Kann das Leben schöner sein?

Olchi-Papa rekelte sich zufrieden und sang vor sich hin: »Alles krötig, alles fein, so soll es heut und morgen sein!«

Heute war alles friedlich auf dem olchigen Müllberg. Gerade hatte die Olchi-Familie ein krötiges Frühstück verdrückt: pappige Sägemehl-Knödel, rostiges Tischbein und knackiges Dosenblech in feinem Schlammwasser.

Jetzt ruhten sich die Olchis in ihren Hängematten aus und verdauten.

Die Hängematten waren neu. Olchi-Papa hatte sie gestern aus blauen Mülltüten gebastelt und vor der Olchi-Höhle aufgehängt.

»Beim Kröterich, das hast du gut gemacht«, lobte ihn Olchi-Oma. »Die Dinger sind wirklich bequem!«

Neben ihr lag das kleine Olchi-Baby. Olchi-Oma fütterte es mit rostigen Nägeln. Olchi-Baby hatte inzwischen ein paar kräftige Zähnchen bekommen und konnte die Nägel so leicht zerkauen, als wären es Schuhsohlen.

Olchi-Opa lag in seiner Hängematte und pupste. Eine Kröte hatte es sich auf seinem Bauch gemütlich gemacht, und seine Lieblingsratte döste auf seinem Kopf zwischen den Hörhörnern.

Olchi-Mama schaute zufrieden in die Runde und sagte: »Stinkerlinge, ich glaube, das Leben kann nicht schöner sein!«

»Doch!«, widersprach das eine Olchi-Kind und sprang aus seiner Hängematte. »Das Leben könnte noch viel schöner sein, wenn wir mal wieder etwas unternehmen würden!«

Das andere Olchi-Kind gab ihm recht.

»Ganz genau!«, rief es. »Beim schattigen Hühnerich! Immer nur herumliegen ist doch furzlangweilig. Wir wollen was erleben!«

»Muffelfurzteufel, dann erlebt doch was«, brummte Olchi-Papa und gähnte so kräftig, dass zwei Stechmücken tot in die Hängematte fielen. »Vor allem gebt ein bisschen Ruhe. Es ist nicht krötig, wenn ihr dauernd herummeckert.«

»Ja, ja, schon klar!«, brummte das eine Olchi-Kind und kickte eine leere Dose scheppernd gegen die Olchi-Höhle.

»Borstiger Bröselstampf«, sagte Olchi-Oma zu den Olchi-Kindern. »Ihr seid doch sonst immer so einfallsreich. Vielleicht holt ihr Feuerstuhl aus der Garage und fliegt ein bisschen durch die Gegend? Der Drache braucht dringend Bewegung, sonst rostet er ein.«

»Genau wie ihr!«, riefen die Olchi-Kinder. »Ihr seid auch bald eingerostet, wenn ihr immer nur herumliegt!«

»Was für ein Unsinn«, knurrte Olchi-Papa. »Ein Olchi darf herumliegen, wann er will, wo er will und so lange er will. Das ist ein uraltes Olchi-Gesetz!«

Das eine Olchi-Kind überlegte: »Wir könnten ja Professor Brausewein besuchen.«

»Krötig!«, rief das andere Olchi-Kind. »Das machen wir! Wir fliegen nach Gammelsberg!«

»Aber spätestens zum Abendessen seid ihr wieder zurück!«, meinte Olchi-Mama.

»Lasst euch ruhig Zeit …«, brummte Olchi-Papa.

Die Olchi-Kinder sausten hinüber zur Garage, um den Drachen Feuerstuhl zu wecken.

Plötzlich waren sie wieder bester Laune. So ein kleiner Besuch bei Professor Brausewein war sicher eine gute Idee. Er war ein berühmter Erfinder, und bei ihm warteten immer interessante Überraschungen auf sie.

Die Super-Tauchkapsel

Feuerstuhl hatte in seiner Garage 24 Stunden geschlafen und war nur mit Mühe wach zu kriegen. Als ihn die Olchi-Kinder starteten, bekam er kaum die Augen auf. Aber die kurze Strecke von Schmuddelfing nach Gammelsberg kannte er so gut wie keine andere. Sein Auspuff ratterte und spotzte. Ganz langsam knatterte er durch die Lüfte.

Zum Glück dauerte es nur einen kurzen Furz, und dann waren sie auch schon da. Ganz hinten auf den Abstellgleisen vom Gammelsberger Bahnhof stand ein alter Waggon. Darin hatte Professor Bruno Brausewein seine Erfinder-Werkstatt eingerichtet.

Kaum waren sie neben dem Waggon gelandet, legte sich Feuerstuhl auch schon wieder hin und machte die Augen zu.

»Du bist wirklich der allerfaulste Olchi-Drache der ganzen Welt«, sagte das eine Olchi-Kind und streichelte über seine warmen Nüstern, aus denen gelbe Schwefelwolken aufstiegen.

»Na so was, Besuch von den Olchis!«, hörten sie Brausewein rufen. »Was führt euch denn zu mir?«

Er stand draußen vor seinem Labor, war aber nicht allein. Ein Mann mit dicker Hornbrille, Schnauzbart und verstrubbelten Haaren war bei ihm und zeigte ihm gerade etwas auf einer Landkarte.

»Wir wollten nur mal sehen, was du so machst«, sagten die Olchi-Kinder und liefen zu Brausewein und seinem Besucher.

»Das ist Dr. Korbinian Kniffel«, stellte Brausewein den Mann mit dem Schnauzbart vor. »Er ist ein Kollege von mir und hat schon viele weltberühmte Sachen erfunden!«

Dr. Korbinian Kniffel lächelte und streckte den Olchi-Kindern die Hand entgegen.

»Schön, euch kennenzulernen«, sagte er. »Von euch Olchis hab ich schon viel gehört!« Er zuckte zurück, als das eine Olchi-Kind ihm die Hand gab. Sie fühlte sich an wie Tintenfisch. Außerdem verströmten diese beiden Kinder ein äußerst unangenehmes Düftchen. Wie ein Mülleimer, der vier Wochen lang nicht geleert worden war. Doch er nahm sich zusammen und begrüßte die Olchis freundlich.

Vor der Werkstatt stand Brauseweins neueste Erfindung: eine große, flache Wanne aus dunklem Metall. Sie lag auf einem fahrbaren Gestell und war so glatt poliert, dass man sich darin spiegeln konnte. Ein kleiner Globus war daran befestigt und lange Kabel, die zu einem Steuerpult führten. Die Olchi-Kinder kannten das Ding. Es war eine Wundermaschine, mit der man in alle Länder der Erde verreisen konnte und sogar in vergangene Zeiten.

Doch heute stand etwas Merkwürdiges in der Wanne. Eine große Halbkugel, oben aus Glas und unten aus Metall.

»Was hast du denn da in deiner Zeitmaschine?«, fragten die Olchi-Kinder neugierig.

»Das ist eine Tauchkapsel«, sagte Brausewein.

Sein Kollege Kniffel machte ein wichtiges Gesicht und erklärte: »Sogar eine Super-Tauchkapsel! Sie ist meine neueste Erfindung. Mit ihr möchte ich heute in die Tiefen des Pazifischen Ozeans tauchen.«

»Wieso das denn?«, fragten die Olchi-Kinder verwundert.

»Tja, mein Kollege hat Großes vor«, sagte Brausewein schmunzelnd. »Er möchte nach einem versunkenen Schiff suchen.«

Die Olchi-Kinder staunten nicht schlecht.

»Ich weiß, es klingt unglaublich«, erklärte Kniffel. »Aber ich werde heute auf dem Grund des Meeres nach einem Schatz suchen. Dort unten liegt überaus wertvolles Porzellan aus der Ming-Dynastie!«

»Ding-Dynamit?«, fragte das eine Olchi-Kind. Das klang ja spannend.

»Ming-Dynastie!«, wiederholte Kniffel lächelnd. »Das war die Zeit, in der die Familie des Kaisers Ming Taizu in China herrschte. Damals, im Jahr 1603, versank ein großes chinesisches Handelsschiff. Es war beladen mit wertvollem Porzellan.«

»Was denn für ein Furzellan?«, fragte das andere Olchi-Kind.

Kniffel verdrehte die Augen. Diese kleinen Stinkerlinge hatten ja von nichts eine Ahnung. Er versuchte zu erklären:

»Das sind Vasen, Schüsseln, Teller und Ähnliches. Das Porzellan aus dem Zeitalter der Ming-Dynastie ist unglaublich wertvoll.«

»Wirklich?«, wunderten sich die Olchi-Kinder. »Wie wertvoll ist das denn?«

Kniffel erklärte es ihnen. »Erst kürzlich wurde zum Beispiel eine kleine bemalte ›Hühnertasse‹ aus dieser Zeit versteigert. Für 36 Millionen Dollar!«

»Ist das viel?«, fragten die Olchi-Kinder, die von solchen Sachen naturgemäß keinen Schimmer hatten.

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