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Es wird Abend.

Auf dem Hühnerhof „Das-Gelbe-vom-Ei“ treibt der Hahn Karuso seine Hennen zusammen. Die letzten Eier des Tages werden auf den kleinen gelben Lieferwagen geladen.
Am Zaun, neben dem offenen Tor, stehen die Puten Ete und Petete.
Sie glotzen nach draußen.

„Ich seh nix“, sagt Ete. „Siehst du sie irgendwo?“

„Nein. Ich sehe sie auch nicht“, schnappt Petete verärgert.
„Und das ist so typisch Trudel Gedudel“, empört sie sich. „Erst springt dieses Huhn – gegen meinen ausdrücklichen Rat – über den Zaun. Und dann findet es nicht rechtzeitig nach Hause!“
Petetes Hautlappen röten sich vor Zorn.

Ete versteht die Aufregung nicht.

„Was ist daran so schlimm?“, will sie wissen.
Petete plustert sich auf.
„Hühner gehören abends in den Hühnerstall!“, sagt sie.
„Und auf die andere Seite des Zauns gehört
ein Huhn schon mal gar nicht“, stellt sie fest.
„Das ist eindeutig gegen die Hausordnung!
Was da alles passieren kann ...“

„Ogottogottogott“, kollert Ete.

„Draußen wohnt der Fuchs!
Bestimmt hat er sich das Huhn schon geholt.“

Petete schüttelt den Kopf.

„Ich bin sicher, Trudel hat sich gleich hinter dem Zaun verlaufen“, sagt sie wichtig. „Und nun hockt das dumme Ding da drüben in den Hagebutten.“

„... und macht sich vor Angst in die Fittiche“, kichert Ete.

Petete bringt sie mit einem strengen Blick zum Schweigen.

„Trudel braucht jetzt dringend unsere Aufsicht und unsere Fürsorge. Wir sollten ihr die Leviten lesen!“
„Wir sollen lesen ...?“, erschrickt Ete.
„Wir sagen Trudel mal so richtig die Meinung“, übersetzt Petete und streckt den Kopf aus dem Tor.
„Wir holen sie aus den Hagebutten – und dann kann sie was erleben!“

Doch Trudel Gedudel hockt gar nicht in den Hagebutten.

Sie sitzt am Meer, zusammen mit der Möwe Gräten-Käthe und Herrn Klautermann, der alten Schiffsratte.
Trudel streckt die Füße im warmen Sand aus.

Das Meer schwappt in sanften Wellen an den Strand.
Die drei schauen hinaus zum Horizont, wo die tief stehende Sonne goldene Lichtflecken auf das Wasser malt, unter einem weiten, rosaroten Himmel.

„Schön ist das“, findet Trudel.

„Eine schönere Aussicht als auf deinem Hühnerhof, was, Sprudel?“, sagt Gräten-Käthe und grinst zufrieden.

Herr Klautermann hievt sich mühsam an seinem Krückstock aus dem Sand und rückt seine Augenklappe zurecht.

„Wo wir gerade beim Hühnerhof sind ...“, wendet er sich an das Huhn. „Musst du nicht langsam nach Hause? In meinem Strandkorb kannst du jedenfalls nicht übernachten. Da ist kein Platz für Landeier.“

„Ich gehe heim“, sagt Trudel.