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66 Lieblingsplätze

und 11 Badeplätze

Daniela Schetar / Friedrich Köthe

Servus im Oberland

Bier, Barock und Badeseen

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Inhalt

Starnberger See – um die Münchner Badewanne

1  Drei christliche Heilige und eine Seherin

Würmtal mit Kirche St. Alto

2  Ansicht und Aussicht

Bismarckturm in Berg-Assenhausen

1/11  Wenn das Eisboot einmal klingelt

Strand Allmannshausen am Starnberger See

3  Fliegerbomben über dem Starnberger See

Maria-Dank-Kapelle bei Degerndorf

4  Eingelegt, frisch oder geräuchert

Fischerei Sebald in Ammerland

5  Gemischte Gefühle

Gaststätte Fischmeister in Ambach

6  Die Madonna in der Linde

Kirche St. Johann Baptist und Georg bei Holzhausen

2/11  Münchens liebste Badewanne

Erholungsgebiet Münsing am Starnberger See

7  Spaziergang durch die Geschichte des Isartals

Burg Grünwald

8  Entschleunigung auf der Aussichtsterrasse

Café Gasthof Seeseiten in Seeshaupt

9  Magische Momente für Augen und Gaumen

Forsthaus Ilkahöhe in Tutzing

10  Kunst, Kunsthandwerk und ein sächsischer Querschädel

Buchheim Museum der Phantasie in Bernried

11  Wo die ›liab woanatn Frau‹ an den See getragen wird

Bernried

12  Wo sich ›Möwe‹ und ›Adler‹ Gedichte schrieben

Roseninsel bei Feldafing

13  Regionale Genüsse im Naturschutzgebiet

Maisinger Seehof in Maising

14  Auf Kufen durch die Moorlandschaft

Maisinger See im Winter

3/11  Moorseen, Nackerte und Spareribs

Fohnsee – Osterseen

Ammersee – Bierwallfahrt und Sammelleidenschaft

15  Wallfahrt mit Bier

Kloster Andechs

16  Miene und Mato – Karibik am Ammersee

Kiosk Bayrische Brandung und Matos Fischladen in Herrsching

17  Bäume, Bänke, Bio, Bier

Hofbiergarten Grenzebach in Raisting

18  Königlicher Breitopf

Kupfermuseum in Fischen

19  Dießener ›plab und weiss‹

Töpferstadt Dießen

20  Makabres Memento mori

Kirche St. Georg in Dießen

21  Die Meister der Illusion

Marienmünster in Dießen

4/11  Ich hab’ dein Knie geseh’n

Strandbad Utting

22  Die Wiege des bayerischen Rokoko

Kloster Wessobrunn

23  Besuch bei uralten Baumgeistern

Paterzeller Eibenwald

24  Wallfahrt, Panorama und der Bayerische Rigi

Hoher Peißenberg

25  Schiefer Markt und Linksverkehr

Altstadt von Landsberg am Lech

26  Flößergeschichten und Jamsessions

Am Lech in Landsberg am Lech

27  Mississippi-Feelin’

Raddampfer am Ammersee

Rund um den Tegernsee – Millionärssee mit bäuerlichem Flair

28  Ein Schloss, ein Enthusiast und viele Orgeln

Kultur- und Orgelzentrum in Valley

29  Genussradeln an der Leitzach

Das Goldene Tal

30  Outlaws im Oberland

Jennerwein-Grab in Schliersee

31  Vom Skistar zum Traditionsbewahrer

Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Schliersee

32  Eine Insel und ein Wirtshaus …

Wirtshaus im See in Schliersee

33  Brotzeit am Schliersee

Café Milchhäusl in Schliersee

34  Steile Berge, müde Ritter

Burgruine Hohenwaldeck über dem Schliersee

5/11  Warmer Dampf und kaltes Wasser

Alpenspa am Spitzingsee

35  Ein Berg für die ganze Familie

Oedberg bei Gmund

36  Segeln mit Tradition

Segelschule Stickl in Gmund

37  Der schönste Sundowner am Tegernsee

Sassa Bar im Leeberghof am Tegernsee

38  Vom Benediktinerkloster zur Allerleutswirtschaft

Herzogliches Bräustüberl Tegernsee

39  Der Überführer, die Wallberghex’ und der Kini

Ruderbootfähre Halbinsel Point am Tegernsee

40  Vereinswelt à la Bayern

Aueralm und Fockenstein

6/11  Wilder Strand am Nordseerand

Strandbad Kaltenbrunn am Tegernsee

41  Bayerisches Barbecue

Enzianhütte in Rottach-Egern

7/11  Weltanschauungen

Popperwiese in Rottach-Egern

42  Glückliche Kühe, geschöpfter Käse

Naturkäserei Tegernseer Land in Kreuth

43  Winteridyll mit schwarzer Seele

Wildbad Kreuth

8/11  Mutprobe im eiskalten Bergbach

Die Gumpen der Hofbauernweißach bei Kreuth

44  And the winner is …

Gmunder Papierwelt

Tölzer Land – Im Herzen des Oberlands

9/11  Dunkles Moorwasser vor lichter Bergkulisse

Kirchsee in Sachsenkam

45  Um Oberbuchen, Unterbuchen und drum herum

Im Buchner Filz

46  Frühstück mit Liebe im Herzen

Café Love in Bad Tölz

47  Ein Bummel zwischen Prachtfassaden

Marktstraße in Bad Tölz

48  Bratwurst mit Musik

Wirtshaus zum Starnbräu in Bad Tölz

49  Katzensprung zum Ölberg

Kalvarienberg von Bad Tölz

50  Familienglück und Gipfelblick

Zwiesel und Blomberg

51  Heilkräuter und Hexenkunst

Kräuter-Erlebnis-Park in Bad Heilbrunn

52  Eine Wand im Wald

Klettergarten bei Bad Heilbrunn

53  Dirndl im Archiv

Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern

54  Tarzan und Jane im Oberland

Moorerlebnispfad bei Benediktbeuern

55  Dörfliches Kleinod barocker Kunst

Kirche St. Georg in Bichl

Murnau, Kochel, Mittenwald – Bauern, Künstler, Könige

56  Kunstvoll und transparent für weltoffenen Islam

Islamisches Forum in Penzberg

57  Ohne Moos nix los!

Murnauer Moos

58  Mit dem Boot zur Messe

Fronleichnamsprozession in Seehausen am Staffelsee

10/11  Historischer Badeplatz mit Alpenblick

Strandbad Bärtlbad in Uffing am Staffelsee

59  Hütten, Scheunen, Vierseithöfe

Freilichtmuseum Glentleiten in Großweil

60  Der Blaue Reiter am Kochelsee

Franz Marc Museum in Kochel

61  Königliches Jagdrevier

Herzogstand

11/11  Wikinger und bunte Segel vor Bergpanorama

Sachenbacher Bucht am Walchensee

62  Königsdämmerung und Isarflimmern

Im Rißtal

63  Ein wahrhaft königliches Tal

Elmauer Hochtal

64  Bayern versus Orient

Königshaus am Schachen

65  Barocke Bilder für den Alltagsgebrauch

Lüftlmalerei in Mittenwald

66  Ein Blick durchs Karwendel-Fernrohr

Karwendelspitze

Karte

Lieblingsplätze im Gmeiner-Verlag

Stadtgespräche im Gmeiner-Verlag

Belletristik im Gmeiner-Verlag

Auftakt

Warum ausgerechnet Oberland?

Servus im Oberland! Oberland? Mancher Leser mag sich fragen, wo es denn liegt, dieses Oberland. Für uns Münchner ist das Oberland die Region zwischen unserem Millionendorf und dem Karwendel- und Wettersteingebirge. Jener Teil des Voralpenlandes also, den wir in einem gemütlichen Tagesausflug erkunden können. Ins Allgäu nach Westen oder in den Chiemgau nach Osten ist es schon ein gutes Stück weiter, und das heißt früh aufstehen, wenn man dort wandern oder Rad fahren und abends wieder zu Hause sein will.

Doch mit Gemütlichkeit allein ist der Reiz des Oberlandes nicht beschrieben. Ein wahres See-Sammelsurium wartet hier auf Sonnen- und Badehungrige, vom kleinen Kirchsee zu den weiten Wasserlandschaften von Ammer- und Starnberger See; vom mondänen, in grandiose Bergkulisse eingebetteten Tegernsee zur stillen Moorschönheit der Osterseen. Unendlich viele Badestellen, verschwiegene Buchten, kühn übers Wasser ragende Stege und viel besuchte Strandbäder sorgen an den Sommerwochenenden für einen wahren Besucheransturm – unter der Woche hingegen genießt man die Seen häufig allein oder im illustren Kreis vereinzelter Badegäste. Einige unserer liebsten Badeplätze, beileibe nicht alle, verraten wir auf den folgenden Seiten.

Die Seenvielfalt ist übrigens der letzten Eiszeit geschuldet, in der Gletscherzungen von den Alpen bis ins heutige München vorstießen, dabei eine Menge Geröll vor und neben sich herschoben und Mulden aushobelten. Keine Sorge: So sieht es hier heute nicht mehr aus! Die Mulden sind mit Wasser gefüllt, von Bergen, Mooren oder aber auch von Millionärsvillen umgeben und ein Paradies für Wassersportler. Über das Geröll ist Gras gewachsen und hat auf diese Weise die schönsten Aussichtshügel des Voralpenlandes geformt – ›Moränenhügel‹ nennen das die Fachleute. Sie sind ideal für kleine Wanderungen, an deren Ende oft eine herrlich gelegener Gasthof auf uns wartet. Unseren Favoriten, die Ilkahöhe, wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Von keinem Aussichtspunkt sieht der Starnberger See derart hübsch aus, und bei Föhn kann man fast die Berghütten auf den Alpengipfeln erkennen, so nah rückt sie die glasklare Luft an den See.

Die Moränen des Voralpenlandes sind vielfach nützlich. Zum Beispiel als Standort der zauberhaftesten Kapellen und Dorfkirchen, bei deren Besuch wir uns nie entscheiden können, was wir mehr bewundern sollen, die Ausstattung oder die Aussicht. Unser Oberland ist nämlich eine ebenso fromme wie barocke Landschaft, deren Kirchen und Klöster von den größten Meistern jenes üppigen Stils geschmückt wurden. Mindestens eines dieser Wunderwerke aus Stuck und Fresken sollte man besuchen, das Marienmünster zu Dießen beispielsweise oder das unbekannte St.-Georgs-Kirchlein in Bichl.

Dass auch eine Moschee zu unseren Lieblingsplätzen zählt, mag etwas überraschen, aber doch, es ist der symbolträchtigste, modernste Moscheebau, den wir kennen, und atemberaubend schön. Das Oberland ist eben mehr als nur urbayerische Tradition. Deshalb zählen wir nicht allein urige Dorfwirtschaften zu unseren Favoriten, sondern ebenso die schicke Sassa Bar über dem Tegernsee oder Matos Fischladen in Herrsching.

An einem kommt man im Oberland nicht vorbei, egal ob unten im Tal, oben auf einem Felsgipfel oder am See: Der Wittelsbacher König Ludwig II., kurz: der Kini, taucht unvermutet überall dort auf, wo man sich wohlfühlt. Hier hat er gerastet, dort Gedichte geschrieben, Wasserpfeife geraucht, Rotwild gefüttert oder ist gar ertrunken. Er hatte Sinn für die Schönheit seiner Heimat, auch wenn er sie am liebsten nachts erkundete, wo doch wohl herzlich wenig zu sehen war.

Wir sind lieber tagsüber im Oberland unterwegs. Und wir hoffen, Sie auch!

Daniela Schetar und Friedrich Köthe

Starnberger See – um die Münchner Badewanne

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1  Drei christliche Heilige und eine Seherin

Würmtal mit Kirche St. Alto

Pilger haben bunte Bändchen und eine Vogelfeder in die Zweige der Hainbuche gebunden, andere Kerzen auf Steinen entzündet. Objekt der Verehrung ist ein unscheinbares Loch im Hang unweit von Leut­stetten, aus dem Wasser sprudelt. Es ist nur eine von vielen Quellen im Würmtal, und doch eine ganz besondere, denn ihr Wasser soll Heilkräfte besitzen. Esoterisch veranlagte Menschen füllen es in Kanister ab und lassen darüber Wünschelruten vibrieren. Leutstetten, ein hübscher Ort im Durchbruchstal der Würm, hat sich zu einer Art Mekka mystischer Sinnsucher vor den Toren Münchens entwickelt. Neben der ›Drei-Bethen-Quelle‹, dem ›Grab der Seherin‹ und einer geheimnisvollen Ringwallanlage im Leutstettener Moos liegen hier auf dem Karlsberg die Überreste einer Burg, in der angeblich Karl der Große das Licht der Welt erblickte. In etwa der geografischen Mitte all dieser ›Kraftorte‹ befindet sich die Leutstettener Kirche St. Alto, mit deren 1643 gemaltem Votivbild unsere Erkundung beginnt.

Das wahrscheinlich auf vorgotischen Mauern errichtete Kirchlein ist leider meist mit einem Gitter verschlossen, durch das Besucher die kunstvolle Ausstattung des Gotteshauses mit seinem bewegten, aus dem 15. Jahrhundert stammenden ›Pfingstwunder‹ über dem nördlichen Seitenaltar mehr erahnen als erfahren können. Um oben genanntes Votivbild zu finden, bedarf es zudem einiger Gelenkigkeit: Es hängt in einer dunklen Nische an der Südwand, auf die man, vom Gitter behindert, nur unter Mühen einen Blick werfen kann. Vor düsterem Hintergrund treten uns drei Frauen entgegen, die im Bild als die Jungfrauen S. Gberpet, S. Ainpet und S. Firpet benannt sind. Mit Kronen und kreisrunden Heiligenscheinen geschmückt tragen sie als Insignien Palmwedel, einen Pfeil und ein Buch – angeblich Symbole von Pestheiligen. Die Jahreszahl 1643 datiert die Entstehung des Bildes in eine Zeit des Mordens und Sterbens, in den Dreißigjährigen Krieg.

Der Volksmund fasst die drei Damen seit jeher unter dem Oberbegriff ›Pethen‹ oder ›Bethen‹ zusammen und dichtet ihnen allerlei Legenden an. Volkskundler bringen sie mit prächristlichen Gottheiten in Verbindung, den Matronen der Kelten oder den Nornen der Germanen, die ebenfalls als Dreiergruppe auftraten. Dass bei der Verehrung der Jungfrauen ein vorchristliches Ritual im katholischen Gewand weiterlebte, lässt eine Verbindung zu der ›Drei-Bethen-Quelle‹ vermuten. Wobei die heutige Quelle, nur wenige hundert Meter westlich von St. Alto, nicht die ursprünglich verehrte Heilquelle im Würmtal ist. Diese sprudelt weiter südlich im Ortsteil Petersbrunn bei einer St. Peter gewidmeten Kapelle. Ein weiterer, mächtiger Kraftort, der mit den drei Heiligen in Verbindung stehen soll, verbirgt sich im schattigen Wald unweit des stillgelegten Bahnhofs Mühlthal: das ›Grab der Seherin‹, in einem bronzezeitlichen Grabhügelfeld gelegen. Wissende sagen, hier sei Firpet beigesetzt.

Magie ist im Oberen Würmtal überall, auch in der Landschaft: Eingeklemmt zwischen den südlichen Vororten Münchens und den nach Norden greifenden Außenbezirken Starnbergs hat sich ein wahres Kleinod der Natur erhalten: Temperamentvoll drängt die Würm aus dem Starnberger See gen Norden und durchquert das Leutstettener Moos, ein artenreiches, unter Naturschutz stehendes Feuchtgebiet, in dem Schwarzkehlchen, Wiesenpieper und Schilfrohrsänger trällern und das im späten Herbst nebelverhangen wohlig gruselig wirkt. Weiter nach Norden haben die Wasser der Würm ein tiefes Durchbruchstal in die Endmoräne des Isar-Loisach-Gletschers gefräst, durch das es sich wunderbar wandern oder Rad fahren lässt. Ob zu magischen Quellen und Gräbern oder einfach nur zum Spaß, sei jedem selbst überlassen.

Tipp: Ein anderes ›Heilwasser‹ wird im Königlich Bayerischen Biergarten der Schlossgaststätte Leutstetten ausgeschenkt: Bier der Kaltenberger Schlossbrauerei.

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St. Alto ist nur zum sonntäglichen Gottesdienst um 9.30 Uhr zuverlässig geöffnet.

Kirche St. Alto /// Altostraße /// 82319 Leutstetten ///

Genießen Sie Helles, Dunkles oder Weißbier aus der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg im Biergarten der Schlossgaststätte Leutstetten /// Altostraße 11 /// 82319 Leutstetten /// 0 81 51 / 81 56 ///

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2  Ansicht und Aussicht

Bismarckturm in Berg-Assenhausen

Da sage noch einmal jemand, Bayern sei Preußen gegenüber voreingenommen. Reichskanzler Bismarck zumindest haben die Münchner mit einem Bauwerk am Starnberger See geehrt. Na gut – es war nicht der einzige Bismarckturm, der zwischen 1869 und 1934 errichtet wurde, doch sicherlich eines der monumentalsten und schönsten unter den 240 auf der ganzen Welt verteilten Denkmälern. Am Geburtstag des Reichsgründers und -kanzlers sowie an jedem 2. September (an dem 1871 die französischen Truppen kapitulierten), loderten auf den Türmen des Nachts riesige Feuer, und mit den Flammen stiegen patriotische Lieder aus Studentenkehlen feierlich-getragen in den Himmel.

Wenn man heute an einem sonnigen Tag auf die Rottmannshöhe kommt, ist von nationaler Beseeltheit wenig zu spüren. Holzbänke stehen am Rande der weiten Lichtung mit Blick auf den See. Bienen summen über die Wiesen, Starnberger führen ihre Hunde Gassi, und ab und an radeln Ausflügler zufällig vorbei, gucken verdutzt, steigen ab und erklimmen eine der Treppen hoch zur Wandelhalle.

Dort unter den Gewölben ist man der Geschichte ganz nah. Inschriften und Wappen, nackter, grauer Stein – Vaterland: ›Nord und Sued auf ewig eins / Ausgeloescht die Grenz’ des Mains‹. Kein Geringerer als der Münchner Malerfürst Franz von Lenbach hatte die Idee für den Turm. 190.000 Mark Spendengelder waren verbaut, als am 1. Juli 1899 die Eröffnungsfeier stattfand, der zweitteuerste Bismarckturm überhaupt. Und die Feuerschale oben? Nebbich! Da haut ein kupferner Adler ganz programmatisch seine Krallen in die Welten­kugel. Man hatte sich bewusst gegen eine Feuereinrichtung entschieden, und auf eine Aussichtsplattform, wie sie es bei vielen anderen Türmen gab, wurde ebenso verzichtet. Bismarck hat von den Münchnern einen reinen Ehrentempel erhalten.

Tipp: Nach 200 Meter Fußweg Richtung Südosten erreicht man die idyllisch im Wald versteckte Bismarck-Quelle – ein Trinkwasserbrunnen der Stadt München von 1899.

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Bismarckturm /// Rottmannshöhe /// 82335 Berg-Assenhausen ///

1/11  Wenn das Eisboot einmal klingelt

Strand Allmannshausen am Starnberger See

Sogar ein bisschen Sand gibt es in der Badebucht unterhalb von Allmannshausen. Im Sommer spenden hohe Bäume bis zum frühen Nachmittag, wenn die Sonne zum Westufer des Starnberger Sees wandert, kühlen Schatten. Selten drängen sich die Menschen hier; man muss nämlich ein gutes Stück bergab gehen oder mit dem Fahrrad fahren, um das Ufer zu erreichen. Das Beste aber ist das Eisboot: Andi und Michi, die sonst als Fischer ihr Geld verdienen, klappern an den Sommerwochenenden mit ihrem mit Eis und Getränken beladenen Boot die Badeplätze am Ostufer ab, und überall, wo sie anlegen und die Glocke schlagen, werden sie sehnsüchtig erwartet. An etwas abgelegeneren Badestellen wie Allmannshausen, wo kühle Getränke und erfrischendes Eis nicht greifbar sind, ist das ein toller Service!

Der Badeplatz in Allmannshausen liegt sehr malerisch mit seinem Blick auf das Feldafinger Ufer gegenüber, an dessen Hang sich Villen von der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert staffeln. Er ist aber leider auch immer wieder Schauplatz schlimmer Unfälle. An der unter Tauchern berühmten Allmannshauser Steilwand, die wenige Meter südlich beginnt, bricht der Grund nicht weit vom Ufer entfernt unter Wasser 70 Meter nahezu senkrecht, teils sogar überhängend ab. Eine faszinierende Topografie, die man nur mit Erfahrung und entsprechendem Können erkunden sollte. Unvorsichtige Taucher geraten leicht in Gefahr, vom Tiefenrausch überwältigt zu werden. Immer wieder fordert die Wand Todesopfer.

Aber so düsteren Gedanken geben wir uns nicht hin, wenn wir in Allmannshausen in die Sonne blinzeln, zum Badefloß hinauswaten oder auf das erlösende Bimmeln warten. Heute steuert der Andi das Eisboot und ist, kein Wunder bei den Temperaturen, schon fast ausverkauft. Einen eisgekühlten Caffè Latte hat er aber noch. Grund genug, ein Stündchen länger zu bleiben.

Tipp: Mit dem Fahrrad erreicht man das Badegelände vom Starnberger S-Bahnhof, der Uferstraße folgend, nach rund 30 Minuten gemütlicher Fahrt.

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In Allmannshausen (Gemeinde Berg) folgen Sie der Seeburgstraße bis zum Schild, das die Weiterfahrt nur Anliegern mit Sondergenehmigung gestattet. Ein Fußweg führt Sie in etwa fünf Minuten bergab durch einen Wald ans Ufer des Allmannshauser Strands.

3  Fliegerbomben über dem Starnberger See

Maria-Dank-Kapelle bei Degerndorf

ipp: Das Panorama nach Süden ist grandios: Es reicht vom Hohen Peißenberg über die Zugspitze bis zum Karwendel. Zwei Schautafeln helfen beim Bestimmen der Berge.