Was dich in diesem Buch erwartet:

Was fühlst du in dir, wenn du das Wort „Mama“ hörst?

Welches Verhältnis hast du zu deiner eigenen Mutter?

Willkommen in der Mutterschaft!

Du hast dir dieses Buch gekauft oder es geschenkt bekommen. Warum eigentlich? Bist du vielleicht gerade Mutter geworden oder hast es in Zukunft vor? Herzlich willkommen beim größten Abenteuer des Lebens, das da heißt: Familiengründung. Nach der Vervielfältigung deines Erbgutes ist einiges anders als vorher. Wenn du es bis jetzt ordentlich hast krachen lassen, dann ist nun wohl ein etwas anderer Rhythmus angesagt. Nämlich der von Mama und Baby, von Stillen und Schlafen, von Erkunden und Orientieren. Vergiss Uhrzeiten und Termine und lass dich ein auf die Mission „Aufbruch ins Mutterland“.

Ich möchte dich einladen, deinen diesbezüglichen Instinkt zu entdecken und nach und nach zu schärfen. Keiner kann so gut wie du lernen, die Bedürfnisse deines neugeborenen Kindes zu erkennen und zu befriedigen. Auf diese und zahlreiche weitere Fähigkeiten darfst du unglaublich stolz sein!

Freilich gibt es inzwischen ein breit gefächertes und unüberschaubares Angebot der Baby-industrie, die für fast alle Eventualitäten Produkte und Dienstleistungen anzubieten weiß. Doch warte mal: Was davon brauchst du wirklich? Mit welchen Dingen möchte dein Baby tatsächlich ausgestattet werden, und was davon ist vielleicht fauler Zauber, hinderlich oder sogar minderwertig? Finde es heraus und sei kritisch genug, gängige Herangehensweisen gründlich in Frage zu stellen. Mach‘ dir das Leben so einfach wie möglich.

Fernab der greifbaren Dinge gibt es eben auch den großen unbekannten Bereich der neuen Gefühle und Momente. Mamasein – kann man das lernen? Ist das angeboren? Wird man damit automatisch glücklich? Und: Den Papa, den gibt es ja auch noch, was ist eigentlich mit dem? Mit dem ersten Kind hat eure Partnerschaft eine neue Qualität erreicht. Wobei nicht gesagt ist, in welche Richtung sich der gemeinsame Familienzug bewegt: aufeinander zu oder voneinander weg? Ergreift die Chance, etwas Besonderes daraus zu machen und euer Familiennest mit Wärme und Großzügigkeit auszustatten. Großzügigkeit, was Zeit und Verständnis füreinander anbelangt, und Bereitschaft, die vermeintlichen Fehler, Ticks und Nachlässigkeiten des anderen als Erkennungsmerkmale der Familien-Epoche zu sehen, die für jeden von euch Neuland ist.

Es braucht sicher eine Weile, bis ihr als Mama, Papa und Baby zusammengewachsen seid. Als Familie und verschmolzene Teile des Ganzen. Durch euch kam neues Leben in die Welt, und das gilt es jetzt zu beschützen und auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten.

Auch Anna und Peter stehen vor der Herausforderung, ihr Kind, das sie bereits während der Schwangerschaft liebevoll ‚Wölfchen‘ nannten, großzuziehen. Seid dabei, wenn Anna in den nächsten Wochen, der Zeit des „Wochenbetts“, ihre und Wölfchens Veränderungen kritisch beobachtet und auch die Beziehung zu Peter genau unter die Lupe nimmt …

„Ich bin Mama!“


Wie fühlt sich das momentan genau für dich an?

Im Wochenbett mit dem Baby

Wieder und wieder geht Anna Wölfchens Geburt in Gedanken durch. Sie ist mehr als beeindruckt, was das Baby und sie zu leisten im Stande gewesen waren. Und nun, nur eine Stunde nach dem Ereignis, das Annas Leben maßgeblich prägen wird, beginnen auch schon die Veränderungen.

Als Erstes bemerkt Anna, wie anders sie sich in ihrem Körper fühlt. Die Schubkraft des Kopfund Körperaustreibens hat ihn aufs Äußerste strapaziert. Und wenngleich Anna im Bereich ihrer Scheide auch nicht kaputtgegangen ist, so spürt sie sich jetzt dennoch völlig neu. Zum einen hat sie eine Art Blauer-Fleck-Gefühl zwischen den Beinen, und zum anderen ist alles angeschwollen und irgendwie taub.

Anna nimmt einen Spiegel und sieht nach. Nach einem Moment des Zögerns, ob sie das überhaupt sehen will, überwindet sie sich und ist eigentlich positiv erstaunt: Ihre Scheide ist zwar noch etwas größer als sonst, kommt ihr aber durchaus bekannt vor. Am Rand entdeckt sie eine kleine, etwas blutige Schramme und stellt zufrieden fest, dass ihre Gebärorgane offensichtlich ganze Arbeit geleistet haben.

Sie geht auf die Toilette und bleibt noch eine kleine Weile sitzen, um blutige Wochenflüssigkeit abfließen zu lassen. Dann stattet sie ihre Unterhose mit einer Binde aus und wäscht sich die Hände. Glücklich, aber so unbekannt unglaublich müde, verkriecht sie sich wieder im Bett. Dort schläft sie neben ihrem Baby ein, das auf ein Lammfell gebettet und in eine Wolldecke gewickelt ist.

Als Anna irgendwann wieder aufwacht, schnappt sie sich ihr Notebook und beginnt, ihre Gedanken zu notieren.

Sonntag, Tag der Geburt

Frühmorgens: Ich bin wohl „high“ und völlig von den Socken. Ja, ich habe es geschafft und mein Wölfchen selbstständig geboren! Habe auch die Plazenta geboren und Wölfchen später dann abgenabelt. Beim zweiten Versuch gelang mir das Durchbeißen der Nabelschnur, aber ich hatte ganz schön dran zu kiefeln.

Meine Scheide fühlt sich noch eigenartig verändert an, alles ist in Aufruhr und angeschwollen. Besser, ich lege mich erstmal eine Weile hin. Vorher Peter anrufen und Bescheid sagen, dass Wölfchen angekommen ist.

Ach ja: Bin mit und ohne Wölfchen auf die Waage gestiegen. Die Kleine hat demnach 3.000 Gramm. Das Nähmaßband zeigte 52cm Länge, Kopfumfang 34cm.

Nachmittags: Habe es drinnen nicht mehr ausgehalten, wollte raus an die Sonne, ans Licht. Wölfchen hab ich ins Tragetuch gepackt, wo die Kleine sofort eingeschlafen ist.

Dann sind Peter und ich spazieren gegangen. Die Nachbarn wollten hören, wie es gelaufen ist, und waren recht ungläubig, als ich ihnen von der Hausgeburt erzählt habe, bei der die Hebamme zu spät kam und der Mann nicht daheim war.

Nach einer Stunde waren wir wieder zurück und ich hab mich hingelegt. Wölfchen hat Vormilch probiert.

Dann wurde die Kleine unruhig und hat gemeckert. Ich dachte mir: Halt ich dich mal vorsichtig übers Minitöpfchen und kraule dir sanft die Füßchen. Peters Gesicht werde ich wohl nicht mehr vergessen, als das Baby tatsächlich gepinkelt und gekackt hat.

Ungefähr zehn Minuten lang ist zähes Mekonium gekommen und ich musste dieses Ereignis einfach fotografisch festhalten. (Übrigens wiegt der leere Topf 51 Gramm.)

Damit von Babys festen und flüssigen Ausscheidungen nix daneben geht, habe ich ihr eine Filzhose mit Klettverschluss angezogen. Darin gefaltet sind Mullwindeln. Die Waschmaschine wird ganz schön was zu tun haben die nächste Zeit, denn unser Windelfrei-Projekt ist vermutlich nicht frei von Pannen.

Hier das erste Foto von Wölfchen und Papa Peter, nachmittags gegen 16 Uhr, also einen halben Tag nach der Geburt der Kleinen:

Mit Mütze sieht sie zwar aus wie eine „Große“ – aber ist Wölfchen wirklich schon angekommen?

Noch heute Morgen wirkte mein Baby wie auf einem anderen Stern. Käseschmiere zog sich über den Kopf.

Im ersten Schlaf nach der Geburt gab unser Frischling leise Maunzer von sich. Als würde sich die Kleine über das viele Kopfweh beschweren, das bestimmt eine Folge der urgewaltigen Geburt war.

Maunz, maunz, maunz.

Armes Wölfchen! Bald wird es besser. Trink nur gut von Mamas Milch und hol dir neue Kraft.

Einige Tage wird es dauern, bis deine „echte“ Milch da ist. Bis dahin reichen dir aber auch die wenigen, buttrig-dicken gelborangenen Tropfen.

Was gibt es sonst zu berichten?

Abends bittet Anna ihren Mann Peter, ein Foto von ihr zu machen. Sie möchte nicht nur bemerkenswerte Ereignisse auf Kinderseite, sondern auch ihre äußeren Körperveränderungen dokumentieren.

Annas Bauch tritt etwas spitz hervor, und ihr Nabel ploppt raus.

Noch kann man erahnen, dass Wölfchen vor kurzem für einige Zeit in Anna gewohnt hat. Aber bald schon wird sich dieses Bild ändern.

Und das Baby? Das beginnt seinen Wachstums-Marathon außerhalb des Körpers. Dafür braucht es neben viel Schlaf vor allem eines: Mamas Milch.

Und die kommt laufend auch wieder raus in verwandelter Form …

Montag, 2. Lebenstag

Mein Unterboden ist etwas beleidigt. Ich war satte zwei Stunden mit Wölfchen im Tragetuch spazieren, ob das vielleicht zu viel war?

Zwar versuche ich, das innere Scheidengewölbe mit meiner Muskelkraft nach oben zu ziehen, aber es gelingt nicht so recht. Das passende Gefühl dafür fehlt mir derzeit einfach. Die Größenverhältnisse sind noch zu „schräg“, als dass ich meinen Körper da unten bewusst steuern könnte.

Mein Bauch geht langsam zurück, Peter macht Fotos. Die Brüste sind noch normal. Aber bald wird die Milch kommen. Werde mich nun etwas hinlegen, auch wenn das normalerweise nicht mein Ding ist – aber der Körper verlangt es. Nicht umsonst heißt es Wochenbett, und nicht Wochenstand.

Der Wochenfluss ist recht stark und ich verbrauche ziemlich viele Binden. Obwohl ich probiere, gezielt Flüssigkeit abzulassen, kommt zwischendurch vor allem beim Anlegen recht viel.

Erzählte ich schon von meinen „wunderbaren“ Nachwehen? Die Gebärmutter wird dabei knallhart und ich kann geradezu spüren, wie sie kleiner wird. Begonnen hat das direkt nach der Geburt, das Kleinerwerden.

Meine Gebärmutter ist zwar schon unterhalb des Nabels, sie hat aber noch einen gehörigen Weg zurück zur ursprünglichen Größe vor sich. Ihre bei der Plazentaablösung entstandene innere Wundfläche will auch abheilen – kein Wunder also, dass ich trotz des schönen Ereignisses müde bin. Die Plazenta habe ich übrigens eingefroren, ich möchte sie erst mal behalten.

Damit mein Bauch auch ohne Tragetuch eine Stütze hat, habe ich mir einen langen Schal von Peter fest umgebunden. Den trage ich quasi als „Bauchband“ und habe ihn nur für das Foto heruntergeschoben.

Wölfchen maunzt noch immer, aber es ist weniger geworden. Die erste Nacht mit der Kleinen war etwas unruhig. Ich war unendlich oft wach. Kein Wunder, mein Baby gibt gerade seine Milchbestellung ab, und damit von Mamas Körper auch ja nicht darauf vergessen wird, erneuert es die Bestellung permanent. „Sagte ich schon, dass ich mehr Milch möchte?“, eine halbe Stunde später das gleiche Spiel. Da hilft nur: Schlafen, wenn auch Wölfchen schläft (was mir gerade nicht gelingt). Oder müde werden. Irgendwann finde ich schon meinen Schlaf.

Heute hatte Wölfchen übrigens keinen Stuhlgang. Mal sehen, wann die nächste Portion kommt und welche Farbe ihr Kacki dann hat.

Doch vor dem Ausscheiden kommt bekanntlich das Einverleiben: Wenn Wölfchen bei mir ansaugt, geht das direkt in meinen Unterleib. Ich versuche zwar, mich dabei zu entspannen, und auch Wärme hilft – aber es zwirbelt ganz famos. Gleichzeitig freue ich mich über Wölfchens Mitarbeit an der Rückbildung meines Körpers. Ohne Saugen ginge das nicht so rasch. Immerhin gibt Wölfchen seit dem ersten Säugen das Signal: „Ich bin ausgezogen, meine Höhle ist jetzt draußen, du kannst wieder zumachen und kleiner werden, meine Freundin Gebärmutter.“

In einer Stillpause habe ich dieses entzückende Foto von unserem Baby geschossen. Wie wach die Kleine schon ist! Ob sie uns zeigen will, wie sie die Fruchtblase aufgekratzt hat, um ihr Schwimmbad abzulassen? Scharf genug sind ihre Erstlingskrallen dafür ja.

Annas Kraft, die sie aus der Geburt geschöpft hat, lässt sie fast schon übermütig werden, aber …

… sie sollte nun auf sich achten und sich nicht zu viel vornehmen. Die anstrengende Kinderzeit kommt ja noch. Und mit ihr als Erstes die Milchbestellung von Wölfchen. Deshalb heißt es für Anna: Leg dich nieder und gib Ruhe, auch wenn es schwerfällt. Dein Körper wird es dir danken.

Dienstag, 3. Lebenstag

Morgens: Ich spüre meine Miniverletzung (eine Schramme in der Scheide) noch immer, finde beim Pieseln aber eine Position, in der es nicht brennt. Eigentlich hasse ich Binden, aber dieser Tage geht es wohl nicht ohne. Das etwas schwitzige Gefühl, mehr als nötig in der Unterhose zu haben, kenne ich durch meine freie Mens fast nicht mehr!

Sobald es geht, möchte ich auf Slipeinlagen umsteigen, damit mehr Luft an meinen Unterboden kommt. Der fühlt sich übrigens etwa so an wie ein ausgeleiertes Trampolin. Langes Stehen ist überhaupt nicht angenehm, Sitzen geht so halbwegs. Am besten tut mir das Liegen – ja, ich weiß, Wochenbett…

Peter verwöhnt und bekocht mich, das tut gut! Schön, dass er sich zwei Wochen frei genommen hat und ich mich zu Hause um nichts kümmern muss. Staubsaugen tut eh mein Saugroboter, und für alles andere ist auch Peter perfekt geeignet.

Wölfchen hat bereits gelächelt. Die Kleine ist ja so schlau! Lächelt, damit die Milch kommt und man ihr den eigenen Schlafmangel verzeiht. Die Nacht auf heute war nämlich wieder einmal recht … sagen wir: unterirdisch.

Morgens: Wölfchens Milchbestellung wurde ganz offensichtlich erfolgreich bearbeitet. Aber jetzt heißt es für das kleine Baby erst einmal: Lernen, mit dem „Meer an Milch“ umzugehen. Bis sich hier Nachfrage und Angebot einpendeln, wird es wohl etwas dauern. Bin schon auf morgen gespannt, da dürften meine Brüste ja noch deutlicher „umgestellt“ sein.

Abends: Das Milchmeer zeigt seine erste Wirkung an Wölfchen. Die Kleine hat nochmal ordentlich Mekonium rausgelassen. Ob das nun alles war? Weil wir dieses Mal völlig verpeilt haben, dass Wölfchen groß muss (nun gut, sie hat ja erst das zweite Mal in ihrem Leben groß gemacht), hatten Peter und ich den Salat in den Stoffwindeln. Zwei davon haben wir direkt weggeworfen, denn ich hatte überhaupt keine Lust dazu, das teerige Zeug rauszuwaschen. Und was hätten wohl Peters Hemden in der Waschmaschine zu den farbigen Wäschepartnern gesagt …

Von Wölfchens Po ging die dunkle Paste ebenfalls recht schwer runter. So zäh! Ich habe es mit Sesamöl probiert und mit Wasser. Am besten hat das Runtermachen mit Spucke funktioniert, aber davon hatte ich nicht allzu viel. Wie gut, dass Wölfchen nicht lebenslang Kindspech produziert!

Annas Körper kommt langsam vollständig im Kindermodus an.

Auch ihr Geist realisiert zunehmend, dass sie nun Mutter geworden ist, was sich unter anderem an ihrer erhöhten Aufmerksamkeit zeigt. Mit ihrem Ammengehör hört sie besser als jeder elektrische Klangverstärker, denn der hat keinen intuitiven Sensor eingebaut. Um Anna zu rufen, muss Wölfchen nur ein Mal maunzen oder krähen – was auch sehr gut gelingt.

Ansonsten ist Annas Baby sehr ausgeglichen und wirkt über die Maßen zufrieden. Das kann es auch sein, denn seine Mama ist ebenso zufrieden.

Kein Wunder, nach dem gelungenen Start der beiden!

Mittwoch, 4. Lebenstag

Nachmittags: Hurra, hurra, die Milch ist da! Meine Brüste sind angeschwollen, und ich könnte mit einem Foto davon wohl in jeden Bauarbeiter-Spind kommen. Die Brustwarzen sind noch einen Tick empfindlicher geworden. Gut, dass mir Hebamme Trude den Tipp mit dem Wollfett gegeben hat. Ich schmiere jedes Mal vor dem Stillen und verhindere so das Wundwerden.

Mit meinem Äußeren bin ich wirklich sehr zufrieden. Der Bauch wird jeden Tag deutlich flacher und sieht – unglaublich aber wahr – schon fast wieder aus wie vor der Schwangerschaft. Da haben meine vielen Stunden Schwimmen und Yoga wohl gute Vorsorgedienste geleistet. Peter meinte heute, jetzt glaube er das mit den Hollywood-Stars auch (also, dass die so rasch nach der Geburt wieder „wie neu“ sind).

Aber außen ist nicht innen, und überhaupt trügt der Schein: Meine Bauchdecke ist nämlich alles andere als fest, wie sollte sie auch – nach dem 9-Monats-Mega-Stretching.

Zurück zu meiner Hauptaufgabe, nämlich der Molkerei-Tätigkeit: Jetzt beginnt offenbar das große Rinnen. Während es unten raus langsam weniger stark ausläuft, tropft es oben ordentlich. Und zwar vor allem beim Stillen, und hier vorzugsweise an jener Brust, die gerade nicht bearbeitet wird. Ich drücke dann auf diese „Stand By“-Brust, aber offensichtlich muss hier noch Erziehungsarbeit geleistet werden, denn es tropft trotzdem weiter.

Nun gut, fange ich überschüssige Milch eben in einem Gefrierbeutel auf. Wer weiß, wozu die mal gut sein kann. Spätestens als Badezusatz, wenn ich Wölfchen doch einmal waschen sollte. Momentan denke ich nicht im Traum dran, die Kleine riecht doch so herrlich neugeboren!

Bevor Wölfchen an meine herrliche Milch rankommt (die übrigens immer noch recht mangofarben ist, wie ich beim Abdrücken überschüssiger Milch feststellen kann), schmiere ich Lanolin und lasse einige Tropfen ab. Dann riecht es lecker nach „Futter“, und außerdem ist das Ansaugen nicht ganz so schmerzhaft. Wusch, das zieht! Zum Glück aber nur die ersten paar Sekunden. In denen kann ich ja an etwas Schönes denken – zum Beispiel an mein Baby, das schon wenig später friedlich glucksend die beste Nahrung der Welt zu sich nimmt: Muttermilch mit einem Schuss Liebe.

Falls du es noch nicht wusstest:

Anna war in der Schwangerschaft bis knapp vor der Geburt sportlich unterwegs. Häufig ging sie ins nahegelegene Sportstudio und machte Yoga. Auch schwamm sie mehrmals die Woche rund eine halbe Stunde – zuletzt zwei Tage vor der Geburt. Da sie einen Hund hatte, musste sie außerdem regelmäßig vor die Türe, und zwar immer und bei jedem Wetter. Der tägliche Hundedienst geht ihr jedoch derzeit nicht ab (wie gut, dass Peter noch frei hat!). Vor allem deshalb, weil das Spazierengehen ihren Trampolin-Unterboden nachfedern lässt, den sie, wann immer sie dran denkt, nach oben zieht. Gleichzeitig presst sie, was zunehmend besser gelingt, die Bauchmuskeln stark nach innen, um ihren Bauch zu festigen.

Donnerstag, 5. Lebenstag

Trude fragte schon gestern, ob ich bereits einen Heultag hatte, aber daraus wird wohl nichts. Es geht mir einfach zu gut!

Mein Unterboden normalisiert sich zusehends, und Schmerzen habe ich keine mehr. Der Wochenfluss wird deutlich weniger, und ich brauche nur noch nachts eine etwas stärkere Binde. Das, was rauskommt, ist schon sehr dunkles, geronnenes Blut. Meine Gebärmutter hat sich wirklich vorzüglich zurückgebildet. Braves Mädchen!

Auch beim Stillen merke ich nun keinerlei Nachwehen mehr, das heißt, die Gebärmutter scheint in ihrer Endgröße angekommen zu sein.

Damit sich mein Unterboden nach wie vor regenerieren kann, verzichte ich auf längere Spaziergänge und mache es mir auf dem Sofa oder hinter dem Schreibtisch bequem.

Langsam kann ich das Einschmieren der Brustwarzen reduzieren und brauche nicht jedes Mal vor dem Stillen ans Lanolin zu denken. Dennoch fühlt es sich „geschmiert“ ganz gut an. Vor allem beim immer noch etwas schmerzhaften Ansaugen, das die ersten Sekunden von Wölfchens Andocken umfasst.

Ich glaube, Wölfchen und ich sind ineinander verknallt. Wenn sie grinst, ist das natürlich entzückend – kein Wunder, dass auch Peter total hingerissen ist. Wenngleich er mit dem Baby ansonsten derzeit nicht wirklich viel am Hut hat. Sie wird von mir gestillt, ich trage sie im Tuch herum, und nachts schläft sie an meiner Seite. Allerdings hat er sie schon erfolgreich zum Pieseln animiert.

Apropos: Wölfchens Stuhlgang ist inzwischen 1A. Sie hat herrlich duftenden Milchstuhl und pieselt außerdem wie eine Weltmeisterin. Wenn es uns beiden gelingt, dann wartet sie mit dem Piesler, bis ich ihre Filzhose öffne und ihr das Pieselsignal „lulululu“ gebe. Nachts ist ihre Stoffwindel häufig nass, aber da geht der ungestörte Schlaf vor. Wenn sie kackern will, merke ich das geradezu automatisch – praktisch!

Jedenfalls liebt es die Kleine, beim Baby-Klogang im Liegen von mir mit der Handfläche an den Fußsohlen gewärmt und sanft massiert zu werden. Fußreflexzonenmassage ist wohl nicht nur für mich angenehm, sondern auch fürs Baby. Außerdem mache ich mit meinem Wölfchen regelmäßig Verdauungsgymnastik im Liegen. Dabei nehme ich vorsichtig seine Füßchen, bewege sie langsam in Richtung Bauch und danach wieder nach unten. Das gefällt der Kleinen!

Heute ist übrigens etwas Entscheidendes passiert: Um genau 14.30 Uhr ist beim Aufmachen der Filzhose Wölfchens Nabelschnur abgefallen! Die Kleine hat dabei gelacht, so als wollte sie sagen: „Jetzt bin ich endlich vollkommen frei!“

Natürlich werde ich die getrocknete Schnur aufheben. Man sieht am Ende noch den Knoten, den ich nach der Geburt hineingemacht habe.

Wölfchens Nabel ist sehr schön abgeheilt, und auch ansonsten ist die Kleine das perfekte Baby.

Die „Baby-Synchronisation“ schreitet erfolgreich voran!

Das Stillen läuft „wie geschmiert“. Und auch das, was wieder raus soll, kann ungehindert passieren. Anna ist froh, dass sie sich nicht mit den berühmten 3-Monats-Koliken herumplagen muss. Offenbar auch deshalb, weil Wölfchen seine Furze und aufgestauten Ausscheidungsprodukte ganz frei abgeben kann. Das erleichtert dem Baby-Därmchen die Arbeit, zumal es sich immer wieder mit neuen (Haus-)Keimen auseinandersetzen muss.

Freitag, 6. Lebenstag

Phantastisch! Ich habe von 23 Uhr bis 5 Uhr geschlafen! Und das, obwohl ich erst dachte: Na, was wird das wieder für eine Schrott-Nacht. Wölfchen war nämlich bis 23 Uhr munter und hat abwechselnd getrunken, gepieselt, gekackt und mit seinem Zauberkrokodil gespielt. Dann war offenbar alles erledigt, und die Kleine konnte in Ruhe das Träumeland besuchen. Nach so einer Nacht kann es mir ja nur gut gehen!

Morgens hat mich Peter schon mit einer leckeren Torte verwöhnt, und für mittags habe ich bei ihm ein Steak bestellt. Ich hab grad Lust auf Fleisch. Immerhin saugt mir die Kleine ziemlich viel Milch raus. Wenn ich mir meine Brüste so ansehe und auch die Menge von Wölfchens Pieslern und Milchstuhlgängen: Respekt!

Übrigens hat sich die Farbe meiner Milch sichtbar verändert, wie das Beweisfoto zeigt. Sie war ja mal mangofarben, und jetzt ist sie elfenbeinweiß. Hebamme Trude spricht von der „reifen Frauenmilch“. Dabei fühl ich mich noch gar nicht so alt ;-)

Bei längeren Säugarien spüre ich, wie ganz zum Schluss von richtig weit hinten nochmal Milch nachkommt. Das Abtrinken dieser „Dessert-Milch“ ist richtig angenehm, und ich merke irgendwie instinktiv, dass es noch zu früh dafür ist, das Baby abzudocken. Das Abdocken lässt sich übrigens mit Hilfe des kleinen Fingers rasch erledigen: Vorsichtig in den Baby-Mundwinkel einfahren damit, Saugschluss und somit Vakuum lösen: fertig.

Mein Bauch ist noch etwas straffer geworden, und für alles Weitere braucht es wohl wieder „echte“ Gymnastik.

Wölfchen wächst! Das erkenne ich zum Beispiel an den feinen Rissen seiner Fußhaut. Die „Erstlingshaut“ ist offenbar ausgedehnt und wird nun nach und nach erneuert.

Außerdem schälen sich seine Erstlingskrallen langsam, und die ungleichmäßigen Fingernägel bekommen eine „menschliche“ Form.

Wie schnell das alles geht – fast schon zu schnell! Immerhin hat Wölfchen mit seinen Erstlingskrallen die Fruchtblase eröffnet und sein Schwimmbad abgelassen, stelle ich mir vor.

Und nun, keine Woche nach seiner Geburt, könnte die Kleine schon ins Nagelstudio.

Übrigens ist sie, zumindest bislang, keine Daumenlutscherin. Einen Schnuller besitzen wir auch nicht. Sie bekommt ganz einfach „das Original“, aus dem praktischerweise auch etwas Leckeres vorne rauskommt. Und weil es eben so lecker ist, kann die Saug-Session schon mal eine Weile dauern. Egal, ich hab ja Zeit. Und Baby Wölfchen wird offenbar auch nicht von Terminen geplagt. ;-)

Babys Gesichtsfarbe ist übrigens ziemlich rotgelb, und auch die Augen sind recht gelblich: Neugeborenen-Gelbsucht.

Hebamme Trude hat gesagt, durch genügend zu trinken und Sonnenlicht wird das Bilirubin abgebaut. Wie gut, dass es dieser Tage so schönes Wetter hat!

Eile mit Weile, denn Stillen kennt keine Uhrzeiten.

Wölfchen lässt sich als Genusstrinkerin alle Zeit der Welt. Das Baby gluckst und gluckert im Schneckentempo vor sich hin. Was gibt es Schöneres, als Mamas kostbares Weißgold frisch von der Quelle direkt in den Mund gesprudelt zu bekommen! Und „Sprudeln“ drückt treffend genau aus, was passiert, wenn der Milchspendereflex bei Mama einsetzt.

Samstag, 7. Lebenstag

Bei Spaziergang traf ich zwei Nachbarn, die fragten, wann es denn so weit sei. Amüsanterweise haben sie nicht bemerkt, dass ich das Kind bereits vor und nicht mehr in mir trage.

Letzte Woche hat sich mein Wölfchen auf die Geburtsreise gemacht, und nun schlummert es friedlich im Tragetuch, lässt sich von mir säugen und ist rundum glücklich und zufrieden. Wie schön!

Heute Früh hab ich mich gewogen und festgestellt, dass ich mein Ausgangsgewicht von vor der Schwangerschaft erreicht habe. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wahrscheinlich sollte ich aufpassen, nicht noch magerer zu werden. Immerhin sehen die Mamis und Ammen auf diversen historischen Ölbildern auch immer recht füllig aus. Die viele Milch will ja erst mal produziert werden. Also heißt es: Futtern, futtern, futtern. Ganz wie mein Baby.

Wölfchen wächst und gedeiht, dass es eine wahre Freude ist. Sie ist nicht nur das hübscheste, sondern auch das bravste Baby der Welt und sehr ausgeglichen. Gerne lächelt sie bei allen möglichen Gelegenheiten und wird dabei noch schnuckeliger, was schon fast nicht mehr möglich ist.

Ihr Schmollmund hat vom vielen Säugen an der Oberlippe die typische „Ansaugblase“ bekommen. Ihre Bäckchen werden zunehmend rundlicher, und auch die Bewegungen der Ärmchen und Händchen werden allmählich runder und koordinierter.

Einen wirklichen Schlafrhythmus hat sie tagsüber noch nicht. Das heißt, dass sie jederzeit in Mama-Rufbereitschaft ist. Heute ließ ich sie für zwei Stunden bei Peter, um auf einen Flohmarkt zu gehen. Aber nach einer Stunde rief er an, und ich hörte Wölfchen im Hintergrund schreien. Peter gab ihr dann drei Esslöffelchen Wasser, was über meine Abwesenheit zumindest kurzfristig hinwegtröstete.

Dennoch hab ich den kürzestmöglichen Rückweg nach Hause eingeschlagen. Auch, weil ich rasch wieder müde wurde und sich mein Unterboden zu Wort meldete.

Rund eine Woche nach der Geburt …

… sind die anfänglichen Begleiterscheinungen des Babyrauslassens bei Anna so weit abgeklungen, dass sie keine direkte Beeinträchtigung mehr darstellen. Auch das Trampolingefühl mit dem herausrutschenden Unterboden wird tagtäglich etwas mehr in den Hintergrund gedrängt. Dennoch ist Anna rasch erschöpft und gönnt sich tagsüber viel Schlaf. Durch die Stillpausen bekommt sie über die Stillhormone die für sie geeignete Dosis hormoneller Einschlafhilfe und kann auch nachts meist recht rasch wieder einschlafen, wenn sie durch Wölfchens Maunzen daran erinnert wird, ihr Baby anzulegen.

Wie war deine erste Woche mit dem Baby?

Was war die größte Überraschung bislang?

Sonntag, 8. Lebenstag

Puh, gestern bin ich fast an einem Milchstau vorbeigeschwappt! Hatte die Maus im Tragetuch und fand es bequem, dass sie da drin ewig lang schlief. Aber irgendetwas (Babys Kopf?) hat wohl auf meine rechte Brust gedrückt – und die Quittung bekam ich dann prompt.

Zwar war noch keine Stelle richtig rot, aber die Schmerzen innerhalb der Brust konnte ich deutlich fühlen. Ich habe Wölfchen dann immer und immer wieder an dieser Seite angelegt und die schmerzenden Punkte sanft ausmassiert. Weil die Kleine nicht hungrig genug war, hab ich außerdem 60ml Milch in einen Gefrierbeutel abgedrückt.

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