cover

Impressum:

Verruchtes Spiel | Erotischer Roman

von Carol Stroke

 

Carol Stroke entführt in ihren Geschichten in die unterschiedlichsten Welten und möchte mit ihren lebensnahen Charakteren und deren Erlebnissen Emotionen hervorrufen – ob es ein Lächeln auf den Lippen ist oder ein wohliges Kribbeln im Körper. Sie liebt es, ihre Leser anfangs auf das vermeintlich Vorhersehbare zusteuern zu lassen, um sie dann mit dem Unerwarteten zu überraschen. Ihr Ziel ist erreicht, wenn die Lust ihrer Charaktere die Lust der Leser zum Höhepunkt treibt.

 

Lektorat: Nicola Heubach

 

 

Originalausgabe

© 2019 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © Guryanov Andrey @ shutterstock.com

Umschlaggestaltung: MT Design

 

ISBN 9783964772718

www.blue-panther-books.de

Kapitel 1

Lucy rechnete nun zum x-ten Mal ihr restliches Budget für diesen Monat aus, und ihr Optimismus schwand immer mehr. Sie war mit ihren dreiundzwanzig Jahren unter den Besten in ihrem Fachbereich. Sie wusste immer eine Antwort auf die ihr gestellten fachbezogenen Fragen, aber wie sie schnell an Geld kommen konnte, diese Antwort entzog sich ihr.

Klar, sie war mitten im Medizinstudium.

Klar, sie würde später richtig gut Geld verdienen.

Klar war auch, dass das »Später« sie heute nicht satt machen würde.

Natürlich hatte sie noch ihre Eltern, die sie unterstützten, aber ihr Stolz distanzierte sich mehr und mehr davon, abhängig von anderen sein zu wollen. Der klägliche Rest ihres Optimismus’ riet ihr, ins Bett zu gehen und eine Nacht darüber zu schlafen – in der Hoffnung, am morgigen Tag mit einer Antwort aufzuwachen. Naivität gehörte wohl auch zu ihren Stärken.

Kapitel 2

Am nächsten Tag blieb die erwartete Antwort allerdings aus und Lucy ging ihrem täglichen Morgenritual nach. Dieses bestand darin, unter die Dusche zu springen, abgehakt, Zähne zu putzen, abgehakt, ihr langes blondes Haar zu trocknen und zu einem Knoten zu binden, abgehakt, Baumwollslip und bügellosen BH anzuziehen, abgehakt, und bequeme Kleidung überzuziehen, abgehakt.

So stand sie etwa zwanzig Minuten später auf der Straße vor dem Studentenwohnheim, mit einem krossen Toast zwischen den Zähnen, und machte sich auf den Weg zu ihrer ersten Vorlesung für heute.

Der Tag verlief wie alle Tage zuvor. Lucy hörte zu, beantwortet Fragen und führte die Gruppenarbeiten an. Lediglich ihrem Dozenten Dr. Miller gelang es, sie immer wieder etwas aus dem Konzept zu bringen. Die Tatsache verärgerte Lucy ein wenig, da sie sich voll und ganz auf ihre Ausbildung, und nicht auf den Mittdreißiger, konzentrieren wollte. Zugegeben, er war ein attraktiver Mann. Miller war mindestens einen Kopf größer als sie, was bei ihrer Körperlänge nicht oft vorkam, da Lucy selbst schon einen Meter achtzig groß war. Er hatte breite Schultern und laut ihren anatomischen Berechnungen und Augenmaß, verbargen sich unter seinem Hemd wohlgeformte Muskelstränge. Sie verlor sich kurz in dem Gedanken, wie Bizeps und Trizeps miteinander arbeiteten, wenn er seine schwere Ledertasche auf das Pult ablegte. Ganz zu schweigen von seinem Gluteus Maximus, der wohlgeformt hinter seinem Jeansstoff verborgen lag.

»Lucy, pass auf!« Ein Warnruf ihrer Laborpartnerin, der sie aus ihren Gedanken riss. »Hey, wenn du unbedingt das Labor putzen möchtest, dann aber ohne mich.«

Stella hatte sie gerade davor bewahrt, die Versuchsflüssigkeit über den Steinboden zu verteilen.

»Süße, was ist denn mit dir los, du bist so abgelenkt, das kenne ich gar nicht von dir?«

»Ich befinde mich gerade in einer kontraproduktiven Phase meines Lebens. Deren negative Einflüsse wirken sich wohl augenblicklich auf meine Konzentration aus.« Natürlich war dies auf ihre Geldsorgen bezogen, und nicht auf die Ablenkung durch den knackigen Gluteus Maximus.

»Lucy, ich frage mich, ob ich jemals den Tag erleben werde, an dem du in einfachen Sätzen antwortest. Ein ›Heute ist nicht mein Tag‹ sagt auch so einiges aus.« Stella gab ihr einen leichten Schups. »Du musst echt etwas lockerer werden.«

Kapitel 3

Nach der letzten Vorlesung ging Lucy zur schwarzen Wand der Uni. Diese hing voll mit den verschiedensten Anzeigen von studentenfreundlichen Wohneinheiten, anstehenden Events, Findung von Lerngruppen und Jobangebote außerhalb und innerhalb des Studiums.

Lucy las sich einige der Zettel durch und stieß auf eine Forschungsgruppe. Dort ging es darum, Informationen zu sammeln, die sich auf bestimmte Verhaltensweisen bezogen. »Ergründung des Wie und Warum und die Auswirkung dessen«, lautete die Überschrift.

Lucy wusste zwar nicht, auf was sie sich da einlassen würde, aber unter dem Strich stand eine Zahl, die ihr den Kühlschrank ausreichend füllen könnte. Sogleich schrieb sie sich die Kontaktdaten auf und würde sich heute Abend noch bewerben.

Kapitel 4

Es vergingen zwei Tage der normalen Routine, bis Lucy eine Nachricht erhielt, dass sie in das Projekt aufgenommen wurde und am Abend das erste Treffen im Vorlesesaal stattfinden würde.

Wie üblich war sie ihre obligatorischen fünfzehn Minuten zu früh da. Sie klopfte an den Türrahmen, um sich bemerkbar zu machen und reckte ihren Hals, um sehen zu können, ob jemand anwesend war.

Da vernahm sie ein Räuspern hinter sich. »Miss Smith, gehen sie ruhig hinein, die anderen Teilnehmer werden bestimmt gleich eintreffen.«

Wären ihre Haare nicht wie immer in einem Haarknoten festgezurrt gewesen, hätten sich bei dem Wiedererkennen dieser Männerstimme ihre Nackenhärchen aufgestellt. Aber warum kribbelte es nicht nur im Bereich des Nervus occipitalis tertius, sondern auch vom Warzenhof bis in die Brustwarzen?

»Natürlich«, gab sie kurz zurück.

Lucy betrat den Raum und nahm in der ersten Reihe Platz. Sie hatte das Gefühl, als hätte sie das räumliche Sehen verloren. Oder war dieser Raum schon immer so klein und eng?

Nachdem die restlichen neun Mitstudenten eingetroffen waren, war der Vorlesesaal wieder zu seiner üblichen Größe angewachsen. Der gut aussehende Mann am Pult lief zur Tafel und schrieb ein einziges Wort darauf: »Sexualforschung«.

Erneut schien der Raum um Lucy zu schrumpfen. Sie versuchte, ruhig zu atmen und einen neutralen Gesichtsausdruck aufzulegen.

»Mein Name ist Dr. Peter Miller. Manche von Ihnen kennen mich vielleicht schon aus dem Bereich der klinischen Chemie und sind mit meinen Arbeitsweisen vertraut. Leider muss ich Ihnen sagen, dass es für dieses Projekt keine ›Miller-Arbeitsweise‹ gibt. Sie selbst sind für den Erfolg der Studie verantwortlich. Ich bin lediglich die Sammelstelle der Informationen, die Sie einholen. Aber ohne weiter um den heißen Brei zu reden, es geht hier um einen Bereich der Sexualforschung. Wir haben über Monate Probanden gesucht, die Ihnen Einblick in ihr Sexualverhalten gewähren. Sie werden mit einem Regenbogen der Sexualität konfrontiert werden. Die Personen leben nicht im Schwarz oder Weiß, diese Menschen leben das Bunt. Es könnte passieren, dass Sie von Ihren Moralvorstellungen Abstand nehmen müssen. Es könnte passieren, dass Sie, wenn ich bei dem Wortspiel bleiben darf, im Farbenmeer zu ertrinken drohen. Wir bitten Sie, gerade deshalb, durchzuhalten. Öffnen Sie Ihren Geist und lassen Sie uns an Ihren und deren Erfahrungen teilhaben.« Dr. Miller machte eine kurze bedeutungsschwangere Pause und fuhr fort. »Sie bekommen von uns Unterlagen über die Ihnen zugeteilten Teilnehmer und einen Inspirationskatalog mit Fragebeispielen. Wir bitten Sie aber trotzdem darum, intuitiv zu arbeiten. Ihre Ergebnisse halten Sie schriftlich fest und reichen sie uns nach Abschluss ein, damit wir sie dann auswerten können.«

Dr. Miller blickte in die Runde. »Haben Sie alles verstanden? Und sind Sie mit der Mitarbeit an diesem Forschungsprojekt einverstanden?«

Kurz erhob sich ein leises Gemurmel, aber dann sagten alle zu und das Treffen wurde beendet.

Als Lucy auf dem Weg zurück in ihre Studentenwohnung war, fragte sie sich immer wieder, warum, in Gottesnamen, sie »Ja« gesagt hatte.

Kapitel 5

Lucys täglicher Ablauf bestand weiterhin, nur eines würde sich heute als Variable darstellen, nämlich das Treffen mit ihren Regenbogenprobanden.

Sie hatte sich bereits in das vorhandene Profil des Paares, das ihr zugeteilt worden war, eingelesen, doch war ihr diese Art von Sexualität fremd. Naja, eigentlich war ihr mehr oder weniger jegliche Variation der Sexualität fremd. Lucy war einfach niemand, der bunt gut fand, sie gehörte eher zu der Sorte Uni-Ton. Nur wusste sie nicht, ob sie Weiß oder Schwarz wählen sollte. In ihrem Leben gab es eher die Zweckbeziehung. Es ging hierbei lediglich um das Befriedigen von Bedürfnissen. Sie musste sich aber eingestehen, dass Befriedigung überbewertet wurde.

Lucy würde heute auf ein Paar um die Vierzig treffen, die seit achtzehn Jahren liiert und seit fünfzehn Jahren verheiratet waren. Die Eheleute hatten vor Kurzem erst die Vielfalt der Möglichkeiten entdeckt und lebten sie nun aus. Vier einfache Buchstaben, die sie in das Netz der Farben einflochten: »BDSM«. Natürlich hatte Lucy theoretische Nachforschungen betrieben. Sie spulte es nochmals in ihrem Kopf ab: BDSM hieß »Bondage & Disziplin, Sadismus & Masochismus«. Hierbei stand das Spiel der Dominanz und der Demut im Vordergrund. Wobei die Dominanz nicht als tatsächlich verletzend angesehen wurde, sondern von dem devoten Part als Lust empfangen wurde.

Lucy grübelte viel über diese Art von Lust nach und war sehr daran interessiert, zu erfahren, wie so etwas gelebt werden konnte.

Kapitel 6

Am späten Nachmittag traf sie vor dem Haus des Ehepaares ein. Lucy blickte sich um. Es war ein ganz normales Haus mit Vorgarten. Was hatte sie auch erwartet? Fleischfressende Pflanzen im Beet, ein Holzkreuz mit Ketten an der Außenwand, Wimmern aus dem Inneren? Schuldbewusst verzog sie ihr Gesicht. Für einen kleinen Augenblick waren ihr tatsächlich diese Klischeegedanken durch den Kopf geschossen.

Sie atmete ruhig durch, öffnete ihren Geist, ging auf die Haustür zu und klingelte. Einen Moment später erschien eine Frau hinter dem Glaseinsatz der Tür, lächelte und ließ Lucy mit einer netten Begrüßung eintreten.

»Sie müssen die Studentin sein, die uns Dr. Miller angekündigt hat«, stellte die sympathisch wirkende Dame fest. »Mein Mann wartet schon auf Sie. Wir sind gespannt auf das Projekt. Wissen Sie, wir hatten sehr gehofft, dass unsere Bewerbung bei dieser Studie berücksichtigt würde. Und nun sind Sie hier.« Die Dame unterstrich diesen Satz mit einem Lächeln, das ihre Augen strahlen ließ.

»Ich bin auch schon sehr gespannt auf unsere Gespräche und auf die Auswertung durch die Studiengruppe«, antworte Lucy etwas mechanisch, da sie befürchtete, die Erwartungen der Probanden nicht erfüllen zu können.

Die braunhaarige Frau führte sie in ein großes Wohnzimmer, wo bereits ein Mann auf einer dem Raum ebenbürtigen Ledercouch saß. Er stand auf, um Lucy zur Begrüßung die Hand zu reichen und nahm dann wieder Platz. Seine Frau setzte sich zu ihm und wies Lucy einen Platz in ihrer Nähe zu.

Lucy packte ihre Schreibutensilien und den Inspirationskatalog aus. Sie hoffte sehr, dass dieser ihr aus einem möglichen Stocken heraushelfen könnte.

»Als Erstes würde ich mich gern vorstellen. Mein Name ist Lucy Smith. Ich bin eine dreiundzwanzigjährige Studentin der Medizin und habe mich für dieses Projekt gemeldet. Da mir das Thema doch sehr fremd ist, entschuldige ich mich gleich für meine Wissenslücken. Ich gehöre wohl eher zu den Theoretikern.« Kaum hatte sie das letzte Wort gesprochen, kamen ihr Zweifel, ob man es nicht falsch verstehen könnte. Sie versuchte, ihre innere Unsicherheit mit einem schiefen Lächeln zu überspielen, das ihr wohl die Frau abnahm. Der Mann aber schaute sie über seinen Brillenrand nur eindringlich an.

»Ähm, dann fangen wir mal am besten an«, räusperte Lucy sich verlegen. »Laut meinen Unterlagen …«, sie wandte sich dem Ehemann zu, »… sind Sie Dean Johnson. Sie sind einundvierzig Jahre alt und selbstständig in der Produktbranche.«

Der blondhaarige Mann nickte zustimmend und schaute sie wieder mit seinen blauen Augen an, als ob er ihre Gedanken lesen wollte.

Lucy unterbrach rasch den Blickkontakt und fuhr fort. »Und Sie sind Melissa Johnson. Hauptberuflich Hausfrau und helfen ihrem Mann bei der Büroarbeit.«

»Ja, das ist richtig.«

»Okay, dann können wir den ersten Teil schon mal als erledigt abhaken.« Sie schaute von ihren Unterlagen auf. »Nun kämen wir zu dem nächsten Punkt: Wie haben Sie festgestellt, dass das Ihre Art der Sexualität ist?«

Nun lehnte sich die Ehefrau etwas zurück und überließ ihrem Mann das Erklären.

»Es war für uns eine Überraschung«, begann er. »Wie es in einer Ehe eben passieren kann, schlich sich ein nebeneinanderher leben ein. Jeder hatte seinen eigenen Tagesablauf und unsere gemeinsame Zeit beschränkte sich meist lediglich auf das Wahrnehmen von familiären Terminen. Sie wissen schon: Kinder, Schule und Verwandtschaft. Unser Sexualleben war mittlerweile genauso standardisiert. Als berufstätige Eltern konnten wir nur die kleinen Zeitfenster nutzen, die uns unser Umfeld ließ. Und glauben Sie mir, es steigert nicht gerade den Lustgewinn, wenn man Sex nicht auf Verlangen, sondern mit Zeitdruck hat.«

»Ja, das ist richtig«, stimmte ihm Mrs Johnson zu.

Er fuhr fort: »Eines Nachts, als wir uns die Zeit nahmen, um miteinander zu schlafen, legte ich, während ich in sie stieß, meine Hand um ihre Kehle. Ich kann nicht sagen warum, es überkam mich einfach. Als ob sich meine geheimen Fantasien ihren Weg nach draußen bahnen wollten. Zu meiner Überraschung stöhnte Melissa vor Lust auf und ihre Möse schien ebenfalls zu reagieren. Nicht wahr, Schatz?«

»Oh ja, ich wurde richtig nass.«

»Danach haben wir über das gerade Passierte gesprochen und festgestellt, dass wir beide geheime Fantasien hegten, die wir aus Scham vor dem anderen nicht ausgesprochen hatten. Nachdem uns klar wurde, was das für uns bedeuten konnte, fingen wir an, uns über BDSM zu erkundigen und schlauzulesen. Das war der Anfang einer geilen Zeit, die bis heute anhält.« Er unterstrich seine Aussage, indem er seiner Frau die Hand auf ihr Knie legte und mit einem selbstgefälligen Lächeln auf den Lippen ihren Oberschenkel auf und ab streichelte.

Lucy war noch etwas irritiert über die Wortwahl ihres Probanden und über die Art, wie er seine Frau darstellte. War sie etwa nur ein Sexobjekt für ihn?

»Mrs Johnson, wie fühlen Sie sich dabei, zu wissen, dass er Sie für seine Fantasien benutzt?«

»Moment, Miss Smith, da verstehen Sie etwas falsch. Er benutzt mich nicht. Er gibt mir das, was ich brauche. Von dem ich vorher nicht wusste, wie sehr ich es wollte. Dean ist mein Herr, und ich genieße jegliche Berührung, jeden Befehl und jede Bestrafung, die er mir zuteilwerden lässt.«

»Bestrafung?«, fragte Lucy fast schon in einem schockierten Ton.

»Ja, Bestrafung. Ich kann ein echt ungezogenes Mädchen sein, und der Herr muss seiner Sub zeigen, wer hier der Meister ist.«

Lucy sah, wie sich die Wangen von Mrs Johnson röteten, ihre Atmung sich beschleunigte und ihr Brustkorb sich schneller hob.

»Bitte verzeihen Sie mir, Miss Smith, die Erinnerung an unsere Spiele lässt mich immer wieder aufs Neue in Verzückung geraten«, entschuldigte sie sich.

»Sie müssen sich von der Standardbegrifflichkeit distanzieren«, sagte Mr Johnson. »Hier geht es nicht darum, jemandem Schmerz als Bestrafung im üblichen Sinne zuzufügen. Hier geht es darum, jemandem Schmerz als Bestrafung zur Steigerung seiner Lust zuzufügen. Bildlich erklärt, bin ich der Herr, der Dominate, in unserer Beziehung, der Sadist und sie ist meine Sub, meine devote Sklavin, die durch Schmerz eine höhere Ebene der Lust erreicht. Wir fallen immer noch unter die Begrifflichkeit eines liebenden Ehepaares. Aber wir spalten uns von der Norm ab, wie wir unsere Liebe miteinander ausleben.« Er blickte Lucy direkt in die Augen, wahrscheinlich um ein Begreifen ihrerseits zu entdecken.

»Ähm, ja, ich verstehe, was Sie meinen. Theoretisch zumindest. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, durch Schmerz Lust zu gewinnen …«

Mr Johnson unterbrach sie. »Die Vorstellungskraft wird wachsen, wenn Sie das erste Mal diese Art von Dominanz erlebt haben. Als Herrin oder als Sub.«

Lucy spürte, wie sich ihr Pulsschlag im Hals erhöhte und sie senkte den Blick.

Mrs Johnson ergriff das Wort: »Mein Mann respektiert mich, ich vertraue ihm zu einhundert Prozent und ich bin überglücklich für dieses Geschenk. Unsere Beziehung hat einen neuen Level erreicht. Wir schweigen nicht mehr über unsere Wünsche, sondern wir erforschen uns. Er gibt mir den Schmerz, den ich brauche. Wir beide erleben eine neue Art der Befriedung. Eine neue Ebene der Selbstwahrnehmung. Seit wir BDSM ausleben, fühle ich mich wieder als schöne Frau. Seine Hingabe beim Spiel, meine Präsenz als Sub, zeigt mir, wie erotisch ich bin. Eines möchte ich Ihnen heute mit auf den Weg geben, was wir allzu leicht vergessen: Wir Frauen sind etwas Wunderschönes!«

Mit diesen Worten beendete die kleine Gruppe ihr erstes Gespräch und sie vereinbarten ihren nächsten Termin.

Lucy machte sich auf den Weg und ließ die Johnsons hinter sich. Aber das Verarbeiten des soeben Erfahrenen, drehte sich in ihrem Kopf und sorgte für ein leichtes Ziehen in ihrem Unterleib.

Kapitel 7

Am Abend war Lucy durch das Interview immer noch auf merkwürdige Art aufgekratzt. In ihr wurde eine nicht erwartete Neugierde geweckt. Vielleicht würde eine Dusche helfen, um wieder etwas runterzukommen. Sie lief ins Bad, zog sich aus und betrachtete sich kurz in ihren Spiegelfliesen. Sie sah eine große, schlanke Frau, die ihren Körper rein im anatomischen Sinne wahrnahm oder wahrgenommen hatte. Irgendetwas hatte sich verändert. Lucy stieg unter die Dusche und ließ das warme Nass an sich hinunterprasseln. Sie seifte sich ein, wobei sie zaghaft über ihre Brustwarzen strich, um die Reaktion ihres Körpers abzuwarten. Danach nahm sie ihren Rasierer und verteilte den Rasierschaum auf ihrem Venushügel, um die kurzen Stoppeln zu entfernen. Auch hier streichelte sie über die weiche, glatte Haut und fuhr mit ihrem Zeigefinger kurz durch ihre Spalte, um an ihrem Kitzler zu stoppen. Sie schien doch erregter zu sein, als sie dachte, da diese zaghafte Berührung bereits ein Kribbeln in ihrem Unterleib auslöste. Lucy stellte das Wasser ab, trocknete ihre Haut und stellte sich nochmals vor den Spiegel. Denn jetzt fiel ihr erst auf, dass ihre Brüste gar nicht mal so schlecht aussahen. Sie nahm sie in die Hände und spürte das Gewicht ihres C-Körbchens in jeder Handfläche. Sie fuhr langsam an der samtenen Haut entlang, bis ihre Zeigefinger und Daumen ihre Brustwarzen zwicken konnten. Lucy biss sich kurz auf die Unterlippe und wollte mehr spüren. Ihre Hände glitten an ihrem flachen Bauch hinunter, bis sie auf ihrem Hügel lagen. Wie sie zuvor erfahren hatte, waren Frauen etwas Wunderschönes und interessant, zu erforschen. Sollte sie es wagen?

Sie stellte einen Fuß auf ihren Badezimmerunterschrank und stand nun breitbeinig vor den Spiegelfliesen. Ihre Schamlippen waren bereits ein Stück geöffnet und sie spürte das Pochen ihres Kitzlers. Sie führte zwei Finger zu ihrem Mund, benetzte diese mit etwas Spucke und öffnete mit der anderen Hand ihre Scham. Ihre Augen sahen ihre Klitoris, die großen und kleinen Schamlippen und den Eingang ihrer Vagina, aber ihr Gehirn ließ sie das Bild einer Rosenknospe wahrnehmen, die von ihr gestreichelt werden wollte. Sogleich berührten ihre Fingerspitzen die bebende Knospe und rieben sie, um im nächsten Moment in ihrer Scham zu versinken. Mit vor Wonne halbgeschlossenen Augen, beobachte Lucy, wie ihr Zeige- und Mittelfinger in ihrem Körper verschwanden. Sie stieß in sich, und je feuchter ihre Scham wurde, desto mehr schwanden ihr die Sinne. Sie hörte nur noch aus der Ferne das Schmatzen ihrer Schamlippen und wagte, einen dritten Finger mit in ihr Spiel aufzunehmen. Nun war ihr das Spiegelbild völlig gleich. Sie krümmte sich leicht, um noch tiefer in sich stoßen zu können, während sie mit ihrer anderen Hand ihren Kitzler rieb und rieb, stieß und rieb. Plötzlich schien die Zeit stillzustehen. Ihr Kiefer spannte sich an und der Orgasmus ließ ihre Scheide sich um ihre Finger zusammenziehen.

Als sie sich wieder gefangen hatte, stand Lucy aufrecht vor der Spiegelwand und beobachtet das schnelle Heben und Senken ihres Brustkorbes. Ihr Gesicht war gerötet, ihre Pupillen geweitet und auf ihren Fingern verteilte sich ihr eigener Saft. Leise sprach sie zu ihrem Spiegelbild: »Wir Frauen sind etwas Wunderschönes.«

Kapitel 8

Der nächste Morgen war gekommen. Lucy war gerade dabei, ihr morgendliches Ritual abzuspulen. Duschen, Zähneputzen und Haare zu einem Knoten binden. Aber heute sträubte sich etwas in ihr, ihre Baumwollunterhose, den nudefarbenen bügellosen BH und die weitgeschnittenen Kleidungsstücke anzuziehen.

»Denk nach, Lucy, denk einfach nach. Was ist die logische Schlussfolgerung, wenn du den Baumwollripp nicht mehr auf deiner glatten weichen Haut tragen willst? Sag es! Aber nein … Das kann ich doch nicht tun …!« Ihr Verstand schien mit sich zu kämpfen.

Sie blickte ein letztes Mal in ihre Unterwäscheschublade und schloss diese, ohne etwas herausgenommen zu haben. Warum hatte sie dieser eine, von Mrs Johnson dahergesprochene Satz, nur so in seinen Bann gezogen? Es lag wohl daran, dass sie bisher den IQ eines Menschen als ausreichend empfand, und nicht die Hülle des Menschen, der dahintersteckte.

Sie wusste aus Büchern über die vier Phasen eines Höhepunktes Bescheid: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase. Das war ein ganz natürlicher Vorgang. Ein Urinstinkt, der ab und an die Oberhand gewann und gestillt werden musste. Danach hatte sie wieder für Wochen Ruhe. Nie hatte sie es in Verbindung mit äußeren Umständen gebracht.

Lucy sog ihre Oberlippe nachdenklich zwischen ihre Zähne, um sogleich einen Entschluss zu fassen. Sie zog ihre bequeme Hose über ihre gänzlich nackte Haut und ihr T-Shirt über ihren ebenso nackten Oberkörper. Sie spürte den Stoff an ihren Nippeln reiben und erinnerte sich kurz an den Moment unter der Dusche, als sie in ihre Spitzen kniff.

Dass sie ohne Unterwäsche das Haus verließ, gab ihr einen verwegenen Schwung. Durch ihre Gedanken huschte kurz das Wort »Spielen«, worauf sich ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht zeigte.

Kapitel 9

Als Lucy mit Stella zusammen an einer Aufgabe arbeitete, wagte sie, ihre Überlegungen des Tages umzusetzen.

»Stella?«, fragte sie.

Ihre Freundin blickte hoch.

»Findest du mich anatomisch ansprechend?«

Stella verschluckte sich kurz an ihrem Speichel und antwortete: »Rein theoretisch finde ich schon, dass du etwas hermachst. Es wären zwar noch einige Tunings nötig, aber du bist schon eine süße Maus – soweit ich das als Heterofrau beurteilen kann.« Sie schaute Lucy mit hochgezogener Braue von der Seite an. »Warum fragst du?«

Lucy beugte sich etwas über den Tisch, damit sie näher an ihre Laborpartnerin herankam. Sie bemerkte, wie sich der Stoff ihrer Hose über ihren nackten Hintern spannte und die Naht ihre Schamlippen reizte. »Oh«, entfuhr es ihr überrascht. Dann sprach sie zu Stella: »Ich hatte gestern mein erstes Gespräch mit den Probanden bezüglich des Projekts über die Erforschung der unterschiedlichsten Sexualverhalten.«

»Okaaay.«

»Und nun kommt es mir vor, als ob etwas von mir Besitz ergreift. Etwas … Unanständiges.«

Stella kämpfte damit, ernst zu bleiben. »Und wie äußert sich diese Wandlung?«

»Ich trage heute keine Unterwäsche.«

Hinter ihr hörte man ein kurzes Poltern und die Stimme von Dr. Miller: »Nichts passiert! Bin heute etwas schusselig und stolpere über meine eigenen Füße.«

Lucy zog den Kopf etwas ein. »Glaubst du, er hat uns gehört?«

»Und wenn schon, er trägt schließlich einen Doktortitel vor seinem Namen, und solange er diesen nicht in Theologie gemacht hat, wird er es verkraften.« Stella grinste ihr zu.

Beide arbeiteten bis kurz vor Schluss konzentriert an ihrer Aufgabe weiter, bis Lucy sich endlich traute, ihre Hauptfrage zu stellen. »Stella, würdest du mir vielleicht etwas Geld leihen? Du bekommst es einhundert Prozent zurück! Und würdest du heute mit mir shoppen gehen?«

Ihre Laborpartnerin schaute sie überrascht an. »Jetzt machst du mir aber Angst. Schau mich mal genau an. Hm, dein Blick ist klar. Wo ist die Lucy, die hier üblicherweise sitzt?«

Lucy senkte verschämt den Kopf. »Schon gut. War nur eine Frage.«

»Aber Hallo, Süße, wir räumen mein Konto leer! Das bedeutet, dass wir knapp vierhundert Dollar zur Verfügung haben, und damit werden wir es krachen lassen!«

In Lucys Bauch stieg ein Kribbeln auf. War es das Adrenalin, ausgelöst durch die Angst vor dem Neuen, oder wegen der Vorfreude, was heute noch geschehen würde?

Beim Verlassen der Laborräume erlaubte sie sich einen kurzen Blick zu dem Mann, der sie schon lange durcheinanderbrachte. Sie rechnete damit, dass er wie immer sein Pult aufräumte. Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass sich ihre Blicke trafen. Seine braunen Augen schienen sie zu durchbohren.

Schnellen Schrittes verließ Lucy den Raum.

Kapitel 10

»Ich hoffe, du trägst in diesem Moment Unterwäsche«, sagte Stella, während die Frauen mit der U-Bahn in die Stadt fuhren.

»Nein«, antwortete Lucy knapp.

Wenig später erreichten sie die City und gingen in die hiesigen Bekleidungsgeschäfte. Natürlich war Lucy schon früher einkaufen gewesen, nur eben nicht so, so direkt, so unnütz. Ja, genau, das war das richtige Wort. Der Einkauf war eigentlich unnütz. Aber ein ihr fremdes Gefühl drängte sie dazu.

»Lucy«, rief Stella, »komm mal zu mir rüber, und sieh, was ich entdeckt habe.«

Sie lief zu ihr und stand plötzlich vor einer Wand aus Dessous. Kein einziges dieser knappen Teile hatte auch nur einen Hauch von Feinripp verarbeitet. Sie war überwältigt.

»Hier, nimm den mal.« Ihre Freundin hielt ihr ein Höschen entgegen.

»Da fehlt eine Menge Stoff …«, stellte Lucy trocken fest. »Jetzt mal im Ernst: Wie kann das bequem sein, wenn eine Schnur durch die Poritze gezogen wird?«

»Das ist eine Frage, die ich dir heute ausnahmsweise durchgehen lasse.« Stella schüttelte leicht den Kopf und nahm ihre Nasenwurzeln zwischen Daumen und Zeigefinger. »Einatmen, ausatmen. Lucy, wenn du das hier wirklich willst, dann heißt es, dass du lockerer werden musst. Du bist eine wunderschöne junge Frau, die bisher ihr Leben falsch priorisiert hat. Natürlich bist du ein Genie. Keiner aus unserem Semester, und bestimmt auch aus den höheren, kann dir das Wasser reichen. Aber du musst dir auch Raum zum Erleben geben. Du wohnst nicht mehr bei deinen Eltern. Du kannst machen, was du willst. Und wenn du ohne Unterwäsche in den Unterricht kommen willst, dann mach das! Wobei ich sagen muss, dass das schon sehr gewagt war. Süße, ich glaube, hier und heute entscheidet sich, welchen Weg du weiter gehst. Den normalen Anständigen, oder nimmst du den, der dir eine Welt zeigt, die du bisher nicht kanntest. Wie zum Beispiel diesen roten Tanga aus Spitze, dessen Rückseite dir zwischen deinen Arschbacken reiben wird.« Stella unterstrich ihre Rede, indem sie ihre Augen theatralisch aufriss und am Stoff des Höschens zupfte.

Lucy brauchte nicht lange, um ihren inneren Schweinehund endgültig zu überwinden. »Wo ist der passende Büstenhalter dazu?«, fragte sie.

Stella gab ein leises Quieken der Freude von sich und suchte ihr den passenden BH.

Kapitel 11

An diesem Abend überblickte Lucy ihr Bett und Stolz erfüllte sie. Sie hatten tatsächlich fast das ganze Geld von Stella auf den Kopf gehauen. Auf ihrer Bettdecke lagen mehrere Sets aus BHs und Slips. Sie waren aus den verschiedensten Materialien und Schnittformen. Zudem hatte Stella darauf bestanden, dass Lucy sich sogenannte Jeggings kaufte, die ihre langen, geraden Beine betonten. Dazu gab es noch einige Blusen und Shirts mit Ausschnitt.

»Rundhals ist für dich ab heute tabu«, lauteten heute Mittag die bestimmenden Worte ihrer Freundin.

Neben der ganzen Wäsche hatte Stella zudem energisch geraten, dass Lucy sich ein auffälligeres Make-up zulegen sollte, damit ihre türkisfarbenen Augen mehr zur Geltung kamen.

Und Lucy wollte es so. Ein kurzer Seufzer entfuhr ihr bei dem Blick gen Boden, denn dort standen zwei Paar Stöckelschuhe. In Bezug auf dieses Schuhwerk, kamen ihr zwei Dinge in den Sinn: Bänderzerrung und Bänderriss.

Um auf schmerzfreie Gedanken zu kommen, räumte sie ihr Bett frei, nahm ihren Laptop und setzte sich an den Schreibtisch. Nachdem ihr PC hochgefahren war, schaute sie in ihr E-Mailprogramm und erwartete, das Übliche zu sehen. Werbung der Pharmazie, Spams und diverse Mails von Mitstudenten, die sie oft mit der Bitte um Hilfe bei schwierigen schulischen Aufgaben anschrieben. Doch da war eine Mail von Mrs Johnson. Lucy öffnete diese und war von deren Inhalt absolut überrascht:

Hallo Miss Smith,

ich habe Ihre Emailadresse durch Dr. Miller erfahren. Ich hoffe, ich maße mir hier nicht zu viel an. Aber ich habe es mit meinem Herrn abgesprochen.

Um Ihnen einen tieferen Einblick in unser Sexualleben zu gewähren, schicke ich Ihnen eine Datei. In dieser Datei befindet sich mein Sub-Tagebuch. Hier habe ich für meinen Meister und mich einige Eindrücke und Gedanken festgehalten. Sie dienen dazu, an unserem Tun zu wachsen, uns weiter zur inspirieren und auch, uns erneut der Lust hinzugeben.

Wir freuen uns bereits auf unseren nächsten Termin.

Liebe Grüße

Dean und Melissa

Nach dem Lesen hielt Lucy für einen Moment die Luft an.

Drück den Button, drängte ihr Geist sie.

Und so öffnete Lucy das Tagebuch einer Sklavin.

Sex-Tagebuch:

Ich habe mich dazu entschlossen, unser neues gemeinsames Abenteuer nicht nur in meinen Erinnerungen, sondern für uns beide festzuhalten.

Seit Jahren sind wir ein Paar. Wir haben uns ein normales Leben aufgebaut, das den allgemeinen Regeln entsprach. Wir waren vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Wir gaben uns damit zufrieden und stumpften ab.

Aber seit diesem Abend, als deine Hand meine Kehle berührte und leicht zudrückte, änderte sich unsere Welt. Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass diese Art von Berührung meine Möse dermaßen zerfließen lassen würde.

Wir entdeckten unsere Partnerschaft neu.