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Die Herausgeber

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Marion Rehm, Krankenschwester, Dipl.-Gesundheitswissenschaftlerin, Leiterin der Albertinen-Akademie, Hamburg.

Wer sich entscheidet, in einem Gesundheitsberuf zu arbeiten, dem liegt daran, hilfebedürftige Menschen zu begleiten, zu versorgen und sie dabei zu unterstützen, ihre Selbständigkeit wiederzuerlangen. Dazu gehört auch, Menschen in Extremsituationen oder in der Sterbephase würdevoll zu begleiten. Krankenschwester war daher immer mein Traumberuf, den ich mit großer Freude und Begeisterung ausgeübt habe: Der Umgang mit den Patienten, deren An- und Zugehörigen, die Zusammenarbeit im Team – es gibt nicht viele Berufe, die so vielseitig und vielschichtig sind, in denen es so viele Möglichkeiten gibt, sich zu spezialisieren und weiterzubilden. Seit fünfunddreißig Jahren bin ich schon im Gesundheitswesen tätig, zunächst als Krankenschwester, nach dem Studium in der Versorgungsforschung, und seit zehn Jahren organisiere ich nun Bildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter der Gesundheitsberufe, auch hier bin ich dankbar für die Bandbreite und Vielfältigkeit meiner Tätigkeit.

Auf einer ganz anderen Ebene darf ich nun dazu beitragen, dass Patienten und hilfsbedürftige Menschen eine qualitativ hochwertige und zugewandte Versorgung erhalten: Indem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen befähigt werden, Methoden und Konzepte zu erlernen, die ihnen in der alltäglichen Arbeit weiterhelfen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch viele Leserinnen und Leser findet und damit auch einen Anteil daran hat, dass die Versorgung der uns anvertrauten Menschen verbessert wird.

Marion Rehm

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Wolfgang Schwibbe, Pädagoge und Andragoge, von 2000 bis 2016 Leiter der Albertinen-Akademie, weiterhin als Senior-Berater tätig.

Alt – das sind nicht immer nur die anderen, nein: das sind sogar (fast) ausschließlich Personen, die mir nicht so nah sind. Also kaum Freunde, gute Bekannte, Arbeitskolleginnen und -kollegen, enge Nachbarn, Familie. Und ich schon gar nicht.

Dieser Gedanke beschäftigte mich, als mit Vollendung des 63sten Lebensjahres mein Eintritt in den Ruhestand bevorstand. All diese Personen in meinem persönlichen Umfeld, viele bereits seit einigen Jahren im Ruhestand, manche jenseits der 70, waren vielleicht gelegentlich krank, manche auch schwerer, manche auch häufiger – aber alt?

Mag sein, dass die langjährige Tätigkeit in einem geriatrischen Haus meinen Blick beeinflusst hat. Vielleicht ist es auch die Erfahrung, dass drei von vier Eltern und Schwiegereltern von 2006 bis 2008 im Jahresabstand verstarben, alle schon sehr krank und »wirklich« alt – mit 78, 81, 82. Aber der Älteste von ihnen, mein Vater, war im Jahr 2010 für mich selbst mit 90 Jahren noch nicht »alt«, sondern allenfalls älter und ein bisschen langsamer und erholungsbedürftiger. Noch 2009 hatten wir eine gemeinsame Berlin-Reise unternommen.

Mein Altersbild ist offensichtlich geprägt von Interesse an der Welt, Aktivität, Agilität, geistiger Frische. Wer das noch hat, scheint für mich nicht alt zu sein, und sicher steckt dahinter auch der Wunsch, dass der eigene Alterungsprozess so verlaufen möge.1

Wolfgang Schwibbe

1     Siehe hierzu auch: Altersbilder in der Gesellschaft. Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Bundestag Drucksache 17/3815, 17.11.2010)

Marion Rehm Wolfgang Schwibbe (Hrsg.)

Praxiswissen Geriatrie

Ältere Menschen multiprofessionell begleiten

Verlag W. Kohlhammer

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Pharmakologische Daten verändern sich ständig. Verlag und Autoren tragen dafür Sorge, dass alle gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung hierfür kann jedoch nicht übernommen werden. Es empfiehlt sich, die Angaben anhand des Beipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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1. Auflage 2019

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-033096-2

E-Book-Formate:

pdf:    ISBN 978-3-17-033097-9

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Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden;

es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.

Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre

»Der Bedarf an geriatrischer Versorgung wird nicht nur infolge des fortschreitenden demografischen Wandels weiter zunehmen. Gegenwärtig wird eine große Zahl älterer Patientinnen und Patienten mit geriatrischem Versorgungsbedarf in anderen Fachabteilungen der Krankenhäuser »fehlgeleitet« versorgt. Der Bundesverband Geriatrie weist etwa für das Jahr 2007 neben der Ist-Fallzahl von 211.000 einen zusätzlichen Versorgungsbedarf von 155.000 Fällen im akutstationären Bereich und von 18.000 Fällen im rehabilitativen Bereich aus.«2

2     Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften. Siebter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Bundestag, Drucksache 18/10210, 02.11.2016, Seite 155

Geleitwort

 

 

Unter Altern verstehen wir einen organtypischen Prozess, der sowohl die physiologischen Prozesse wie die Morphologie der Organe verändert. Während es dadurch im körperlichen Bereich zu einem Leistungsabfall kommt, sind im seelisch-geistigen Bereich im Alter Höchstleistungen möglich. Alter ist keine Krankheit, aber die Krankheitsanfälligkeit nimmt zu. Die Übergänge zwischen normalen Alterungsprozessen und der Entstehung von Krankheiten sind fließend. Krankheiten werden deshalb oft von den Betroffenen wie von den Professionellen nicht rechtzeitig erkannt, was zu unnötigen Behinderungen und Resignation führen kann.

Um dem zu begegnen, ist es wichtig, dass sowohl die Betroffenen wie alle professionell im Gesundheitssystem Tätigen über die nötigen Kenntnisse im Umgang mit Alter und Krankheit Bescheid wissen. Alle müssen wir sowohl im präventiven, kurativen wie rehabilitativen Bereich auf den Prozess Altern Rücksicht nehmen. Davon ausgenommen werden kann nur der Bereich der Kinder- und Jugendmedizin.

Das Wissen um Altern und Krankheit und die speziellen Aspekte der Therapie müssen dabei sowohl im ambulanten Bereich wie im Krankenhausbereich und ganz besonders im Heimbereich bekannt sein.

Für mich ist dabei das Wichtigste, dass wir von einer positiven Grundhaltung ausgehen, wie ich es gerne nenne, eine »Dennoch-Haltung«. Rehabilitation ist möglich bis zum Tod. Verbessert werden kann die Situation eines jeden Patienten. Hilflosigkeit kann durch Wissen, Professionalisierung und Empathie verhindert werden. Das vorliegende Buch, das von Marion Rehm, der Leiterin der Albertinen-Akademie und ihrem Vorgänger Wolfgang Schwibbe herausgegeben wird, vermittelt uns einen Großteil dieses Wissens. Erstmals sind es nicht Mediziner, die ein Buch für Professionelle, in der Gerontologie Tätige herausgeben. Frau Rehm und Herr Schwibbe können dabei auf viele auch praktisch tätige Dozenten der Akademie zurückgreifen, haben aber auch darüber hinaus wichtige zusätzliche Beiträge gesammelt.

Die einzelnen, breit gefächerten Themen spiegeln die komplexe Thematik der Gerontologie und Geriatrie. Das Buch bildet eine ausgezeichnete Übersicht über den Bereich Altern, Krankheit und Behinderung. Es zeigt, wie viel Wissen, Kraft, Geduld und Können die Pflege des alten Menschen erfordert.

Letztlich ist der Umgang mit dem alten Menschen ein gesellschaftliches Thema. Die Gesellschaft zeigt die Wertschätzung durch die Bedingungen, die sie für die Alten schafft, aber auch durch die Anerkennung, die sie den Professionellen, die sich um die alten Menschen kümmern, ausspricht.

In diesem Sinne möge das Buch helfen, die Situation der alten Patienten zu verbessern, Verständnis zu wecken und eine positive Grundhaltung zu vermitteln. Ich wünsche diesem Buch eine große Leserschaft zum Wohle der uns anvertrauten Patienten.

 

Prof. Dr. Hans Peter
Meier-Baumgartner

im Juni 2018

Vorwort

Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe

 

Das Alter als eine sehr späte Phase zu definieren, die erst auf viele aktive nachberufliche Jahre folgt, ist historisch einmalig – erst die längste Friedensperiode in Deutschland, Europa und vielen außereuropäischen Ländern in Kombination mit einem außerordentlichen Zuwachs hygienischer Lebensverhältnisse und einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte der modernen Medizin konnte dazu führen, dass wir uns mit den Phänomenen der alternden Gesellschaft, deren Chancen und Risiken in einem solchen Ausmaß beschäftigen (können).

In allen vorherigen Geschichtsepochen war das Alter ein Privileg einiger Weniger (Wohlhabender), und spätestens mit Eintritt in den Ruhestand war man alt – wenn nicht aufgrund von Kriegen, Epidemien, Arbeitsbedingungen, Armutsfaktoren, Hygienemängeln etc. das Leben schon in den 20er, 30er oder 40er Jahren endete oder zumindest stark beeinträchtigt war.

Infolge der Entwicklung der letzten Jahrzehnte mit steigender Lebenserwartung, besserer Gesundheit und aktiverer Zeitgestaltung auch in höherem Alter kam es so zu einem Zweig der Medizin, der bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts noch undenkbar war: geprägt und erstmalig verwandt wurde der Begriff »Geriatrie« im Jahr 1909 durch den österreichischen Mediziner Ignatz Nascher in einem Aufsatz des New York Medical Journal.

Vor rund 50 Jahren fand die Geriatrie in Deutschland ihren ersten Praxisort:

»Erste eigenständige Einrichtungen im Sinne von ›Spezialkliniken für Altersleiden‹ existierten mit dem Ev. Krankenhaus Gesundbrunnen Hofgeismar (1967), der Henriettenstiftung Hannover (1972) oder der 1980 gegründeten Geriatrischen Klinik Albertinen-Haus in Hamburg, die mit Fördermitteln des Bundes eingerichtet werden konnte.«

(Weissbuch Geriatrie 2010, S. 16).

Bereits 1974 hatte in Hamburg das Ev. Amalie-Sieveking-Krankenhaus die »Geriatrische Klinik im Richard Remé-Haus« in Betrieb genommen.

Die »Bundesarbeitsgemeinschaft der geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen e. V.« gründete sich auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung 1993 mit zunächst 19 Mitgliedseinrichtungen, 2008 erfolgte die Umbenennung in »Bundesverband Geriatrie«, in dem 400 Mitgliedeinrichtungen zu verzeichnen sind. (Bundesverband Geriatrie, Stand: November 2018)

So entwickelte sich auch das geriatrische Wissen und die Ausdifferenzierung geradezu explosionsartig. Standen zunächst Krankheitsbilder wie Schlaganfall oder Diabetes und die zugehörige Behandlung im Vordergrund, so traten später zunehmend gerontopsychiatrische Krankheiten (die drei großen Ds – Demenz, Depression, Delir) und Tumorerkrankungen in den Fokus. In neuerer Zeit kamen Fragen der palliativen »Behandlung« und Aspekte einer umfassenden Prävention hinzu.

Diese Entwicklungen spiegelten sich in der Literatur und – mit meist kleiner Verzögerung – auch in den Programmen der Fort- und Weiterbildung wieder, so auch in den Jahresprogrammen der Albertinen-Akademie. Seit mehr als 24 Jahren – im Oktober 1994 wurde die Akademie gegründet – wenden wir uns an Therapeuten, Pflegepersonal, Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen – mithin an alle Mitglieder des geriatrischen Teams.

Zunächst eng am klinischen Alltag und dessen Krankheitsbildern orientiert, später auch Aspekte der ambulanten und stationären Altenhilfe und deren Fragen thematisierend, hat die Albertinen-Akademie in der Fort- und Weiterbildung zu geriatrischen und gerontologischen Themen ein breites Spektrum an Themen entwickelt. Die umfassendsten Erfahrungen wie auch die meisten Angebote existieren zweifellos bei den Berufsgruppen Therapie und Pflege, auf diese Zielgruppen wird sich das Buch daher konzentrieren.

Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk, und daher gilt es, Dank zu sagen für die vielen Unterstützer.

Unsere Autorinnen und Autoren sind natürlich die ersten Adressaten unseres Dankes. Ohne ihre große Bereitschaft, ein eigenes Kapitel zu schreiben, wäre dieses Buch nicht zustande gekommen. Wir bedanken uns besonders für die überaus freundliche Kommunikation, die hohe Termintreue und das große Vertrauen in unsere Redaktionsarbeit.

Prof. Dr. Hans Peter Meier-Baumgartner, langjähriger Ärztlicher Direktor im Albertinen-Haus in Hamburg und Grandseigneur der bundesdeutschen Geriatrie, danken wir für seine freundlichen Worte zum Geleit.

Friedhilde Bartels danken wir dafür, dass sie uns mit dem Grundgedanken für ein solches Buch mit dem Kohlhammer-Verlag zusammengebracht hat und in der Anfangsphase eine große Unterstützerin bei der Konzeptionierung war.

Dem Bundesverband Geriatrie danken wir für die Unterstützung bei der Aktualisierung von Daten und die Bereitschaft vieler Personen aus Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft, die eigene Expertise in einem Beitrag für dieses Buch fruchtbar werden zu lassen.

Dem Kohlhammer-Verlag insgesamt, vor allem aber unserer Lektorin Alexandra Schierock danken wir für die ausgezeichnete Betreuung, die stets schnelle und vertrauensvolle Kommunikation und die zahlreichen Anregungen.

Prof. Dr. Matthias Zündel haben wir zu verdanken, dass dieses Buch sehr viel anschaulicher wurde als zunächst angedacht: er wies uns sofort darauf hin, dass die ursprüngliche Planung mit sehr wenigen grafischen Elementen dem Bucherfolg sicher nicht zuträglich sein würde.

Miriam Yousif-Kabota danken wir für die Original-Fotos, die erheblich zur Veranschaulichung beitragen. Aufgrund des gleichberechtigten Anspruchs an fachliche Präzision, fotografische Ästhetik und lebensnahe Motivwahl war dies eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe.

Wir danken Gabi Stoltenberg aus der PR-Abteilung der Albertinen-Gruppe für das Titelfoto, das sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.  

Bei Stefanie Heldt (Therapieleitung im Ev. Amalie-Sieveking-Krankenhaus) und Silke Kinder (Absolventin der ZERCUR GERIATRIE®Fachweiterbildung Pflege) möchten wir uns besonders bedanken. Beide haben das Buch vorab zur kritischen Durchsicht erhalten und sehr wertvolle und konstruktive Hinweise zur Verbesserung des Buches gegeben.

Last not least danken wir unseren Familien, die in den vergangenen zwei Jahren von Zeit zu Zeit länger auf uns verzichten mussten, weil wir tief eintauchten in Kapitel, Anmerkungen oder eigene Texte, und die uns dennoch immer unterstützt haben, z. T. auch mit ihrer Fachexpertise.

Uns ist bewusst, dass die Diskussion um eine geschlechtergerechte Sprache keineswegs beendet ist und vieles dafürspricht, dass geschlechtsneutrale Begriffe oder je geschlechtsspezifische verwandt werden. Auch das generische Maskulinum ist schließlich ein Ausdruck für die lange Vorherrschaft von Männern. Im Buch haben wir uns dennoch entschieden, in der Regel diese Form zu verwenden, denn damit sind nach bisher vorwiegendem Konsens in Sprachwissenschaft und Gesellschaft beide Geschlechter gemeint, und so wird es unserer Erfahrung nach auch von den meisten Leserinnen und Lesern in Krankenhaus, Geriatrie und Altenhilfe verstanden. »Geriatrische Patienten« sind also sowohl Frauen als auch Männer, und wenn im Geriatrischen Team »Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten« genannt werden, bezieht sich dies auf beide Geschlechter. Der besseren Lesbarkeit dient es ohnehin.

Bei der Konzeptionierung und Redaktion dieses Buches haben wir als Herausgeber viel recherchiert und viele Quellennachweise geprüft. Neben gedruckten Standardwerken und Fachliteratur gibt es mittlerweile auch digital sehr viele seriöse Quellen und Literatur. Vieles davon steht auch als (unentgeltlicher) Download zur Verfügung!

Wir nennen an dieser Stelle nur wenige Stellen, denen wir besonders viel zu verdanken haben.

Druckwerke

Pantel J et al. (2014) Praxishandbuch Altersmedizin. Geriatrie – Gerontopsychiatrie – Gerontologie. Stuttgart: Kohlhammer

Willkomm M (2017) Praktische Geriatrie. Klinik – Diagnostik – Interdisziplinäre Therapie. Stuttgart, New York: Thieme

Downloads*

Kompetenz-Centrum Geriatrie (KC Geriatrie): zahlreiche Quellen zu Assessment, Leitlinien, Gesundheitsberichterstattung, Versorgungsstrukturen etc. Sehr viele unentgeltliche Downloads: https://kcgeriatrie.de/Seiten/default.aspx

Bundesverband Geriatrie: http://www.bv-geriatrie.de/

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2015) Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. Berlin: RKI. Unentgeltlicher Download: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesInDtld/gesundheit_in_deutschland_2015.pdf?__blob=publicationFile

OECD (2017) Bildung auf einen Blick 2017. OECD-Indikatoren. Bielefeld: Bertelsmann. Unentgeltlicher Download: https://www.bmbf.de/files/deutsch%20-%20final.pdf

Quelle

Weißbuch Geriatrie (2010). Die Versorgung geriatrischer Patienten: Strukturen und Bedarf - Status Quo und Weiterentwicklung. Hg. vom Bundesverband Geriatrie

*alle Internet-Quellen wurden erneut geprüft am 13.06.2018

Inhalt

 

 

 

  1. Geleitwort
  2. Hans Peter Meier-Baumgartner
  3. Vorwort
  4. Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe
  5. Abkürzungsverzeichnis
  6. Einleitung
  7. Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe
  8. 1 Haltung, Handwerk und Holistik – Geriatrie und die Grundfragen des Lebens
  9. Werner Vogel
  10. 1.1 Stationen der Geriatrie in Deutschland
  11. Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe
  12. 2 Mensch und Krankheit im höheren Lebensalter
  13. Michael Musolf
  14. 2.1 Menschen im höheren Lebensalter
  15. 2.1.1 Altern und Alterung
  16. 2.1.2 Alternsbilder und Alternstheorien
  17. 2.1.3 Seneszenz
  18. 2.1.4 Primäres und sekundäres Altern
  19. 2.1.5 Gebrechlichkeit und Frailty-Syndrom
  20. 2.1.6 Prävention
  21. 2.1.7 Alltagskompetenz – Selbsthilfefähigkeit – Autonomie
  22. 2.2 Krankheit im Alter
  23. 2.2.1 Akute gesundheitliche Probleme im Alter
  24. 2.2.2 Chronische Krankheiten im Alter, Multimorbidität und geriatrische Syndrome
  25. 2.2.3 Assessment in der Geriatrie
  26. 2.2.4 Klassifikationssysteme
  27. 2.3 Polypharmakotherapie
  28. 2.3.1 Einleitung
  29. 2.3.2 Pharmakokinetik
  30. 2.3.3 Pharmakodynamik
  31. 2.3.4 Polymedikation
  32. 2.3.5 Unter-/Über-/Fehlmedikation bzw. -dosierung
  33. 2.3.6 Compliance und Adhärenz
  34. 2.3.7 Resümee
  35. 2.4 Das multiprofessionelle geriatrische Team
  36. 2.4.1 Ärztlicher Dienst
  37. 2.4.2 Pflegerischer Dienst
  38. 2.4.3 Physiotherapie
  39. 2.4.4 Ergotherapie
  40. 2.4.5 Logopädie
  41. 2.4.6 Neuropsychologie
  42. 2.4.7 Soziale Arbeit
  43. 2.4.8 Seelsorge
  44. 2.5 Herausforderung in Diagnostik und Therapie
  45. 2.5.1 Drei Fallbeispiele
  46. 2.5.2 Fragenkatalog zur Herangehensweise des geriatrischen Teams
  47. 2.5.3 Lösungen zu den Fallbeispielen
  48. 3 Interdisziplinarität, therapeutisches Team und der Umgang mit den »Schnittstellen«, sowie Erläuterungen zur »Aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie« (ATP-G)
  49. Andrea Kuphal
  50. 3.1 Geriatrie – generalistisches Fachgebiet der Medizin
  51. 3.2 Interdisziplinarität und multiprofessionelles Team
  52. 3.3 Spezifika geriatrischer Arbeit
  53. 3.4 Schnittstellen
  54. 3.5 Das Konzept der Aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie (ATP-G)
  55. 4 Der geriatrische Patient
  56. 4.1 Verschiedene Versorgungsformen und ihre Besonderheiten
  57. Kristina Oheim, Anke Wittrich
  58. 4.1.1 Geriatrie im ambulanten Bereich
  59. 4.1.2 Geriatrie im stationären Bereich
  60. 4.1.3 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (§ 40 SGB V)
  61. 4.1.4 Fazit
  62. 4.2 Versorgungsformen im Sozialgesetzbuch XI: Wohnen bei vorliegender Pflegebedürftigkeit
  63. Susette Schumann
  64. 4.2.1 Die Versorgungsformen und die Wohnvorstellungen der älteren Menschen
  65. 4.2.2 Pflege in der privaten Wohnung
  66. 4.2.3 Wohnen und Pflege in Institutionen
  67. 4.2.4 Grenzen der Wohn- und Versorgungsangebote
  68. 4.2.5 Entwicklung neuer Wohnangebote
  69. 4.2.6 Lernwege
  70. 4.2.7 Fazit
  71. 5 Haltung und Bewegung: Immobilität, Instabilität und Unsicherheit im höheren Lebensalter
  72. Marianne Brune, Michaela Friedhoff
  73. 5.1 Das Bobath-Konzept als Grundlage
  74. 5.1.1 Motorische Kontrolle, motorisches Lernen
  75. 5.2 Normale Bewegung
  76. 5.2.1 Verlust von Mobilität im Alter
  77. 5.2.2 Bewegungsübergang vom Sitzen zum Stehen – ein Fallbeispiel
  78. 5.3 Fallbeispiel Herr S.
  79. 5.4 ZNS und »learned non-use«
  80. 5.4.1 Befundaufnahme: »Normale Bewegung« als Referenz
  81. 5.5 Therapeutische Interventionen
  82. 5.5.1 Was hat das Zähneputzen im Sitzen mit dem Aufstehen zu tun?
  83. 5.5.2 Negative Auswirkungen von Kompensation
  84. 5.6 Pflegerische Interventionen
  85. 5.6.1 Mobilisation – und ihre Vermeidung im Pflegealltag
  86. 5.6.2 Aspekte aktivierender Mobilisation
  87. 5.7 Die Bedeutung des Bobath-Konzepts in der klinischen Geriatrie
  88. 5.8 Fazit
  89. 6 Der orale Trakt: Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen als zentrale Einschränkung seiner besonderen Funktionsvielfalt
  90. 6.1 Ernährung – mehr als die Gabe von Nahrung und Flüssigkeit
  91. Dagmar Nielsen
  92. 6.1.1 Bedürfnisse berücksichtigen, Bedarfe sichern – die Rolle der Pflegekräfte
  93. 6.1.2 Unterstützung durch Vernetzung von Angehörigen und Professionellen
  94. 6.1.3 Fazit
  95. 6.2 Dysphagie und therapeutisches Trachealkanülenmanagement
  96. Norbert Niers
  97. 6.2.1 Einleitung: Essen und Trinken – selbstverständlich und doch einzigartig
  98. 6.2.2 Dysphagien: vielfältige Ursachen für die Beeinträchtigung des Schluckvorgangs
  99. 6.2.3 Grundlagen zum Schluckablauf
  100. 6.2.4 Schlucken im Alter: Presbyphagie
  101. 6.2.5 Diagnostik von Schluckstörungen
  102. 6.2.6 Bildgebende Diagnostik
  103. 6.2.7 Therapie von Schluckstörungen
  104. 6.2.8 Dysphagien und therapeutisches Trachealkanülenmanagement
  105. 6.3 Kognitiv bedingte Störungen von Kommunikation und Nahrungsaufnahme bei geriatrischen Patienten
  106. Maria-Dorothea Heidler
  107. 6.3.1 Einleitung
  108. 6.3.2 Kognitiv bedingte Dysphasien und Dysphagien
  109. 6.3.3 Management von kognitiv bedingten Dysphasien und Dysphagien
  110. 6.3.4 Zusammenfassung
  111. 7 Mit Scham belegt: Kontinenzverlust und Inkontinenz
  112. Uwe Papenkordt
  113. 7.1 Was bedeutet Kontinenz
  114. 7.2 Die Miktion
  115. 7.3 Inkontinenzformen
  116. 7.3.1 Funktionelle Inkontinenz
  117. 7.3.2 Inkontinenz aufgrund veränderter Speicher und Entleerungsfunktion der Harnblase
  118. 7.4 Inkontinenz in ihrer Vielfalt – eine Herausforderung für die Pflegenden
  119. 7.4.1 Einschätzung der Harninkontinenz
  120. 7.4.2 Kontinenzförderung – Möglichkeiten und Grenzen
  121. 7.4.3 Hilfsmittelversorgung
  122. 7.5 Ausblick
  123. 8 Medikamente im Alter: Polypharmazie in der Pflege
  124. Frank Hanke
  125. 8.1 Anstelle einer Einführung
  126. 8.2 Multimorbidität, Iatrogenesis und Unerwünschte Arzneimittelereignisse
  127. 8.3 Polypharmazie – Was ist das?
  128. 8.3.1 Ursachen der Polypharmazie
  129. 8.3.2 Multiiatrogenität und Konsequenzen der Polypharmazie
  130. 8.3.3 Polypharmazie, Sucht und Missbrauch von Arzneimitteln
  131. 8.4 Ursachen der Arzneimittelprobleme bei geriatrischen Patienten
  132. 8.5 Anstelle eines Ausblicks: Die Etablierung einer neuen Risikokultur oder … »Wie aus Mist ertragreicher Dünger wird«
  133. 9 Schmerz
  134. Joachim Guntau
  135. 9.1 Definition und Prinzipien
  136. 9.2 Akut/Chronisch
  137. 9.3 Schmerzformen
  138. 9.4 Schmerzerfassung
  139. 9.5 Schmerztherapie
  140. 9.6 Medikamentöse Therapie
  141. 9.7 Nichtpharmakologische Therapieoptionen
  142. 9.8 Invasive Therapie
  143. 10 Kognition und Bewusstsein
  144. 10.1 Intellektueller Abbau und Wesensveränderungen als Folge schleichender oder plötzlicher hirnorganischer Ereignisse
  145. Peter Tonn
  146. 10.1.1 Einführung
  147. 10.1.2 Überblick über kognitive Leistungen im Altersverlauf
  148. 10.1.3 Bedeutung der korrekten Einschätzung von kognitiven Defiziten
  149. 10.1.4 Ursachen von kognitiver Beeinträchtigung
  150. 10.1.5 Einfache Diagnostik der kognitiven Leistungen
  151. 10.1.6 Therapeutische Angebote
  152. 10.2 Integrative Validation nach Richard®
  153. Monika Richard
  154. 10.2.1 Einleitung
  155. 10.2.2 Die Wurzeln der Integrativen Validation nach Richard® (IVA)
  156. 10.2.3 Die IVA arbeitet mit Ressourcen
  157. 10.2.4 IVA als Handlungsansatz für eine wertschätzende und identitätsstärkende Begegnung
  158. 10.2.5 Die Methode
  159. 10.2.6 Praktische Anwendung
  160. 10.3 Ergotherapie bei Demenzerkrankungen
  161. Anne-Kathrin Blank, Gudrun Schaade, Dorothee Danke
  162. 10.3.1 Demergo – spezifische Weiterbildung für den Umgang mit Demenzerkrankten
  163. 10.3.2 Die Studienlage zum Thema »Ergotherapie und Demenz«
  164. 10.4 Gespürte Interaktion als Schlüssel zur Welt – Das Affolter-Modell®
  165. Birgit Adam-Küllsen
  166. 10.4.1 Zwei Arten des Führens
  167. 10.4.2 Nonverbale Informationen und Sprache
  168. 10.4.3 Entstehung, Verbreitung und Lernwege
  169. 10.4.4 Fazit
  170. 10.5 Musik und Musiktherapie im Umgang mit Demenzerkrankten
  171. Andras Blase
  172. 10.5.1 Intrusionen
  173. 10.5.2 Musiktherapie – konzentrationsfördernd, stimmungsaufhellend, antidepressiv wirkend, heilend
  174. 10.5.3 Musiktherapie im institutionellen Kontext – eine Zusammenfassung
  175. 10.6 Demenz im Krankenhaus
  176. Jochen Gust
  177. 11 Die Last des Lebens meistern: Umgang mit Depression und Suizidalität
  178. Reinhard Lindner
  179. 11.1 Definition
  180. 11.2 Epidemiologie
  181. 11.3 Ätiologie
  182. 11.4 Klinisches Bild
  183. 11.5 Diagnostik
  184. 11.6 Differenzialdiagnose
  185. 11.7 Suizidalität im Alter
  186. 11.8 Allgemeine Handlungsoptionen bei Depression und Suizidalität
  187. 11.9 Interaktionen bei Depression und Suizidalität
  188. 11.9.1 Konflikthaftes Miteinander
  189. 11.9.2 Das Problem kann nicht verhandelt werden
  190. 11.9.3 Kontaktvermeidung
  191. 11.10 Die langfristige Behandlung von Depression und Suizidalität
  192. 11.10.1 Medikamentöse Therapie
  193. 11.10.2 Psychotherapie
  194. 11.10.3 Besonderheiten der Behandlung der Suizidalität
  195. 11.11 Entstehung, Entwicklung und Verbreitung
  196. 11.12 Fazit
  197. 12 Nähe und Vertrauen herstellen
  198. 12.1 Kommunikation, Beziehungsarbeit, Für- und Selbstsorge
  199. Beate Stiller
  200. 12.1.1 Das kotverschmierte Thermometer
  201. 12.1.2 Eine Patientin verliert die Zuversicht
  202. 12.1.3 Zusammenfassung
  203. 12.2 Basale Stimulation® – eine Grundidee menschlicher Begegnung
  204. Marianne Pertzborn, Michael Goßen
  205. 12.2.1 Häufige Verhaltensweisen demenziell veränderter Menschen und Interventionsmöglichkeiten durch Basale Stimulation®
  206. 12.2.2 Abschließende Betrachtungen
  207. 12.2.3 Forschung, Fort- und Weiterbildung
  208. 13 Zuwendung am Ende des Lebens: Palliative Care
  209. Christel Ludewig
  210. 13.1 Geschichte und Entwicklung von Hospizarbeit und Palliative Care
  211. 13.2 Grundsätze von Hospizarbeit und Palliative Care
  212. 13.3 Palliative Geriatrie
  213. 13.3.1 Körperliche Bedürfnisse
  214. 13.3.2 Psychosoziale Bedürfnisse
  215. 13.3.3 Spirituelle Bedürfnisse
  216. 13.4 Qualifikationen in Palliative Care
  217. 13.5 Ausblick
  218. 14 Bildung und Qualifikation
  219. Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe
  220. Autorenverzeichnis
  221. Stichwortverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis3

 

 

 

 

ADL/ATL

Activities of daily living/Aktivitäten des täglichen Lebens

AGAST

Arbeitsgruppe Geriatrisches Assessment

AHB

Anschlussrehabilitation

ALS

Amyotrophe Lateralsklerose

APW

Arbeitsgemeinschaft pro Wahrnehmung

ATP-G

Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie

BAG

Bundesarbeitsgemeinschaft der geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen

BAGSO

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO)

BED

Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland

BESD

Beurteilung von Schmerzen bei Demenz

BIA

Bioelektrische Impedanz-Analyse

BIKA®

Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege

BMBF

Bundesministerium für Bildung und Forschung

BMG

Bundesministerium für Gesundheit

BMI

Body-Mass-Index

BMVBS

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

BVG

Bundesverband Geriatrie

BWR

Bewertungsrelation

CCT

Craniale Computertomographie

CERAD

Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease

CM

Case Mix

COPD

Chronic Obstructive Pulmonary Disease

DAA

Deutsche Angestellten-Akademie

DED

Deutsche Expertengruppe Dementenbetreuung

Demergo

Weiterbildung »FachergotherapeutIn Demenz nach Gudrun Schaade«

DemTect

Demenz Detection

DFA

Diakonische Fort- und Weiterbildungsakademie

DGE

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

DGG

Deutsche Gesellschaft für Geriatrie

DGGG

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie

DGGPP

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie

DGNKN

Deutsche Gesellschaft für Neurotraumatologie und klinische Neurorehabilitation

DGP

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

DGSS

Deutsche Schmerzgesellschaft (vormals Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes)

DGSv

Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching

DIMDI

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information

DKG

Deutsche Krankenhausgesellschaft

DNQP

Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

DPR

Deutscher Pflegerat

DRG

Diagnosis Related Groups

DVE

Deutscher Verband der Ergotherapeuten

EADL

Erweiterte Alltagsaktivitäten

EBM

Einheitlicher Bewertungs-Maßstab

EEG

Elektroenzephalografie

EGZB

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin

EKG

Elektrokardiogramm

FEES

Fiber-Endoscopic Evaluation of Swallowing

FIM

Functional Independence Measure

FORTA

Fit For The Aged

F. O. T. T.

Facio-Orale Trakt-Therapie

FWB

Fachweiterbildung

GBA

Gemeinsamer Bundesausschuss

G-DRG

German Diagnosis Related Groups

GDS

Geriatrische Depressionsskala

GFK

Geriatrische Frührehabilitative Komplexbehandlung

GIA

Geriatrische Institutsambulanz

GKV-SV

Spitzenverband Bund der Krankenkassen

HPG

Hospiz- und Palliativgesetz

HIBB

Hamburger Institut für berufliche Bildung

HLP

Hyperlipoproteinämie

IAD

Inkontinenz-Assoziierte Dermatitis

IADL

Instrumental Activities of Daily Living

IBITA

International Bobath Instructors Training Association

ICD

International Classification of Diseases

ICF

International Classification of Functioning, Disability and Health

ICP

Infantile Cerebralparese

ICS

Internationale Continence Society

IMHS

Intramedulläre Hüftschraube

InEK

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus

IPW

Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld

ISAR

Identifikation of Seniors at Risk

IVA

Integrative Validation nach Richard®

KDA

Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke- Stiftung

KHK

Koronare Herzkrankheit

LBFW

Landesbasisfallwert

L-Dopa

Levodopa; L-3,4-Dihydroxyphenylalanin

LKB

Leichte Kognitive Beeinträchtigung

LL.M

Master of Laws

LSVT®

Lee Silverman Voice Treatment

MBA

Master of Business Administration

MDK

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

MDS

Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen

MMSE

Mini Mental State Examination

MNA

Mini-Nutrial-Assessment

MoCA

Montreal Cognitive Assessment

MRT

Magnetresonanztomographie

MS

Multiple Sklerose

MUST

Malnutrition Universal Screening Tool

mVD

mittlere Verweildauer

NANDA

North American Nursing Diagnosis Association

NaSSA

Noradrenergic and Specific Serotonergic Antidepressant

NPZ

Neuropsychiatrisches Zentrum Hamburg-Altona

NRS

Nutrional Risk Screening

NSAR

Nicht Steroidales Antirheumatikum

OECD

Organisation for Economic Co-operation and Development

oGV

obere Grenz-Verweildauer

OPS

Operationen- und Prozedurenschlüssel

PAVK

Periphere Arterielle Verschlusskrankheit

PEMU

Pflegerische Erfassung von Mangelernährung und deren Ursachen

PIM

Potentiell Inadäquate Medikation

PISA

Programme for International Student Assessment

PKV

Verband der Privaten Krankenversicherung

QB

Querschnittsbereich

RKI

Robert Koch-Institut

RR

Riva-Rocci (Blutdruck)

RTW

Rettungswagen

SGB

Sozialgesetzbuch

SI

Sensorische Integration

SIADH

Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion

SNRI

Serotonin Noradrenalin Reuptake Inhibitor

SOK

Selektion, Optimierung und Kompensation:

SSRI

Selective Serotonin Reuptake Inhibitor

STRATIFY

Scale for Identifying Fall Risk Factors

TENS

Transkutane Elektrische Nervenstimulation

TFDD

Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung

TZA

Trizyklische Antidepressiva

UAE

Unerwünschte Arzneimittelereignisse

UE

Unerwünschte iatrogene Ereignisse

UEMS

Union Européenne des Médecins Spécialistes

uGV

untere Grenz-Verweildauer

VAK

validierende Kurzbegegnung

VeBID

Verein der Bobath InstruktorInnen (IBITA) Deutschland und Österreich

WG

Wohngemeinschaft

WHEDA

Wirksame Häusliche Ergotherapie für Demenzerkrankte und Angehörige

WHO

World Health Organization

ZNA

Zentrale Notaufnahme

ZNS

Zentrales Nervensystem

Laborwerte

AP

Alkalische Phosphatase

γ-Globulin

Gamma-Globulin

γ-GT

Gamma-Glutamyltransferase

CK

Creatin-Phosphokinase

CRP, hCRP

C-reaktives Protein

DHEA

Dehydroepiandrosteron

FSH

Follikelstimulierendes Hormon

fT3

Freies Trijodthyronin

fT4

Freies Thyroxin

Hb

Hämoglobin

IL-1, IL-6

Interleukine

LDH

Laktat-Dehydrogenase

LH

Luteinisierendes Hormon

LDL

Low Density Lipoprotein

TNFα

Tumornekrosefaktor

TPHA

Treponema-Pallidum-Hämagglutinations-Assay

TSH

Thyreoidea-stimulierendes Hormon

3     ohne Benennung der Gesellschaftsform, z. B. e.V.

Einleitung

Marion Rehm, Wolfgang Schwibbe

 

Vom Einzelkurs bis zur zertifizierten Weiterbildung: Geriatrische Fort- und Weiterbildung für Pflege und Therapie

Die Versorgung von geriatrischen Patientinnen und Patienten ist anspruchsvoll. Die tägliche Arbeit mit gebrechlichen, hochbetagten und kognitiv eingeschränkten Menschen erfordert ein hohes Maß an qualifizierter, professioneller Therapie und Pflege. Geriatrisches, fachübergreifendes Wissen, Kenntnisse über bestimmte Techniken (z. B. Bobath, Basale Stimulation®, Affolter, F. O. T. T. etc.), eine sehr gute Beobachtungsgabe, besondere Kommunikations- und Teamfähigkeit und schließlich Empathie für diese besondere Patientengruppe sind dabei unentbehrlich.

Die wesentlichen Merkmale der Geriatrie (und darin unterscheidet sich diese Fachdisziplin von vielen anderen) sind das multiprofessionelle Team und der interdisziplinäre Ansatz. Therapie und Pflege werden nicht isoliert betrachtet, sondern als 24-Stunden-Konzept verstanden, d. h. die Patienten werden in jeder Handlung aktivierend-therapeutisch behandelt (image Kap. 3).

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind die Anforderungen an die verschiedenen Berufsgruppen hoch. Geriatrische Grundkompetenzen werden in der Grund- und Erstausbildung vermittelt und in der praktischen Arbeit vertieft. Weiterführende Qualifizierungen durch Fort- und Weiterbildungen sind dabei unerlässlich und sollten, wenn der Ansatz konsequent verfolgt werden soll, berufsgruppenübergreifend, interdisziplinär und praxisnah erfolgen. Für die Umsetzung in der Praxis bedeutet dies, dass es bei einigen Fortbildungen nötig ist, mit Patienten zu arbeiten. Praktisches Arbeiten an und mit dem Patienten bedeutet – ganz praktisch – mit den Händen zu sehen, zu fühlen, wo Anspannung oder Entspannung entsteht und wo Unterstützung (oder eben auch nicht) notwendig ist. Dieser Umstand ist sicherlich eine große Besonderheit geriatrischer Qualifikation und unterscheidet das Fachgebiet bzw. die Qualifizierung in diesem Gebiet von vielen anderen Bereichen der Medizin, Pflege und Therapie.

Doch wie kann eine solche Qualifizierung konkret aussehen? Was benötigen die Berufsgruppen, um dem Klientel gerecht zu werden? Bis 2003 gab es in Hamburg lediglich für den Pflegebereich die zweijährige Weiterbildung zur/zum Fachkrankenschwester/Fachkrankenpfleger »klinische Geriatrie und Rehabilitation« mit einem Umfang von 2 200 Unterrichtseinheiten (Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales). Alle anderen Berufsgruppen hatten zu dieser Zeit nur die Möglichkeit, einzelne Konzepte zu erlernen (wie z. B. das Bobath-Konzept).

Der Bundesverband Geriatrie (BVG) hat 2005 strukturiert begonnen, Fort- und Weiterbildungen für die Berufsgruppen der Geriatrie zu konzipieren. Mit dem Basislehrgang ZERCUR GERIATRIE® (Umfang von 72 Unterrichtseinheiten) wurde ein Kurskonzept entwickelt, das berufsgruppenübergreifend geriatrisches Grundlagenwissen vermitteln soll. Seit 2006 sind bundesweit 8 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Bundesverband Geriatrie, Stand 14.06.2018) geschult worden.

Nachdem sich der Basiskurs etabliert hatte, wurde deutlich, dass es für die verschiedenen Berufsgruppen weitere und umfänglichere Bildungsangebote geben muss. Begonnen wurde mit einem Weiterbildungsangebot für Pflegekräfte: Die modular aufgebaute »ZERCUR GERIATRIE® Fachweiterbildung Pflege« mit 520 Unterrichtseinheiten. Seit 2010 wird diese Weiterbildung bundesweit angeboten. Mitte 2018 sind bereits 1 070 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschult worden (Bundesverband Geriatrie, Stand 14.06.2018).

Mit der OPS 8-550 (DIMDI) gibt es nun auch einen rechtlichen Rahmen bzw. sogar die Verpflichtung, dass Krankenhäuser Pflegekräfte mit einer geriatrischen Basisqualifikation vorweisen müssen, damit die Kliniken die Komplexpauschale abrechnen können. Damit hat die Bedeutung der Weiterbildung noch zugenommen: Aktivierend-therapeutische Pflege durch besonders geschultes Pflegepersonal ist seit 2014 für die geriatrischen Einrichtungen verpflichtend. »Mindestens eine Pflegefachkraft des geriatrischen Teams muss eine strukturierte curriculare geriatriespezifische Zusatzqualifikation im Umfang von mindestens 180 Stunden sowie eine mindestens 6-monatige Erfahrung in einer geriatrischen Einrichtung nachweisen.« (OPS 8-550).

ZERCUR GERIATRIE® Fachweiterbildung Pflege hat sich als spezifische und zertifizierte Weiterbildung ebenso etabliert wie der Basislehrgang. Daher war es naheliegend, auch für weitere Berufsgruppen eine spezifische Qualifizierung zu entwickeln.

2015 wurde begonnen, ein Konzept für die Therapeuten zu etablieren: »ZERCUR GERIATRIE® Fachweiterbildung Therapeuten«. Allen Beteiligten war es wichtig, dass es mit der neuen Weiterbildung ein interdisziplinäres, multiprofessionelles Angebot geben soll, welches die Vernetzung der Berufsgruppen in den Vordergrund stellen soll. Daher war es naheliegend, die Weiterbildung analog zur FWB Pflege zu entwickeln, um möglichst viele Gemeinsamkeiten und damit auch einen »Wiedererkennungseffekt« zu haben. Da, wo es sinnvoll erschien, sollten Module interdisziplinär und berufsgruppenübergreifend angeboten werden, also für Therapeuten und Pflegekräfte gemeinsam.

Allerdings war zunächst nicht klar, wie die Weiterbildung konkret konzipiert werden soll: Sollte es eine gemeinsame Weiterbildung für alle drei Therapeutengruppen geben? Oder sollte es eine gemeinsame Basisqualifikation geben, mit Vertiefungsbereichen für Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten? Oder sollte jede einzelne Berufsgruppe eine »eigene« Weiterbildung erhalten? Ziemlich schnell stand fest: Um das interdisziplinäre Konzept und den Vernetzungsgedanken praktisch umzusetzen, ist eine gemeinsame Weiterbildung nötig. Mit diesem gemeinsamen Verständnis wurden ein Curriculum und die Module entwickelt. Bereits im Dezember 2017 hat der BVG beschlossen, »ZERCUR GERIATRIE® Fachweiterbildung Therapeuten« als weitere zertifizierte Weiterbildung aufzunehmen. Die gemeinsame Therapeutenweiterbildung wird damit zur Qualifizierung dieser Berufsgruppen in der Geriatrie beitragen.

Zudem handelt es sich bei der praktischen Umsetzung um ein sehr modernes Konzept, denn modulare Weiterbildungen bzw. Bildungsangebote haben viele Vorteile: Die Teilnehmer können selbst entscheiden, wann und wo sie Module buchen. Zudem haben sie die Möglichkeit, die Module deutschlandweit bei lizensierten Anbietern zu besuchen. Das einheitliche Curriculum ermöglicht eine bundesweite Anerkennung. Eine stufenweise Qualifizierung ist ebenso möglich: Teilnehmer können zunächst einzelne Kurse besuchen und sich auch noch später entschließen, die gesamte Weiterbildung zu absolvieren. Auch können bereits in der Vergangenheit erfolgreich absolvierte Kurse vom Bundesverband Geriatrie anerkannt werden (wenn sie in einem bestimmten Zeitraum absolviert wurden), z. B. Wundmanagement, Weiterbildung zum Praxisanleiter etc. Somit geht keine Kursstunde verloren. Für die Unternehmen ist sicherlich der größte Vorteil, dass mehrere Mitarbeitende zwar gleichzeitig an der Weiterbildung teilnehmen können, aber durch den Besuch unterschiedlicher Module nicht alle zur selben Zeit im Betrieb fehlen.

Mit den vielfältigen Qualifizierungsangeboten ist die Geriatrie vielen Fachbereichen der Medizin einige Schritte voraus. Gemeinsame Fort- und Weiterbildungsangebote für alle Berufsgruppen fördern das Verständnis füreinander und für den Patienten und verbessern letztlich auch die Qualität in der Versorgung.

Doch was sind nun die thematischen Schwerpunkte für geriatrische Fort- und Weiterbildung? »Die großen B’s! Menschliches Leben ist Bedürfnisbefriedigung, Bewegung, Beziehung, Bewusstsein – und noch einiges mehr!« Diese noch grobe Erwägung stand am Anfang unserer Überlegungen bei der Erarbeitung dieses Buches. Wir haben uns dann entschieden, die Themen aufzuteilen entlang der großen Bereiche »Haltung und Bewegung«, »Die besondere Vielfalt des oralen Trakts« »Beziehungsarbeit und Kommunikation« und »Kognition und Bewusstsein«. Und auch die zunächst unpräzise Aussage »und noch einiges mehr« zog Themen nach sich.

Doch bevor auf die großen »B’s« im Einzelnen eingegangen wird, werden in den ersten Kapiteln des Buches die Grundlagen geriatrischen Wissens beschrieben.

Prof. Dr. Werner Vogel beschreibt im ersten Kapitel die Besonderheit der Geriatrie und veranschaulicht die Faszination dieses Faches, indem er zehn grundlegende Aspekte menschlichen Lebens beleuchtet. Die Lektüre wird so für die Leserinnen und Leser zu einer Einführung in Sinnhaftigkeit, Berufswahl und Persönlichkeitsentwicklung am Beispiel des Umgangs mit älteren Menschen. Man könnte auch sagen: zu einer Einführung in Humanitas (image Kap. 1).

Im Anschluss geben die Herausgeber einen chronologischen Überblick über wichtige Stationen der Geriatrie in Deutschland (image Kap. 1.1).

Dr. Michael Musolf stellt im umfangreichsten Kapitel das geriatrische Basiswissen umfassend dar. Grundfragen des Alterungsprozesses werden beleuchtet, die wichtigsten gesundheitlichen Probleme im Alter erörtert, und chronische Krankheiten, geriatrische Syndrome und Multimorbidität werden dargestellt. Wer nach der Lektüre sein Wissen überprüfen möchte, findet dafür alles vor: Fallbeispiele, einen dazugehörigen Fragen- und auch einen Lösungskatalog. Klassifikationssysteme, Assessments, Polypharmatherapie sowie das multiprofessionelle geriatrische Team werden ebenfalls vorgestellt (image Kap. 2).

Andrea Kuphal widmet sich in Kapitel drei dem Thema Interdisziplinarität und skizziert pragmatisch und äußerst praxisnah die Besonderheiten des therapeutischen Teams. Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie als besonderer Ansatz wird ausführlich dargestellt, die Erläuterung der Bedarfsgruppen rundet den Beitrag ab (image Kap. 3).

Anke Wittrich und Kristina Oheim geben im ersten Teil von Kapitel vier einen ausführlichen Überblick über die Versorgungsstrukturen und Versorgungsformen für geriatrische Patienten. Sie fokussieren auf die verschiedenen klinischen Versorgungsformen und deren Besonderheiten (image Kap. 4.1).

Susette Schumann stellt im zweiten Teil von Kapitel vier die Pflegegrade vor, betrachtet die Wohnmöglichkeiten bei vorliegender Pflegebedürftigkeit, zeigt die Möglichkeiten der poststationären Versorgung auf und wirft damit einen Blick über den »Tellerrand« (image Kap. 4.2).

Nachdem in den ersten vier Kapiteln Grundlagen und Grundfragen der Geriatrie beschrieben wurden, beginnt ab Kapitel fünf der zweite Teil und die Befassung mit den sogenannten großen »Bs«. Hier werden die Auffälligkeiten und Funktionsstörungen beschrieben, meist folgen dann ein (oder mehrere) in die Praxis umsetzbare(s) Therapie- und Pflegekonzept(e). Dabei soll an dieser Stelle ausdrücklich betont werden, dass es sich bei den vorgestellten Therapie- und Pflegekonzepten um eine Auswahl handelt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Vielmehr stellt sie einen Querschnitt von Konzepten dar, die – nach Auffassung der Herausgeber – in der Praxis aktuell eingesetzt und als Fortbildungen besonders nachgefragt werden.

Ein zentrales Thema bei der Behandlung geriatrischer Patienten ist der Erhalt der Mobilität. Da Gangunsicherheit und Stürze oft einhergehen mit dem Verlust der Selbständigkeit, liegt der Fokus in der Behandlung auf der Wiedererlangung von »Bewegung«. Daher widmen sich Marianne Brune und Michaela Friedhoff dem Thema Haltung und Bewegung im Kapitel fünf. Das Bobath-Konzept als das interdisziplinäre, therapeutische 24-Stunden-Behandlungskonzept der Geriatrie dient als Grundlage des Kapitels und wird zu Beginn beschrieben. In diesem Zusammenhang wird auch die Bedeutung der motorischen Kontrolle und des motorischen Lernens erläutert. Danach werden die Merkmale von normaler Bewegung und die Auswirkungen bei Verlust von Mobilität dargestellt. Anhand eines realen Fallbeispiels beschreiben die Autorinnen das Clinical Reasoning bzw. den Pflegeprozess. (image Kap. 5).

Dem »oralen Trakt« mit seinen komplexen Funktionen und den Auswirkungen von Dysfunktionen und Erkrankungen widmet sich das Kapitel sechs. Dagmar Nielsen beschreibt die Ernährung als »mehr als die Gabe von Nahrung und Flüssigkeit« und gibt einen Einblick in die Ernährungsvorgänge. Sie thematisiert die wichtigsten Arten einer Mangelernährung sowie deren Ursachen und betont, wie wichtig die professionelle Unterstützung der Patienten ist (image Kap. 6.1).

Dysphagie und Trachealkanülenmanagement – in seinem reich bebilderten Kapitel beschreibt Norbert Niers ausführlich den Schluckablauf, schildert die Ursachen einer Dysphagie und benennt deren komplexe und schwerwiegende Folgen. Die Diagnostik und Therapie von Dysphagien wird ebenso ausführlich beschrieben wie das therapeutische Trachealkanülenmanagement (image Kap. 6.2).

Kognitiv bedingte Dysphagien und Dysphasien – diese Begrifflichkeit hat Dr. Maria-Dorothea Heidler in die Diskussion eingeführt, um kognitiv bedingte Sprachverarbeitungsstörungen bzw. kognitiv bedingte Störungen der Nahrungsaufnahme zu kennzeichnen. Sie beschreibt die Auswirkungen verschiedener Funktionsstörungen und gibt einen Überblick, welche Strategien im Umgang damit erfolgversprechend sind (image Kap. 6.3).

Mit Scham belegt: Kontinenzverlust und Inkontinenz. Unter diesem Titel nähert sich Uwe Papenkordt dem Tabuthema »Inkontinenz« in Kapitel sieben. Pragmatisch und praxisnah beschreibt er die Ursachen sowie die verschiedenen Inkontinenzformen und macht Vorschläge zur Kontinenzförderung und Hilfsmittelversorgung. Abschließend fordert er einen sensiblen Umgang mit dem Thema und gleichzeitig eine höhere Aufklärungsrate (image Kap. 7).

Mit Medikamenten im Alter und Polypharmazie in der Pflege befasst sich Dr. Frank-Christian Hanke im Kapitel acht. Erkrankungen durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen gehören zu den häufigsten und kostspieligsten Krankheitskomplexen in den Industrieländern. Hanke beschreibt Ursachen und Wirkung und benennt Möglichkeiten der Abhilfe. Die von ihm begründete Weiterbildung »Zertifizierte Medikationsfachkraft« ist eine Möglichkeit dazu (image Kap. 8).

Dem komplexen Thema »Schmerzen« – Einteilung, Ursachen, Schmerzerfassung sowie medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten – widmet sich Dr. Joachim Guntau. Er macht vor allem deutlich, dass Schmerz immer subjektiv und individuell ist: Schmerz ist das, was der Patient empfindet (image Kap. 9).

Kognition und kognitive Veränderungen, dementielle Erkrankungen und Bewusstsein sind die Themen von Dr. Peter Tonn in Kapitel zehn. Er gibt einen Überblick über kognitive Leistungen im Altersverlauf und beschreibt die Ursachen kognitiver Veränderungen. Auf dieser Basis werden in den weiteren Unterkapiteln unterschiedliche Behandlungsansätze für Menschen mit kognitiven Einschränkungen vorgestellt (image Kap. 10.1).

Die Integrative Validation nach Richard (IVA) ist eine Methode für die Begleitung von Menschen mit Demenz, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Sie beruht auf der Annahme, dass das Verhalten der Betroffenen als grundsätzlich zielgerichtet, bedeutungsvoll und sinnhaft anzunehmen ist, der erkrankte Mensch dies aber nicht mehr situationsangemessen umsetzen kann (image Kap. 10.2).

Ergotherapie bei Menschen mit Demenz galt früher als (fast) unmöglich. Gudrun Schaade und ihre jungen Kolleginnen Ann-Kathrin Blank und Dorothee Danke stellen den dennoch möglichen und erfolgversprechenden Ansatz der Ergotherapie im Bereich Demenz vor: entscheidend ist der Blick auf die Körperwahrnehmung, denn »der Mensch besteht eben nicht nur aus der Kognition«. Mit der Weiterbildung »Demergo« haben die drei Autorinnen ein eigenes Modell entwickelt (image Kap. 10.3).