Vorbemerkungen

 

Die vorliegende Zusammenstellung soll einen Überblick über die Diskussionsbreite bieten und Beiträge zur Versachlichung der Themen Gendergerechtigkeit und Geschlechterklischees leisten.

Die Textsammlung umfasst metaartig ventilierte sekundärliterarische Abstracts wissenschaftlicher Studien, Interviews von Genderwissenschaftler*innen, Erfahrungsberichte und Zitate thematisch Betroffener. Regionaler Schwerpunkt der Betrachtung ist der mitteleuropäische Kulturkreis und hier Deutschland. Teilaspekte sind sicherlich auch auf andere Regionen übertagbar. An dieser Stelle muss nicht darauf hingewiesen werden, dass es einige Länder gibt, in denen die Geschlechtergerechtigkeit bereits weiter vorangeschritten ist- so wie es zahlreiche Länder gibt, in denen die diesbezügliche Situation noch weit von fortschrittlichen Auffassungen entfernt ist.

Die Auswahl ist nicht nach Popularitätskriterien erfolgt und kann deutlich vom empfundenen Mainstream abweichen. Allerdings wird guten Gewissens behauptet, dass schon aufgrund der hohen Textanzahl eine große Vielfalt mit tlw. widersprüchlich erscheinenden Aussagen abgebildet ist. Es wurde keine Facette ausgeklammert, auch wenn zahlreiche Erkenntnisse nicht in allen Kreisen en vogue sind und lediglich auf ein Mindestniveau geachtet.

Viele Texte behandeln Querschnittsthemen und sind nur vorläufig dem Kapitel mit der jeweiligen Hauptaussage zugeordnet. Die Kapitel eins bis elf weisen zahlreiche Verbindungen auf. Als einziger Eingriff wurde neben der Nichtberücksichtigung unseriös erscheinender Quellen, bei einigen Texten das Kürzen um (subjektiv, hier thematisch) weniger relevante Absätze bzw. „Überlängen“ vorgenommen. Diese Stellen sind mit drei Punkten gekennzeichnet.

Auf Grund der allgemeinen Informationsfülle und voranschreitenden Forschung, kann kein Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität erhoben werden. Die Zusammenstellung erhebt selbst keinen wissenschaftlichen Anspruch und ist nicht zusätzlich kommentiert. Die Texte der Kapitel 13- 15 sind in erster Linie wegen des Unterhaltungswertes beigefügt. In den Ergänzungen sind teileweise lancierte bis provokante Thesen wiedergegeben.

Der lange Erfassungszeitraum mit einer Verdichtung in den jüngeren Jahren, bietet die Möglichkeit, Entwicklungen im Diskussionsstand abzuleiten. Dabei wird man feststellen, dass manch ältere Darlegung teilweise erschreckend aktuell ist.

Die Quellen sind breit gestreut. Dazu gehören Internetrecherchen und Printmedien. Der Vorteil der Nutzung von Sekundärliteratur liegt in der bereits vorgenommenen Relevanzfilterung für geneigte Leser*innen und der Aufbereitung hinsichtlich Lesbarkeit. An dieser Stelle bedanke ich mich ausdrücklich bei allen Autor*innen und Forscher*innen!

Durch selektive Textauswahl wäre es möglich, vorgefasste Sichtweisen echokammerartig zu bestätigen. Ziel ist jedoch, die Perspektive auf Horizonte jenseits „begrenzender Tellerränder“ zu erweitern sowie Gelegenheit bieten, eigene Verhaltensmuster zu prüfen; Dazu ist die Auswertung aller Texte zum jeweiligen Thema, statt punktueller Auswahl erforderlich.

Der Buchtitel soll nicht diskreditieren, sondern anregen, Klischees und Vorurteile zu prüfen, mit Beispielen, Fakten oder wissenschaftlichen Erkenntnissen zu hinterlegen oder abzulegen. Die Veröffentlichung soll weiterhin zur sachlichen Vertiefung der verschiedenen Genderaspekte und fundierter Meinungsbildung ermutigen.

1.   Emanzipation/ Genderstudies allgemein

1.1     dpa: Studie Mädchenschulen nicht besser als gemischter Unterricht, www. umlauf.de, 27.04.2001

Kinder lernen nach den Ergebnissen einer neuen Studie ebenso gut in reinen Mädchen- und Jungenklassen wie in gemischten Klassen. Entscheidend sei allein die Qualität und nicht die Organisationsform des Unterrichts, sagte Detlef Rost, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Marburg, in einem Gespräch mit der dpa.

In der Studie zum so genannten „koedukativen Unterricht“ untersuchte eine Arbeitsgruppe drei katholische Privatschulen in großen Städten. Sie alle boten sowohl gemischte als auch reine Mädchenklassen an. Mit der Auswahl sollte gewährleistet werden, dass es keine Unterschiede in der sozialen Struktur der Schüler gab. Ein Fehler früherer Studien liegt nach Einschätzung Rosts nämlich darin, dass reine Mädchenschulen untersucht wurden. Diese rekrutierten ihre Kinder jedoch aus höheren sozialen Schichten, die besser als der Durchschnitt in naturwissenschaftlichen Studiengängen vertreten seien. „So kam das Gerücht in die Welt, dass junge Frauen aus Mädchenschulen besser in Mathe und Physik sind“, sagte Rost.
Die neue Studie dagegen wies klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber keine Abweichungen nach Schulform nach. Befragt worden waren alle Kinder der fünften und sechsten Klassen. Unter anderem baten die Forscher sie um eine Selbsteinschätzung der Leistungen in Mathematik, sie fragten sie aber auch nach privaten Vorlieben und ihren Rollenbildern. In naturwissenschaftlichen Fächern schätzten sich Jungs in der Regel als stark und die Mädchen als schwach ein- egal, welche Klasse sie besuchten.

Die Unterrichtsform habe keinen Einfluss auf die Leistungen in bestimmten Fächern, folgerte Rost. Sie wirkt sich demnach auch nicht auf die „Orientierung an einer Geschlechterrolle“ aus. Rost rief dazu auf, die seit Jahrzehnten geführte Debatte über die so genannte «Koedukation» zu den Akten zu legen: «Wir sollten lieber untersuchen, was einen guten Unterricht ausmacht.“


1.2     Schwarzenbach: Väter in Deutschland, in Die Zeit 13.05.2004

Wie viele Väter gibt es?* 10.100.000

Wie alt sind verheiratete Männer im Durchschnitt, wenn sie zum ersten Mal Vater werden?** 33,1 Jahre

Wie viel Prozent aller Männer über 45 sind kinderlos?***
…in den alten Ländern 16,9 %
…in den neuen Ländern 11,1 %
…in der Stadt 18,7 %
…auf dem Land 12,7 %

Wie viel Prozent aller Väter sind alleinerziehend?*  3 %

Wie viele Väter sind erwerbstätig?* 86 %

Wie viele Väter arbeiten Vollzeit?**** 82,6 %

Wie viele Väter haben eine Teilzeitbeschäftigung?**** 2,9 %

Wie hoch ist der Anteil der Väter, die im ersten Lebensjahr ihres Kindes Erziehungsurlaub nehmen?****** 1,6 %

Wie hoch ist der Anteil der Väter unter den Männern im mittleren Management?***** 80 %

Wie viel Zeit verbringt ein Vater im Durchschnitt täglich mit seinem Kind, wenn es jünger als 3 Jahre ist?****** 4 Stunden 9 Minuten

Wie viel Zeit verbringt ein Vater durchschnittlich am Tag mit seinem Kind, wenn es zwischen 12 und 16 Jahre alt ist?******   2 Stunden 11 Minuten

Wie viel Zeit verwendet ein erwerbstätiger Vater im Durchschnitt täglich für die Arbeit in Haus und Garten?**   1 Stunde 3 Minuten

Wie viele "Väter des Grundgesetzes" gibt es?****** 61

Wie viele heilige Väter gibt es?******** ca. 10

Fußnoten:

* Zwischen 15 und 64, mit einem Kind im selben Haushalt

** Quellen (auch für 1 und 3): Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2003, "Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland"

*** Nach der Studie von Christian Schmitt: "Kinderlose Männer in Deutschland", Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin, 2004

**** Bezogen auf die Zahl aller erwerbstätigen Väter

***** Laut Professor Sonja Bischoff, Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik

****** Quelle: Bundesfamilienministerium

******* Im Parlamentarischen Rat von 1948 saßen 61 Männer und vier Frauen

******** Von der Kirche heilig oder selig gesprochene Väter aus dem deutschsprachigen Raum; Schätzung von Prälat Helmut Moll, Konsultor an der römischen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsverfahren

Zugrunde gelegt wurden jeweils die aktuellsten verfügbaren Zahlen


1.3     Justus Bender: Zeit für die Wahrheit, in Die Zeit, 02.09.2010

In die Geschlechterdiskussion hat sich eine Reihe von Mythen eingeschlichen. Hier die sechs Ärgerlichsten:

1. Mädchen sind in der Schule besser als Jungen.

Die fleißigen Mädchen mit ihrer Schönschrift und den gemachten Hausaufgaben haben die Jungen mit ihrer Sucht nach Videospielen und Fußballwissen in Deutschlands Klassenräumen längst abgehängt. Soweit das Klischee. Tatsächlich gab es einmal an Gymnasien einen Vorsprung für die Mädchen, die Jungen haben ihn aber wieder aufgeholt, das zeigen Zahlen der Forscher vom Hochschul-Informations-System (HIS). Im Jahr 2004 hatten Mädchen beim Abitur einen Schnitt von 2,33- Jungen hingegen einen schlechteren Schnitt von 2,4. Zwei Jahre später- im Jahr 2006- waren die Jungen mit einem Schnitt von 2,20 sogar ein wenig besser als die Mädchen mit einem Schnitt von 2,21. Und im Jahr 2008 hatte sich das Verhältnis wieder leicht zugunsten der Mädchen gedreht: 2,24 (Mädchen) im Vergleich zu 2,22 (Jungen). Mädchen sind zumindest in der Oberstufe nicht besser in der Schule als Jungen. Geht man davon aus, dass ein anderes Klischee stimmt- nämlich dass Naturwissenschaften an Schulen härter benotet werden als Sprachen und Kunst-, könnte man die aktuellen Zahlen sogar zugunsten der Jungen interpretieren, denn die demnach strenger zensierten Physik- und Chemie- Leistungskurse sind weiterhin fest in Knabenhand.

2. und 3.: Im Kapitel: Frauen in der akademischen Welt

4. Berufstätige Frauen arbeiten genauso viel wie Männer

Dass Frauen absolut weniger Stunden arbeiten, weil sie öfter in Teilzeit beschäftigt sind, ist bekannt. Allerdings arbeiten Frauen auch ohne diesen Faktor weniger als Männer. Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes arbeiten alle Deutschen jede Woche etwas weniger, als in ihrem Arbeitsvertrag verlangt wird. Im Jahr 2009 betrug die pro Woche vom Arbeitgeber verlangte Arbeitszeit im Schnitt 35,7 Stunden, die Deutschen arbeiteten aber nur 32 Stunden. Frauen arbeiten dabei noch ein kleines bisschen weniger als Männer. Im Jahr 1991 blieben sie 2,3 Stunden hinter den Erwartungen zurück, Männer nur 0,8 Stunden. Im Jahr 2001 fehlten bei den Frauen 1,8 Stunden, bei den Männern nur 0,3 Stunden. Im Jahr 2009 hat sich das Verhältnis erstmals in 20 Jahren zugunsten der Frauen gedreht. Die Männer arbeiteten 3,8 Stunden zu wenig, bei den Frauen fehlten nur 3,2 Stunden. Grund könnte die Wirtschaftskrise sein, die besonders die von Männern dominierten Branchen stärker getroffen hat. Laut der gerade erschienenen Studie Wer führt in (die) Zukunft? der Hamburger Wirtschaftswissenschaftlerin Sonja Bischoff arbeiten sogar Managerinnen weniger als ihre männlichen Kollegen. Bischoff hat weibliche Führungskräfte über mehr als 20 Jahre hinweg befragt. 1986 arbeiteten 40 Prozent der Frauen weniger als 50 Stunden die Woche. 2008 waren es bereits 71 Prozent- unter den Männern nur 46 Prozent. Das, so Bischoff, könne schlechterdings allein an den 14 Prozent in Teilzeit arbeitenden Managerinnen liegen. Eine mögliche Erklärung: Während sich laut Deutschem Institut für Wirtschaft (DIW) nur 20 Prozent der Führungskräfte insgesamt an der Hausarbeit beteiligen, sind es unter den weiblichen Spitzenmanagern 59 Prozent.

5. Frauen streben genauso in Führungspositionen wie Männer

Die sprichwörtliche gläserne Decke: Man stellt sie sich als talgverschmierte Scheibe vor, gegen die Frauen ihre Nasen drücken, um voller Sehnsucht das Treiben in der Männerwelt der Chefetage zu beobachten. Soweit die Fantasie, die Realität sieht anders aus. Sonja Bischoff hat in ihrer Studie seit 1986 Frauen im mittleren Management der deutschen Wirtschaft befragt. Von den Frauen, die später Chefinnen wurden, hatte zu Beginn der Karriere nur ein Fünftel eine Führungsposition angestrebt. Unter den Männern, die es nach oben schafften, waren es zwei Fünftel. Umgekehrt sagten 30 Prozent der weiblichen Manager, dass sie zu Beginn ihrer Karriere eine Führungsposition nicht in Erwägung gezogen hätten. Unter den Männern berichteten das von sich nur 18 Prozent. Für die Brigitte- Studie 2009 wurden rund 1000 Männer und Frauen gefragt, was es für sie bedeutet, in unserer Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Nur 61 Prozent der Frauen sagten: "eine berufliche Führungsposition einzunehmen". Das Gleiche antworteten hingegen 70 Prozent der Männer. Offenbar ist es Frauen also tatsächlich weniger wichtig, Chef zu werden, als Männern.

6. Weibliche Chefs sind schlecht für die Rendite

Mit viel Mühe könnte man rationale Gründe für dieses Vorurteil suchen. Vielleicht ist dem weiblichen Geschlecht eine gewisse Sanftheit eigen, die es ihm erschwert, im Geschäftlichen hart zu verhandeln? Vielleicht sinkt mit einer Chefin an der Spitze der Gewinn eines Unternehmens, weil Frauen sich in ihrer Menschlichkeit eher dem gemeinnützigen Ansatz verpflichtet fühlen als dem kalten, männlichen Profitstreben? Alles falsch! Das Gegenteil ist der Fall. Die Unternehmen mit dem höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen in Europa hatten in den Jahren 2003 bis 2005 einen um 48 Prozent höheren Gewinn (Ebit) als der jeweilige Branchendurchschnitt. Das hat eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey unter allen börsennotierten Großunternehmen in Europa ergeben. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Accenture kommt zu dem gleichen Ergebnis: Je höher der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit Personalverantwortung klettert, umso stärker steigt auch der Profit. Accenture hatte die 358 größten Unternehmen aus 24 Ländern Europas analysiert. Die Studie geht davon aus, dass jede Form von Diversität zum Unternehmenserfolg beiträgt. Auch Unternehmen mit einem hohen Anteil an internationalen Mitarbeitern waren insgesamt deutlich erfolgreicher als die nur von Einheimischen geführten Firmen.


1.4     Adelheid Müller- Lissner : Auch Mädchen können Mathe, in Tagesspiegel, 06.06.2012

Hartnäckig hält sich der Mythos, Jungen seien im Fach Mathematik von Natur aus begabter. Doch das ist falsch, wie eine neue Studie zeigt. … Mit den Mythen, die sich um den vermeintlichen mathematischen "Geschlechtergraben" ranken, haben sich nun die Biochemikerin Janet Mertz und der Mathematiker Jonathan Kane beschäftigt. Sie kommen zu dem Ergebnis: Die Mythen stimmen nicht. Die Wissenschaftler, privat ein Paar, arbeiten beide an der Universität Wisconsin-Whitewater. Sie haben Daten von Hunderttausenden von Schülerinnen und Schülern aus 86 Ländern hin und her gewendet, die den großen internationalen Schul-Vergleichsstudien Pisa und Timss entstammen. Die Ergebnisse sind unlängst in den Notices of the American Mathematical Society erschienen. Mertz und Kane entkräften vor allem die Hypothese von der größeren Variabilität der männlichen mathematischen Begabung. Mit dieser Theorie, die erstmals im 19. Jahrhundert aufgestellt wurde, war in den USA im Jahr 2005 der damalige Harvard-Präsident Lawrence Summers an die Öffentlichkeit getreten, was eine heftige öffentliche Diskussion auslöste. Summers hatte behauptet, unter Jungen und erwachsenen Männern gebe es mehr mathematisch- naturwissenschaftliche Genies, aber auch mehr Unbegabte. Mädchen und Frauen füllten dagegen eher das Mittelfeld. Um diese Hypothese zu testen, durchforsteten die US-Wissenschaftler zunächst die Ergebnisse der letzten beiden Timss- Studien von 2003 und 2007. Für diese Trends in International Mathematics and Science Study müssen alle vier Jahre Hunderttausende von Viert- und Achtklässlern aus der ganzen Welt Mathe-Aufgaben lösen. Mertz und Kane interessierten sich vor allem für die Bandbreite der Leistungen, die beide Geschlechter zeigten. Sie stellten fest, dass sie keinesfalls eine feste Größe ist, sondern beträchtlich schwankt. Während Länder wie Taiwan den Beleg für die These von der größeren männlichen Varianz stützen, ist es in Tunesien genau umgekehrt. Dort zeigen sich größere Schwankungen der Leistungsstärke bei den Mädchen. In Marokko dagegen war die Bilanz ausgeglichen. "Wäre die Hypothese von der größeren männlichen Varianz richtig, dann müssten Jungen in allen Ländern eine größere Bandbreite an Leistungen zeigen", schreiben die beiden Autoren. "Mich wundert dieses Ergebnis nicht", sagt auch Marianne Horstkemper, bis vor kurzem Professorin für Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung an der Uni Potsdam. "Wir wissen schon länger, dass in der Mathematik die Leistungen der Geschlechter weniger differieren als ihre Selbsteinschätzung." Polarisierend wirkten bei den Jungen oft auch die Erwartungen der Lehrer. Einerseits traue man ihnen in Mathe eher Spitzenleistungen zu. Andererseits hätten sie ein Risiko, in allen Fächern aufgrund "schulunangepassten Verhaltens" schlechter bewertet zu werden. Die Autoren der US-Studie sprechen sich dafür aus, bei der Ursachenforschung gründlicher vorzugehen. Beispiel Achtklässler in Bahrein: Dort finden sich bei den guten Leistungen gleich viele Mädchen wie Jungen, bei den schlechten Leistungen überwiegen dagegen die Jungen. Sind hier also Jungen weniger begabt? Vielleicht hätten nur die leistungsschwachen Schülerinnen die Schule vorzeitig verlassen müssen, während ihre Brüder bei gleicher Leistung weitermachen durften, geben die Autoren zu bedenken. Spielt es eine Rolle, ob Schülerinnen und Schüler getrennt oder gemeinsam unterrichtet werden? Die beiden Forscher aus Wisconsin nahmen die Daten aus 17 Ländern unter die Lupe, in denen mehr als 15 Prozent der Schüler in reinen Mädchen- oder Jungenklassen unterrichtet werden. In Südkorea, wo Familien teilweise keinen Einfluss auf die Zuteilung ihrer Kinder in nach Geschlechtern getrennten oder gemischte Klassen haben, resultierten bei den 15-Jährigen daraus keine Leistungsunterschiede. In Dubai wiederum erzielten Mädchen und Jungen in gemischten Klassen einheitlich weit bessere Leistungen, als jedes der beiden Geschlechter in reinen Mädchen- oder Jungenklassen. Getrennte Klassenzimmer sind also nicht die Lösung. In Ländern, in denen mathematische "Geschlechtergräben" erkennbar sind, haben sie sich in den letzten Jahren im Übrigen verkleinert. Kane und Mertz, deren eigener, mathematisch hochbegabter Sohn bei der Internationalen Mathe-Olympiade zweimal Gold gewann, können auch belegen, dass der Gender Gap Index , ein international gebräuchliches Messinstrument für ökonomische und rechtliche Gleichstellung der Geschlechter, mit mathematischen Spitzenleistungen korreliert. Wo gut ausgebildete Frauen leben, profitieren in der Schule demnach Jungen und Mädchen.“ …


1.5     Harald Martenstein: Schlecht, schlechter, Geschlecht , in ZEITmagazin, 06.06.2013

… „ Die meisten Leute, die nicht im Universitätsbetrieb stecken, können sich unter den Wörtern "Gender", "Gender Mainstreaming" und "Gender Studies" nicht viel vorstellen. Letzteres ist wahrscheinlich der am schnellsten wachsende Wissenschaftszweig in Deutschland. 2011 gab es 173 Genderprofessuren an deutschen Unis und Fachhochschulen, die fast ausschließlich mit Frauen besetzt werden. Die Förderung dieses Faches gehört zu den erklärten bildungspolitischen Zielen der Bundesregierung, SPD und Grüne sind auch dafür. Die Slawisten zum Beispiel, mit etwa 100 Professoren, sind von den Genderstudies bereits locker überholt worden. Die Paläontologie, die für die Klimaforschung und die Erdölindustrie recht nützlich ist, hat seit 1997 bei uns 21 Lehrstühle verloren. In der gleichen Zeit wurden 30 neue Genderprofessuren eingerichtet. …

Bei Franziska Schößler, deren Buch 2008 erschienen ist, liest sich das so: "Es sind vor allem kulturelle Akte, die einen Mann zum Mann machen." Das ist eine mutige These. Spielen nicht auch das Hormon Testosteron und die Evolution bei der Mannwerdung eine ziemlich große Rolle? Man hört so etwas oft, wenn man mit Wissenschaftlern redet, die keine Genderforscher sind. In den folgenden Tagen habe ich dann noch zwei weitere Einführungen in die Genderforschung gelesen. Irritierenderweise tauchte das Wort "Hormon" nur zwei- oder dreimal am Rande auf, das Wort "Evolution" überhaupt nicht. Mehr noch, sogar hinter die Existenz des Penis- in diesem Punkt bin ich mir bis dahin völlig sicher gewesen- muss im Licht der Genderforschung zumindest ein Fragezeichen gesetzt werden. "Anatomie ist ein soziales Konstrukt", sagt Judith bUtler , eine der Ahnfrauen der Genderforschung. Es sei Willkür, wenn Menschen nach ihren Geschlechtsteilen sortiert werden, genauso gut könne man die Größe nehmen oder die Haarfarbe. Die seien genauso wichtig oder unwichtig.

Das Feindbild der meisten Genderforscherinnen sind die Naturwissenschaften. Da ähneln sie den Kreationisten, die Darwin für einen Agenten des Satans und die Bibel für ein historisches Nachschlagewerk halten. "Naturwissenschaften reproduzieren herrschende Normen."- "Naturwissenschaften konstruieren Wissen, das den gesellschaftlichen Systemen zuarbeitet."- "Der Objektivitätsanspruch der Wissenschaft ist ein verdeckter männlicher Habitus."- "Naturwissenschaft und Medizin haben eine ähnliche Funktion, wie die Theologie sie einst hatte". Von solchen Sätzen wimmelt es in den Einführungen. Irgendwie scheint Genderforschung eine Antiwissen-schaft zu sein, eine Wissenschaft, die nichts herausfinden, sondern mit aller Kraft etwas widerlegen will. Aber wenn Wissenschaft immer interessengeleitet ist, was vermutlich stimmt, dann gilt dies wohl auch für die Genderforschung.

Ich fahre zu Hannelore Faulstich-Wieland, Genderforscherin, Pädagogin und Gleichstellungsbeauftragte an der Hamburger Uni. In einem Interview hat sie mal gesagt, dass es gesellschaftliche Gründe habe, wenn Männer im Marathonlauf schneller sind als Frauen. Sie ist sehr nett. Und sie hat zwei Söhne. Menschen mit Kindern tendieren meist zu der Ansicht, dass es natürliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt. Aber sie tickt nicht so. Eines ihrer Forschungsgebiete: "Männer und Grundschule". In der Schule läuft es für die Mädchen meist besser als für die Jungen. Es gibt mehr männliche Schulabbrecher, mehr Sitzenbleiber, weniger Abiturienten. Entwicklungsstörungen aller Art, ADS, Asperger, das sind typische Probleme von Jungs. Seit Mädchen den gleichen Zugang zu Bildung haben, merkt man, wie schwach die Jungen sind, im Durchschnitt. Wegen ihrer besseren Noten dominieren inzwischen junge Frauen das Medizinstudium. Viele meinen, dass es mehr männliche Lehrer an der Grundschule geben sollte, weil Männer ein Rollenmodell sein und mit der Aggressivität schwieriger Jungs besser umgehen könnten. Faulstich-Wieland hält Erzieher dagegen für gefährlich. Die Gefahr bestehe darin, dass "Jungen auf ein Stereotyp von Männlichkeit programmiert werden". Das gleiche Argument, das schon gegen die röhrenden Hirsche in der Eifel sprach! Außerdem enthalte der Ruf nach mehr Lehrern die Unterstellung, Lehrerinnen leisteten keine gute Arbeit. Dies sei eine Abwertung von Frauen. Das aggressivere Verhalten der Jungs sei anerzogen. Folglich müsse es aberzogen werden. Jungs hätten eine negative Einstellung zum Lernen, was damit zusammenhänge, dass sie schon früh auf eine männliche Rolle festgelegt würden. Schon Babys würden ja verschieden behandelt, daher komme die Verschiedenheit von Mädchen und Jungs.

Wer mit Genderforscherinnen ins Gespräch kommen will, darf sich nicht daran stören, dass das Wort "männlich" durchgängig negativ besetzt ist. Muss man die Jungs einfach dazu bringen, sich wie Mädchen zu verhalten- ist das die Lösung? Und kann es wirklich sein, dass viele Mütter ihren Söhnen schon als Babys beibringen, schwierige Raufbolde zu werden? Was ist denn mit den Müttern los? Als ich versuche, ein paar wissenschaftliche Studien über Jungs aus meinem Gedächtnis hervorzukramen, sagt Hannelore Faulstich-Wieland: "Naturwissenschaft ist eine Konstruktion." Erst als wir uns schon getrennt haben, fällt mir ein, dass es ja eigentlich eine Abwertung der Männer darstellt, wenn es heißt, mehr Frauen sollten Professorinnen werden. Leisten Professoren keine gute Arbeit? Jedenfalls ist der Fachbereich Pädagogik fest in weiblicher Hand, im Studentencafé sitzen fast nur Frauen, alle in Gruppen, plaudernd. …

Robert Plomin hat das Aufwachsen von 3000 zweieiigen Zwillingen beobachtet, Jungen und Mädchen, die in derselben Familie aufwuchsen. Im Alter von zwei Jahren war der Wortschatz der Mädchen bereits deutlich größer. Die Neurowissenschaftlerin Doreen Kimura hat einen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel, Berufswahl und räumlichem Vorstellungsvermögen nachgewiesen- bei Männern und Frauen. Den höchsten Testosteronspiegel haben übrigens Schauspieler, Bauarbeiter und Langzeitarbeitslose, den niedrigsten haben Geistliche. Der Osloer Kinderpsychiater und Verhaltensforscher Trond Diseth hat neun Monate alten Babys in einem nur von Kameras überwachten Raum Spielzeug zur Auswahl angeboten, Jungs krochen auf Autos zu, Mädchen auf Puppen. Der Evolutionsbiologe Simon Baron-Cohen, ein Vetter des Filmemachers Sascha Baron-Cohen, hat die Reaktionen von Neugeborenen erforscht, da kann die Gesellschaft noch nichts angerichtet haben: Mädchen reagieren stärker auf Gesichter, Jungen auf mechanische Geräte. Richard Lippa hat 200.000 Menschen in 53 Ländern nach ihren Traumberufen gefragt, Männer nannten häufiger "Ingenieur", Frauen häufiger soziale Berufe. Die Ergebnisse waren in so unterschiedlichen Ländern wie Norwegen, den USA und Saudi-Arabien erstaunlich ähnlich. Wenn es wirklich einen starken kulturellen Einfluss auf die Berufswahl gäbe, sagt Lippa, dann müssten die Ergebnisse je nach kulturellem Kontext schwanken.

Der Hirnforscher Turhan Canli, ein Amerikaner, hat festgestellt, dass Frauen emotionale Ereignisse meist in beiden Hirnhälften speichern, Männer nur in einer. An einen Ehestreit oder den ersten Kuss können sich Männer deshalb im Durchschnitt nicht so gut erinnern wie Frauen. Wenn auf Fotos Gesichter zu sehen sind, traurige oder fröhliche, dann entschlüsseln Männer die Emotionen der abgebildeten Personen im Durchschnitt schlechter. Mein Lieblingsexperiment hat Anne Campbell an der Universität Durham veranstaltet: Männer und Frauen wurden zu einem Test eingeladen. Dann teilte man ihnen mit, dass sie schmerzhafte Elektroschocks erdulden müssten. Es dauere noch ein paar Minuten. Die Frauen warteten gemeinsam, in Gruppen. Die Männer warteten lieber alleine.

Die Wissenschaft ist sich einig: Geschlechterunterschiede sind zum Teil sicher anerzogen. Vieles hängt aber auch mit der Evolution und mit den Hormonen zusammen. Ist das alles wirklich nur Ideologie? Gibt es eine Art Weltverschwörung, gegen die Genderforschung? Und wenn ja: Wo bleiben eigentlich die Gegenstudien? Genderprofessorinnen gibt es doch reichlich.

Im Grunde ist die Genderdebatte nur eine Variante der uralten Diskussion über das, was ein Individuum zu einem Individuum macht, die Umwelt oder das Erbe. Was ist genetisch determiniert, was ist von den Eltern anerzogen, was geht auf den Einfluss der Gesellschaft zurück?

An der Berliner Charité wird medizinische Genderforschung betrieben, zur Frage, warum Frauen und Männer für Krankheiten unterschiedlich anfällig sind. Im Regelfall aber ist diese Wissenschaft eher theoretischer Natur. Das hängt stark mit John Money zusammen, einem amerikanischen Sexualforscher, der die Gendertheorie in den fünfziger Jahren miterfunden hat. Um seine These zu beweisen-Geschlecht ist nur erlernt-, hat Money den zweijährigen Bruce Reimer 1966 von seinem männlichen Genital befreit und als Mädchen aufwachsen lassen. Der Penis des Kindes war bei der Beschneidung verletzt worden, deshalb ließen sich die Kastration und die Herstellung von Schamlippen wohl als eine Art "Therapie" darstellen. Eine Ethikkommission wurde offenbar nicht konsultiert. Alice Schwarzer hat dieses nicht sehr menschenfreundliche Experiment als eine der wenigen Forschungen zum Geschlechterverhältnis gewürdigt, die "nicht manipulieren", sondern "aufklären". Der erwachsene Reimer ließ die Umwandlung rückgängig machen und erschoss sich. Seitdem muss die Theorie ohne Beweisversuche auskommen. Geschadet hat das ihrer Verbreitung nicht wirklich.

Uta Brandes ist Professorin für Gender und Design in Köln, seit 1995. Eine ihrer früheren Studentinnen heißt Gesche Joost und gehört jetzt zum "Kompetenzteam" des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. In den neunziger Jahren hat die SPD-Ministerin Anke Brunn jeder Hochschule in Nordrhein-Westfalen eine neue Professorenstelle versprochen, vorausgesetzt, es handelte sich um eine Genderprofessur. Das führte zu einem Boom. … Uta Brandes hat unter anderem das Verhalten an Fahrkartenautomaten erforscht, sie ist also keine Theoretikerin. Männer haben an Automaten weniger Angst vor Misserfolgen, Methode "Trial and Error". Frauen überlegen länger, bevor sie einen Knopf drücken. Die Ergebnisse lassen einen irgendwie an Peer Steinbrück und Angela Merkel denken. Brandes befasst sich auch damit, wie man ein alltagstaugliches Statussymbol für mächtige Frauen gestalten könnte. Eine große, höhlenartige Handtasche wäre eine Möglichkeit. Sie hat außerdem vorgeschlagen, dass die englischen Wörter teacher und professor, die für Männer und Frauen gelten, eine weibliche Form bekommen, teacheress und professoress. "Frauen müssen in der Sprache sichtbar sein", sagt sie. Aber die Engländer lassen sich in ihre Sprache natürlich ungern von einer deutschen Professorin hineinreden. In Deutschland könnte man es durchsetzen, denke ich. Die Inder haben ja auch ein eigenes Englisch. Zum Abschied sage ich: "Na, zur Fortpflanzung wird man die Männer und dieses ganze phallische Zeugs jedenfalls weiterhin brauchen." Uta Brandes lacht und sagt: "Wer weiß, wie lange noch."

Mit den Auswirkungen des Teufelszeugs Testosteron hat sich besonders intensiv die kanadische Psychologin Susan Pinker befasst, ihr Buch Das Geschlechter-Paradox wurde in viele Sprachen übersetzt. Testosteron macht Menschen risikofreudiger und kräftiger, Männer haben meistens mehr davon. Leider macht es auch kurzlebiger, weil es das Immunsystem schwächt. Postoperative Infektionen verlaufen bei 70 Prozent der Männer tödlich, aber nur bei 26 Prozent der Frauen, daran sind weder die Ärzte schuld noch die Gesellschaft. Warum haben relativ viele Jungs Probleme in der Schule? Oft hängt es -das verdammte Testosteron!- mit mangelnder Disziplin zusammen. Mädchen halten sich, im Durchschnitt, eher an die Regeln. Andererseits könnte man eine lange Liste von spektakulären Schulversagern zusammenstellen, die später sehr hübsche Karrieren zustande gebracht haben, darunter Charles Darwin . Ab einem gewissen Punkt der Biografie ist das Testosteron wieder nützlich, bei manchen zumindest.

In Wirklichkeit ist die Biologie längst weiter. Frauen und Männer haben im Durchschnitt den gleichen Intelligenzquotienten. Aber am oberen und am unteren Ende der Skala finden sich mehr Männer, sie sind extremer, oder, wie Pinker einen Kollegen zitiert: "Bei den Männern gibt es mehr Genies und mehr Idioten." Noch schöner hat es die Kulturhistorikerin Camille Paglia gesagt: "Ein weiblicher Mozart fehlt, weil es auch keinen weiblichen Jack the Ripper gibt." Extremes Verhalten und obsessive Fixierung auf eine bestimmte Sache- so was ist eher ein Männerding. Der Typ, der Amok läuft, um sich für eine Kränkung zu rächen: fast immer ein Mann. Der Mensch, der eine 90-Stunden-Woche nach der anderen herunterschrubbt, weil er Chef werden will, und am Ziel tot umfällt: wahrscheinlich ein Mann. Ein extremer Einzelgänger und Hypochonder, der Klavier spielt und sonst fast nichts tut: Glenn Gould. Ein Mensch, der in jeder freien Minute Wörterlisten auswendig lernt, nur weil er, völlig sinnlos, Scrabble-Weltmeister werden will: Joel Wapnick. Wer sich einen Sonderling oder einen Eigenbrötler mal genauer anschaut, entdeckt fast immer einen Penis.

Das Geschlechter-Paradox besteht darin, dass sich in freien Gesellschaften mit ausgeprägten Frauenrechten nicht weniger, sondern mehr Frauen für angeblich typische Frauenberufe entscheiden, soziale oder kreative Berufe. Wenn Frauen die Wahl haben, tun sie eben nicht das Gleiche wie die Männer. Sie werden, ohne Druck, im Durchschnitt lieber Ärztin, Lehrerin oder Journalistin als Statikerin, Ingenieurin, Schachprofi oder Patentanwältin. Über Individuen sagen solche Statistiken natürlich nichts aus, es kann auch hervorragende, glückliche Notarinnen geben und Physik-Nobelpreisträgerinnen. Wer aber glaubt, dass wir alle dem gleichen Normgeschlecht angehören und deshalb überall in der Gesellschaft ein Verhältnis von 50 zu 50 herrschen muss, der kann dies, laut Susan Pinker, nur mit staatlichen Zwangsmaßnahmen erreichen. Weder Hannelore Faulstich-Wieland noch Uta Brandes kannten ihre Kollegin Susan Pinker. …

Inzwischen habe auch ich, wie die Genderforschung, eine Theorie. Ich glaube, ich weiß, warum selbst bestens belegbare Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Geschlechterforschung von vielen Genderfrauen abgelehnt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen werden. "Natur" war, jahrtausendelang, ein Totschlagargument der Männer. Frauen konnten angeblich dieses nicht und jenes nicht, sie galten als eitel, dumm, schwach, hysterisch, zänkisch, schwatzhaft und charakterlich fragwürdig. Das alles kam im Gewande der wissenschaftlichen Erkenntnis daher. So wie man auch für wissenschaftlich belegt hielt, dass man Mörder an ihren Augenbrauen und Vergewaltiger an ihren Ohrläppchen erkennen könne. Immer hingen die angeblichen Defizite der Frauen mit ihrer angeblichen Biologie zusammen, und meistens ging es dabei darum, die Macht der Männer ideologisch zu begründen. Wenn früher von Unterschieden zwischen Männern und Frauen die Rede war, dann lief es immer darauf hinaus, dass Frauen die Schlechteren sind und Männer die Besseren. Die Genderfrauen ziehen daraus den Schluss, dass biologische Forschung insgesamt ein Herrschaftsinstrument der Männer sein muss. Deshalb sagen sie: Es gibt keine Unterschiede, basta. Warum? Weil es einfach keine geben darf. Genderforschung ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.

In Wirklichkeit ist die Biologie längst weiter. Sie kann zeigen, dass Männer und Frauen in vielen Bereichen gleich sind, in anderen verschieden. Sonst wäre die Evolution ja sinnlos gewesen- wozu zwei Mal das gleiche Modell entwickeln? Beide Geschlechter haben Stärken und Schwächen, die sich ergänzen, und ganz sicher ist keines "besser" als das andere. Wenn ein Mann und eine Frau zusammen in Urlaub fahren wollen, wird in 80 Prozent der Fälle sie noch schnell das Gespräch mit einem schwierigen Handwerker führen, während er den Kofferraum belädt. Das ist nicht sexistisch, das ist klug.


1.6     Elisabeth Raether , Tanja Stelzer: Das geschwächte Geschlecht, in Die Zeit, 02.01.2014

… Auch in der Realität ist die Liste der männlichen Dramen lang, und sie wird immer länger. Psychische Störungen treten heute bei Jungen achtmal häufiger auf als bei Mädchen. Das konstatiert der Soziologe Walter Hollstein in seinem Buch Was vom Manne übrig blieb.

Zwei Drittel der Sonder- und Förderschüler sind männlich. Und auf 100 Jungs, die die Schule abbrechen, kommen in Deutschland bloß 88 Mädchen. Männer stellen 93 Prozent der wegen Mordes, Mordversuchs oder Totschlags Inhaftierten. Und wenn man von Sexualdelikten absieht, sind zwei von drei Gewaltopfern ebenfalls Männer. Männer sterben- obwohl sie längst nicht mehr so viel körperliche Arbeit verrichten wie früher- immer noch fünf Jahre früher als Frauen.

Die Selbsttötungsrate ist bei Männern in allen Altersgruppen dreimal so hoch wie die der Frauen.

Amokläufe, oft erweiterte Suizide, werden fast ausschließlich von Männern begangen.

Wohnungslose sind zu 75 Prozent Männer. Obdachlosigkeit ist ein Männerproblem, und es wird immer größer- mit zehn Prozent Zuwachs zwischen 2010 und 2012.

An den Folgen von Alkoholismus sterben jährlich dreimal so viele Männer wie Frauen. Auch zwei Drittel der wegen Alkoholmissbrauchs stationär behandelten Jugendlichen sind männlich.

Dem Berlin- Institut für Bevölkerung und Entwicklung zufolge ist in den neuen Bundesländern zudem eine ganz neue Schicht von Männern entstanden: die Totalverweigerer, "die sich mit minimalen Bedürfnissen einrichten und am allgemeinen gesellschaftlichen Leben kaum mehr teilnehmen". In manchen strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands beläuft sich der Männerüberschuss auf 25 Prozent. Die Frauen reagieren auf die schlechten Zukunftsperspektiven, indem sie sich anderswo eine Zukunft suchen. Die Männer bleiben zurück. Einige dieser Dramen sind neu. Andere gab es schon immer, doch sie wurden gedankenlos hingenommen. Erst jetzt wird offenbar: Es gab schon bessere Zeiten fürs Mannsein. Die Krise des Mannes ist am unteren wie am oberen Ende der Gesellschaft zu besichtigen. Das untere Ende findet man zum Beispiel im Rollbergviertel in Berlin-Neukölln. Dort lebt ungefähr jeder Zweite von Transferleistungen. Ein Viertel der Bewohner ist unter 18 Jahre alt. Gilles Duhem, 46, ein Politologe und Volkswirt, rief hier vor zehn Jahren den Förderverein "Gemeinschaftshaus Morus 14" ins Leben, der unter anderem ein Mentorenprogramm für Schüler anbietet. Die größten Schwierigkeiten, sagt er, hätten Jungen. Duhem hat eine Theorie, warum das so ist: "Das Problem des 21. Jahrhunderts sind die ungebildeten Männer und Jungen- ob Einwanderer oder Deutsche, ist nicht entscheidend. Die ungelernten Männer sind überflüssig geworden. Armee, Fabrik, Gewerkschaft, Kirche- dort sind sie früher untergekommen und haben gelernt, sich im Griff zu haben. Aber die Orte der Disziplin fallen heute weg. Es gibt kein gesellschaftliches Korsett mehr.

Für die Jungs ist das Problem, dass keiner sie erzieht. Die Kinder hier wachsen praktisch vaterlos auf, was für die Jungs fatal ist: In den arabischen und türkischen Familien gibt es einen Vater, aber der ist die ferne, unanfechtbare Autorität. Bei den Deutschen haben die Frauen fünf Kinder von fünf Vätern, doch keiner von denen lässt sich mehr blicken. Die Jungs kommen in die Schule und haben noch nie in ihrem Leben ein Bilderbuch angeguckt. Die haben keine Ahnung von nichts. Und dann sollen die plötzlich mit Streit zurechtkommen. Gespräche führen, Konflikte besprechen, Gefühle benennen und kontrollieren, sich in unserer zivilisierten, feminisierten Welt zurechtfinden. Sie werden fast ausschließlich von Frauen unterrichtet, von Frauen 50 plus. Wie soll das gehen? Die Jungs katapultieren sich schnell ins Aus: Aggressionen gegen Lehrerinnen, Schulverweis, erste kleine Delikte. Das geht ganz schnell. Die Jungs haben hohe Ansprüche, die sie von den vorangegangenen Generationen geerbt haben- der Mann war schließlich immer der Boss. Jetzt müssen sie lernen, damit zurechtzukommen, dass die Welt nicht so ist, wie sie das gern hätten. Dabei helfen wir ihnen in unserem Verein."

Nun könnte man einwenden, dass trotz dieser Benachteiligungen vor allem Männer an der Spitze der Gesellschaft stehen. Das Vermögen der Männer in Deutschland ist im Durchschnitt anderthalbmal so groß wie das der Frauen. Lenken Männer nicht die Konzerne? Steht nicht deshalb im Koalitionsvertrag der neuen Regierung eine Quote für Aufsichtsrätinnen? Das stimmt. Aber wer sagt, dass all die Männer dort oben zufrieden sind?

Der Krise des Mannes begegnet man auch in einem Bungalow mit Panoramascheiben im feinen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Dort residiert die Headhunting-Agentur von Heiner Thorborg, 69, Ferrarifahrer und Vermittler von Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern für die ganz wichtigen Unternehmen. Die Einrichtung in Thorborgs Firma besteht aus edlen, schlichten Metallschränken, an den Wänden hängt moderne Kunst. "Ich hatte, als ich jung war, nur ein Ziel: Ich wollte Vorstand werden, unbedingt. Als Zwischenziel hatte ich mir vorgenommen, mit 30 Geschäftsführer zu sein, egal wo. Was für ein Motiv! Das mit dem Geschäftsführer habe ich geschafft, aber heute bin ich froh, dass ich nicht Topmanager in einem Großkonzern bin. Um nichts in der Welt möchte ich Chef von Daimler sein. Diese Leute sind total fremdbestimmt.

In meinem Job lerne ich immer wieder Männer kennen, die nicht tun, was sie wollen oder was eigentlich gut für sie wäre. Wenn es eine Position zu besetzen gibt, fragen sie sich nicht, ob sie das können. Sie fragen sich, wie viel sie verdienen, wie viel Ansehen der Job bringt. Ich denke mir, vielleicht sind Männer so gedrillt worden über all die Jahrhunderte.

Oft frage ich mich, wenn ich hier mit einem Kandidaten an diesem Besprechungstisch sitze: Woher nimmt der jetzt den Mut, zu sagen, er kann es? Bei manchen denke ich, dass sie selbst wissen, dass es nicht stimmig ist. Aber sie kommen aus der Falle nicht mehr raus. Vor Kollegen, der Familie, Freunden stünden sie als Versager da. Die Souveränität, zuzugeben, dass sie in zu großen Schuhen stecken, haben nicht viele. Lieber leiden sie. Depression, Alkohol, Tabletten- diese Spirale ist gang und gäbe. René Obermann ist der Einzige, den ich kenne, der freiwillig sagte: Ich mag nicht mehr. Ich bin kein Konzernmanager, ich habe erkannt, wo meine Stärken und wo meine Schwächen liegen. Sein Ausstieg bei der Telekom ist eine Entscheidung, die großen Respekt verdient."

Das Scheitern ist im Lebenslauf eines Mannes nicht vorgesehen. Für Männer gilt immer noch die Regel: durchhalten, tapfer sein, nicht nachlassen. So begegnen sie auch ihren Krisen.

Im Absolutismus haben Männer noch goldbestickte Röcke getragen, in der Romantik haben sie den Wert echter Freundschaft und tiefer Gefühle beschworen. Seit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft kleiden sie sich schlicht und praktisch. Der Beruf rückte ins Zentrum ihres Lebens, das Gefühl in den Hintergrund. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten sie praktisch im Büro. Dieses Männerideal scheint langsam außer Mode zu geraten, aber die Nachwirkungen sind noch immer zu spüren. Heute nehmen Männer Sabbaticals, reisen um die Welt und pflanzen in ihrer Freizeit Gemüse an. Im Mittelpunkt steht jedoch weiter das Tun, nicht das Empfinden. Die meisten Männer interessieren sich nicht für das Klein- Klein ihres Gefühlsalltags. Über ihre Nöte schweigen sie sich aus. Gerade erst hat eine Studie der Technischen Universität Dresden ergeben ergeben, dass psychische Störungen- Ängste, Alkoholsucht, Depressionen- bei Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan eingesetzt waren, oft nicht erkannt werden. Nur jeder zweite Soldat mit Posttraumatischer Belastungsstörung sucht sich Hilfe. Offensichtlich würden von den Betroffenen "massive Barrieren wahrgenommen, die sie davon abhalten, sich gegenüber den zuständigen Diensten mit ihrem Leiden zu offenbaren".

Frauen dagegen reden gern über Probleme. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass dieser Text nicht von einem Mann, sondern von zwei Frauen geschrieben wurde. Oder es ist so: Der moderne Mann befindet sich in Phase eins der Trauer über die verlorene Macht, in der Phase also, in der der Verlust noch geleugnet wird.  … Wir leben im Zeitalter des Innenlebens. Der Alltag besteht nicht mehr aus Jagen und Kämpfen und immer weniger aus physisch anstrengender Arbeit. Er besteht vor allem aus Kommunikation, aus Gesprächen. Mit Kindern, Ehefrauen, Mitarbeitern. Sie alle sind nicht mehr Befehlsempfänger des Patriarchen, sondern verlangen, dass man mit ihnen spricht. Wer seine Gefühle nicht kennt, kommt da nicht weit. Vielleicht ist deshalb für viele eine Gedankenwelt attraktiv, in der noch alles ist, wie es früher mal war. …

Im Durchschnitt braucht es neun Monate, bis eine Frau, die ein psychisches Problem hat, sich ärztliche oder therapeutische Hilfe holt. Bei einem Mann dauert es 70 Monate- und in der Regel wurde er von einer Frau dazu überredet. Vielleicht kommt er dann zur Männerberatungsstelle von Björn Süfke in Bielefeld. Ein schmuckloses Büro mit Gummibaum und Filzfußboden, optisch nur aufgefrischt von einem Poster an der Wand, das eine Landkarte zeigt: die Landschaft der männlichen Gefühle, mit dem "Vulkan der Wut", dem "See der Trauer", der "Wüste der Einsamkeit", der "Stadt der Stärken", dem "Land der Sehnsüchte". Das ist die Kulisse, in der der Psychologe Süfke mit Männern über deren Probleme redet. Über Gewaltausbrüche, Stress im Beruf- und immer häufiger über Schwierigkeiten in der Partnerschaft. Süfke führt das darauf zurück, dass heute viele Frauen, wenn ein Mann ihre Bedürfnisse nicht erfüllt, ganz selbstverständlich die Beziehung beenden. Zwei von drei Trennungen gehen von der Frau aus. Bis in die siebziger Jahre hinein haben Männer- in Gestalt des Gesetzgebers- definiert, wie eine Ehe abzulaufen hat. Inzwischen, das ist die Erfahrung des Therapeuten, bestimmen Frauen, was in einer Ehe passieren sollte. Die gesetzliche Pflicht der Ehefrau zur Haushaltsführung, die bis 1977 galt, ist abgeschafft. Stattdessen gilt jetzt, erlassen von den Ehefrauen selbst, die Pflicht des Ehemanns zum Beziehungsgespräch. So sehr orientieren sich die Männer an den tatsächlichen oder den vermuteten weiblichen Erwartungen, dass der Therapeut seine Besucher oft ermahnen muss, sie sollten ihm nicht schon wieder erzählen, was ihre Frau sich wünscht, sondern welche Wünsche sie selbst haben. Das ist Süfkes Hauptjob: Männer dazu zu bringen, über ihre Gefühle zu reden. Auch er selbst, der Profi, spürt, wie schwierig das manchmal sein kann. …

Björn Süfke ist 41 Jahre alt und hat drei Kinder, die er gemeinsam mit seiner Frau großzieht. Beide sind berufstätig, beide kümmern sich um die Familie. Süfke gehört zu jenen Vätern, die sich nicht mehr nur als finanzielle, sondern auch als emotionale Versorger ihrer Kinder sehen. Für die neuen Väter begeistert sich das Land seit einigen Jahren. Wenn man bedenkt, wie viel über sie geschrieben wurde, könnte leicht in Vergessenheit geraten, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft bilden.

Ja: Inzwischen nimmt fast jeder dritte Vater Elternzeit- doch von denen beansprucht die große Mehrheit das Elterngeld für maximal zwei Monate. Väter im Alter von 25 bis 39 Jahren arbeiten sogar durchschnittlich etwa zwei Stunden länger pro Woche als die anderen Männer dieser Altersgruppe. Während die Wochenarbeitszeit bei kinderlosen Männern ab dem 40. Lebensjahr kontinuierlich abnimmt, steigt sie bei Vätern leicht an. Der Mann ist immer noch derjenige, der das Geld verdient, und Männer wie Frauen halten daran fest. Das Rollenmodell "Sie arbeitet, er bleibt zu Hause" ist nur für wenige akzeptabel- am wenigsten für Frauen: Männer halten es zu 13 Prozent für vorstellbar, Frauen nur zu neun Prozent, wie eine Allensbach-Studie kürzlich zeigte. Nur wenige Frauen binden sich an einen Mann, der einen geringeren Bildungsgrad hat, ihr also womöglich keine finanzielle Sicherheit bieten kann. Während Männer mit einem höheren Bildungsabschluss zu 30 Prozent "nach unten" heiraten, tun das nur neun Prozent der Frauen. Es ist auch keineswegs so, dass alle sich über das gerade erwachende Interesse der Männer an der Kindererziehung freuen. Konsens in der Bildungs-Berichterstattung ist, dass es dringend mehr Erzieher in Kindergärten und mehr männliche Lehrer in den Grundschulen geben müsste. Weil Jungs, die immer häufiger allein von ihren Müttern erzogen werden, männliche Identifikationsfiguren brauchen- und zwar andere als die Schutzgelderpresser aus Grand Theft Auto. Doch als sich im Kindergarten von Björn Süfkes Sohn ein Mann beworben hatte, berief die Kitaleitung erst einmal einen Sonder-Elternabend ein. In hitzigen Debatten sprachen sich einige der vermeintlich fortschrittlichen Eltern gegen den Kandidaten aus. Dann machte einer der Väter einen Kompromissvorschlag: Er sei einverstanden, vorausgesetzt, seine Tochter werde nicht von dem Erzieher gewickelt. 

Auch wenn es gern anders dargestellt wird- das Feld der Kindererziehung wird dem Mann nicht kampflos überlassen. Das Abweichen vom klassischen männlichen Rollenrepertoire ist bis heute nur in sehr engen Grenzen akzeptiert. Selbst moderne, emanzipierte Frauen reagieren manchmal verschreckt, wenn ihr Mann wirklich einmal Schwäche zeigt. Therapeuten berichten, dass Frauen erst von ihrem Mann einfordern, Gefühle zu zeigen- und ihn genau dann verlassen, wenn er negative Gefühle, beispielsweise Depressionen, eingesteht. So haben diese Frauen sich das mit der Partnerschaft auf Augenhöhe dann nämlich doch nicht vorgestellt. Auch Erfolglosigkeit ist ein Liebestöter. Kein Jahr brauchte Bettina Wulff , laut stern die "unkonventionelle, moderne Frau" in Schloss Bellevue, um sich von ihrem Mann, dem gestrauchelten Bundespräsidenten, loszusagen.

Die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist theoretisch eine schöne Sache, in der Praxis gehen einige lieb gewonnene Gewohnheiten über Bord. Rigide Schönheitsideale und das Schlankheitsdiktat setzen zwar vor allem Frauen zu; was einen Mann attraktiv macht, ist allerdings auch nur selten verhandelbar. Für die allermeisten Frauen muss der Mann ihrer Träume wohl mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: ein bisschen erfolgreicher, ein bisschen älter, ein bisschen größer als sie selbst. …