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Das Buch

Überraschung für Jutta: Bruno gewinnt bei einer Weinverkostung für sieben Tage ein Wohnmobil und will ihr nun endlich einmal die Spore, den Absatz und auch die Stiefelspitze seines wunderbaren Landes zeigen. Und wie könnte man den Süden Italiens besser bereisen als mit einem Wohnmobil? Doch die Camping-Tour der beiden gestaltet sich mitunter als ­äußerst pannenreich, sowohl zwischenmenschlich wie auch in der Fortbewegung. Die unkonventionelle Jutta ist immer gut für Alternativen und hat mit dem eher scheuen Charakter Brunos auch diesmal ihre Probleme, zumal Bruno beim Radwechseln nicht viel Talent mitbringt – Jutta dafür umso mehr! Ob es um die Erlebnisse auf mehr oder weniger luxuriösen Campingplätzen geht, um Auseinandersetzungen mit den Carabinieri oder einem Treffen mit Brunos Freunden – dem Leser wird auch bei diesem Abenteuer nicht langweilig.

Die Autoren

Jutta Speidel ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde in München geboren, lebt dort und hat zwei erwachsene Töchter. Sie ist Gründerin der Stiftung ­HORIZONT, die sich für obdachlose Kinder und ihre Mütter einsetzt. www.horizont-ev.org

Bruno Maccallini stammt aus Rom und ist in Italien ein erfolgreicher Theaterschauspieler, Regisseur und Fernsehproduzent. In Deutschland wurde er berühmt als »Cappuccino-Mann« in verschiedenen Werbekampagnen (»Isch abbe gar kein Auto, Signorina!«).

Von Jutta Speidel und Bruno Maccallini sind in unserem Hause bereits erschienen:

Wir haben gar kein Auto … Mit dem Rad über die Alpen

Zwei Esel auf Sardinien. Ein deutsch-italienisches Abenteuer

Ahoi, Amore! Unterwegs auf dem falschen Dampfer

Jutta Speidel / Bruno Maccallini

Wir haben doch ein Auto!

Eine italienische Reise mit dem Wohnmobil

Verlagsqualität Ullsteinbuchverlage

Ullstein

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Der Text von Bruno Maccallini wurde von Katharina Schmidt und Barbara Neeb ins Deutsche übertragen.

ISBN 978-3-8437-0749-7

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2014

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Titelfoto: © Martina Maccallini

Titelillustrationen: FinePic®, München (kleines Auto)

Fotos im Innenteil: © Martina Maccallini

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können zivil- oder strafrechtlich

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ALLEN VERLORENEN TRÄUMEN,
DAMIT SIE WIEDER FLÜGEL BEKOMMEN.

PROLOG

Jutta

Der frühe Sommer 2013 bescherte Deutschland jede Menge Wasser. Es regnete und regnete, Donau, Inn und Isar traten über die Ufer und überfluteten die Altstädte von Passau und Degendorf. In kleinen niederbayerischen Dörfern sah man gerade noch die Satteldächer aus den braunen, schlammigen Fluten herausragen. ­Italien meldete die stärksten Regenfälle seit Jahren. In Österreich gingen Muren ab, und der Münchner liebstes Ausflugsziel, die Region um Kitzbühel, war von der Außenwelt abgeschnitten.

Hingegen jubelte Skandinavien über eine Hitzewelle. So einen Sommer hatten sie lange nicht erlebt!

Endlich konnten sich die Schweden im eigenen Land an den braungebrannten Gazellenbeinen ihrer weiblichen Landesbewohnerinnen ergötzen, die sonst meist italienisches Blut in Wallung brachten, denn man hatte beschlossen, diesen schwedischen Sommer zu Hause zu verbringen. Lange blonde Mähnen fielen über goldbraune Rücken, die lediglich von einem süßen Nichts aus Seide oder Baumwolle bedeckt waren.

Und mittendrin war ich.

Vor mir einer dieser riesigen Seen mit seinen vielen Armen, die sich bis Stockholm ziehen und auf der Landkarte aussehen wie eine gie­rige Krake.

Hinter mir Kurt Tucholsky.

Nein, natürlich nicht persönlich, wohl aber Schloss Gripsholm. Ich sitze auf meinem Klappstuhl, der mich immer zu allen Dreharbeiten begleitet, der meine kleine Heimat, mein Büro ist, auf dem ich mich auf die nächste Szene konzentriere oder in Pausen vor mich hin döse und auf den sich niemand sonst setzen darf. Mein Fengshui-Plätzchen, wie ich es nenne. Diesmal steht er halb im Wasser, so dass ich meine Füße kühlen kann. Hinter meinem Rücken herrscht reges Treiben vor dem trutzigen Schloss. Die Beleuchter schleppen Scheinwerfer, die Leute von der Baubühne bauen eine lange Schiene, auf der der Dolli gleitet; so nennt man den Wagen, auf dem dann die Kamera befestigt wird, die unsere lange Dialogszene in Fahrt filmen wird.

Ein Quakquakquak reißt mich aus meinem trägen Nichtstun. Es ist mein Handy respektive der Klingelton meines Handys. Das Quak ist seine Tarnung, denn falls es während einer Szene quaken sollte, kann ich immer behaupten, das waren die Enten im See.

Sonst muss man nach Feierabend eine Runde ausgeben, und das ist teuer, besonders in Schweden.

Jetzt darf es ruhig quaken, denn ich habe ja Pause.

Es ist Bruno, der quakt. Er sei gerade auf einer Weindegustation im Auditorium von Rom. Unser Freund und Sommelier Ubaldo Pizzingrilli, ich schwöre, den Namen hab ich nicht erfunden, hätte eine phantastische Festa del Vino organisiert, und soeben würde er meinen Lieblingsrotwein, einen Amarone, kosten. Bepi aus der Locanda Corte Lonardi, ein Weingut im Valpolicella, das ich vor circa 20 Jahren durch Zufall entdeckt habe und alle paar Jahre besuche, um danach mit vollem Kofferraum gen München zu fahren, wäre hier. Er ließe mich herzlich grüßen und bedaure, dass ich nicht dabei wäre. Nun bin ich doch ein wenig neidisch, obwohl es mir gerade hier so gut geht. Ach, immer will man da sein, wo man gerade nicht ist. Zu dumm! Er soll unbedingt zwei Kisten Amarone und zwei Kisten Valpolicella classico kaufen, bitte ich Bruno. Er soll sie nach München schicken lassen und Bepi versichern, dass ich im nächsten Jahr persönlich vorbeikomme.

Minuten später quakt erneut mein Handy, und Bruno berichtet von einem besonders guten Weißwein, den er gekostet hat und von dem er ein paar Flaschen mitnehmen will. Ob ich davon auch möchte? Ich bitte ihn, mir ebenfalls 12 Flaschen schicken zu lassen.

Inzwischen naht das Ende der Filmaufbauten, und es wird an mir gepudert, gezipft und gezupft, in Gedanken gehe ich noch mal die Szene durch, und der Aufnahmeleiter trommelt alle zusammen. Die Klappe wird geschlagen; 37/1/die Erste. Mein Kollege und ich konzentrieren uns auf unseren Dialog und setzen uns langsam in Bewegung, wobei wir der Schiene und der Kamera folgen.

Quakquakquak, o Gott, ich habe vergessen, das Handy auszuschalten! Ich tue, als würde ich es überhaupt nicht bemerken, und spreche weiter. Es hört nicht auf zu quaken. Irritiert ziehe ich die Szene durch und hoffe, dass es keiner mitbekommen hat. Wir sind am Ende der Schiene angekommen und sprechen noch ein paar Sätze im Stehen. Mein Telefon hat inzwischen klein beigegeben. Der Regisseur hat ein paar Anmerkungen zu unserem Spiel, wir gehen wieder auf Anfang. 37/1/die Zweite. Erneut setzt sich alles in Bewegung. Es läuft gut, bald sind wir fertig. Quakquakquak! Das darf doch nicht wahr sein! Ich hatte ja keine Zeit, zu meinem Stuhl zu eilen und der Ente den Schnabel zu verschließen. Die Szene ist im Kasten, und der ­Regisseur verkündet lautstark: »Vielen Dank, und ein besonderer Dank geht an Jutta, die heute Abend alle zu einem Umtrunk auf die Hotelterrasse einlädt.« Er grinst mich freundlich an, und ich drücke meine besondere Freude darüber aus, dem Team zu einer Happy Hour verholfen zu haben.

Während die Schiene wieder abgebaut wird, blicke ich auf das Display, um zu sehen, wer mich denn so penetrant angerufen hat. Mein Weinverkoster, wer sonst! Ich kann ihm ja nicht mal böse sein, es ist meine eigene Schuld.

Ganz aufgeregt ist Bruno, als ich ihn zurückrufe. Er hätte mir etwas Großartiges zu erzählen, ob ich denn sitzen würde? »Ja«, gebe ich zur Antwort, »deine beiden nicht enden wollenden Anrufe kommen mich teuer zu stehen. Heute Abend kostet mich der Spaß bestimmt 100 Euro, und wahrscheinlich darf ich die Szene nun auch noch synchronisieren, denn keine Ente quakt drei Minuten am Stück.« Er versteht mich nicht ganz, aber das wäre auch egal, meint er, denn er müsste mir unbedingt etwas berichten.

Bei der Degustation gab es eine Tombola für die Erdbebenopfer in L’Aquila, die ihre Häuser nach wie vor nicht wieder aufbauen konnten und wie Obdachlose seit über vier Jahren in Auffanglagern hausen, weil das gesammelte Geld in irgendwelchen anderen Kanälen versickert ist. Jeder, der heute Wein kauft, so Bruno, bekommt pro Kiste ein Los. Er hätte nun insgesamt sieben Lose bekommen. Sechs davon wären Nieten, was typisch für ihn sei. Jedoch war das siebte Los ein Hauptgewinn, und das müsste er mir sofort sagen. »Halt dich fest, Tesoro, wir haben für eine Woche einen Camper inklusive Benzin gewonnen!!!!!!!!!!!!!!!«

Der Gewinn muss allerdings noch dieses Jahr eingelöst werden, und am besten wäre es doch, wenn wir gleich im September losfahren würden, wenn es nicht mehr so heiß wäre und die Campingplätze nicht mehr so voll, und überhaupt wollte er mir schon so lange mal den unteren Teil des Stiefels zeigen. »Was sagst du nun?«

»Chrrrsuuuperr«, röchle ich, denn nichts finde ich schrecklicher, als mit einem Wohnmobil durch die Gegend zu gurken. »Weißt du, Schatz, mit diesem tollen Gewinn könntest du noch viel mehr Gutes tun, wenn du ihn versteigern würdest. Da kommt bestimmt ganz viel Geld zusammen, denn es gibt bestimmt viele absolute Campingfreaks, die dafür richtig was ausgeben, besonders, wo es doch für einen guten Zweck ist«, versuche ich meinen weichherzigen Italiener einzulullen.

Bruno jedoch scheint seine weiche Seite heute zu Hause gelassen zu haben, denn er reagiert empört. Ob mich ein Elch geküsst oder ob ich einen schwedischen Sonnenstich hätte? Das käme überhaupt nicht in Frage, so leicht würde ich nicht aus der Nummer rauskommen, schließlich hätte er jetzt endlich einmal Glück gehabt, und das wollte er verdammt noch mal auch mit mir ausleben. Mit diesen Worten legt er beleidigt auf.

In den verbleibenden drei Wochen, die ich filmenderweise in Schweden verbringe, sehe ich jedem Wohnmobil auf der Straße nach. Noch nie ist mir aufgefallen, wie viele Menschen auf diese Art und Weise ihren Urlaub verbringen. Besonders in Schweden scheinen sich die Liebhaber dieser optisch meist hässlichen, mich an geprügelte Bulldoggen erinnernde Gefährte zu häufen. Überall stehen sie herum. Von 20 Autos auf einem Parkplatz sind acht Wohnmobile. Manche mit Zeltvordach und Klapptisch und Stühlen, manche mit Surfbrettern auf dem Dach oder Fahrrädern am Heck. Die Bewohner dieser Ungetüme sehen sich irgendwie alle ähnlich. Nein, das geht ja gar nicht, ich sehe anders aus!

Bis es schließlich Herbst wird, habe ich so viele Wohnmobile auf der Straße gesehen, egal ob in Bayern oder während unseres Kurzurlaubs bei Freunden auf Mallorca, dass ich schon fast das Gefühl habe, selbst in einem gesessen zu haben. Es gibt kein Entrinnen, so viel steht fest. Bruno will diese Woche nur mit mir verbringen. Ich habe die Bedingungen für meine Begleitung an die Wand genagelt.

  1. 1. ICH KOCHE NICHT
  2. 2. ICH SPÜLE NICHT
  3. 3. ICH PUTZE NICHT
  4. 4. ICH SÄUBERE NICHT DAS KLO
  5. 5. ICH FAHRE DIESES TEIL AUCH NICHT

Das Einzige, wozu ich mich herablassen würde, wäre, das Bett zu machen, denn wenn ich etwas nicht leiden kann, dann sind es Falten im Laken, die mich nachts bei jeder Umdrehung piken. Nein, das geht absolut nicht, da bin ich Prinzessin.