsteht. Nur wenn der Lärm des Denkens abebbt und sich genügend Stille in uns ausbreitet, erkennen wir, dass eine verborgene Harmonie da ist, eine Heiligkeit, eine höhere Ordnung, in der alles seinen perfekten Platz hat und gar nicht anders sein könnte, als es ist.
 
 
Der Verstand ist lieber in einem Park, weil dessen Anlage mit dem Verstand geplant wurde; er ist nicht organisch gewachsen. Ihm liegt vielmehr eine Ordnung zugrunde, die der Verstand erfassen kann. Im Wald herrscht eine unverständliche Ordnung, die für den Verstand wie ein Chaos aussieht. Sie geht über die Kategorien von gut und schlecht hinaus. Durch Denken kannst du sie nicht begreifen, aber wenn du vom Denken ablässt, ganz still und wach bist und nicht versuchst, sie zu verstehen oder zu erklären, kannst du sie spüren. Nur dann erschließt sich dir die Heiligkeit des Waldes. Sobald du diese Heiligkeit, die verborgene Harmonie wahrnimmst, wird dir klar, dass du nicht davon getrennt bist, und wenn dir das klar geworden ist, nimmst du bewusst daran teil. Auf diese Weise kann die Natur dir helfen, dich wieder in die Ganzheit des Lebens einzufügen.
015
So sieht die Wirklichkeit der meisten Menschen aus: Sobald etwas wahrgenommen wird, wird es vom Phantom selbst, dem Ego, benannt, interpretiert, mit etwas anderem verglichen, geschätzt, verabscheut und als gut oder schlecht bewertet. Die Leute sind in Gedankenformen, im Objektbewusstsein gefangen.
 
 
Du kannst erst spirituell erwachen, wenn das zwanghafte, unbewusste Benennen abklingt oder du dir seiner zumindest bewusst wirst, sodass du es beobachten kannst, während es geschieht. Es ist dieses ständige Benennen, das dem Ego als dem unbeobachteten Denken seinen Platz sichert. Sobald es jedoch nachlässt oder du dir wenigstens seiner bewusst wirst, entsteht innerer Raum, und dann bist du nicht länger Sklave deines Denkens.
016
Nimm einmal einen Gegenstand zur Hand – zum Beispiel einen Stift, einen Stuhl, eine Tasse, eine Pflanze – und erkunde ihn mit deinen Augen, das heißt, schau ihn dir voller Interesse, ja mit einer gewissen Neugier an. Wähle möglichst kein Objekt mit einem starken persönlichen Bezug, der dich an die Vergangenheit erinnert, etwa daran, wo du es gekauft hast oder wer es dir geschenkt hat usw. Vermeide auch Dinge, die beschriftet sind, wie Bücher oder Flaschen. Sie würden zum Denken anregen. Sei entspannt, aber wachsam, ohne dich anzustrengen, und richte deine gesammelte Aufmerksamkeit auf den Gegenstand, auf jedes Detail. Falls Gedanken in dir aufsteigen, lass dich nicht auf sie ein. Du bist nicht an den Gedanken interessiert, sondern an der reinen Wahrnehmung. Kannst du etwas wahrnehmen, ohne zu denken? Kannst du etwas sehen, ohne dass die Stimme in deinem Kopf es kommentiert, Schlüsse zieht, vergleicht oder etwas zu erklären versucht? Lass deinen Blick nach einigen Minuten durch das Zimmer oder den Ort schweifen, in dem du dich gerade befindest, und lass deine wache Aufmerksamkeit jeden Gegenstand erhellen, auf dem sie ruht.