Details

Perikles und der Aufstieg Athens


Perikles und der Aufstieg Athens


Kaleidoskop 1. Aufl.

von: Arnulf Zitelmann

4,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 18.06.2014
ISBN/EAN: 9783593424712
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 36

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Die Städte Griechenlands standen sich auf ihrem Weg zu mehr Macht selbst im Weg. Leicht hätten sie durch ein gesamtgriechisches Bündnis ihre äußeren Feinde besiegen können. Doch vor allem Athen strebte nach der alleinigen Macht. Eine Denkweise, die uns leider auch heute nicht fremd ist…
Welche Opfer forderte Athens Gewinnstreben ein? Welche Rolle spielte Perikles? Warum kam ein Erdbeben Athen in seiner Verteidigungspolitik sehr gelegen? Arnulf Zitelmann macht sich auf, aus diesen Fragezeichen ein Ausrufezeichen zu machen. Folgen Sie ihm tief in ins Herz der griechischen Vergangenheit - und in eine erschreckend zeitlose Geschichte.
Inhalt<p>
Es kann nur einen Gewinner geben:
Athen strebt die Vorherrschaft an 7<p>
Griechenland bleibt griechisch 8<p>
Athens schöne Demokratie 10<p>
Perikles, ein musterhafter Athener 17<p>
Athen zieht die Stiefel an 22<p>
Wer Bürger Athens sein darf 29<p>
Perikles privat 31<p>
Campus Kaleidoskop 35<p>
Impressum 36<p>
<p>
Arnulf Zitelmann, geboren 1929, ist Autor zahlreicher Jugendromane und Biografien für junge Leser und wurde unter anderem mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis und dem Großen Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Er lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Darmstadt. Im Campus Verlag erschienen von ihm »Die Geschichte der Christen« (2004) und »Die Weltreligionen« (2002).
Es kann nur einen Gewinner geben: Athen strebt die Vorherrschaft an <p>
Nach dem Abzug der Perser brachte Athens Flotte die evakuierten Einwohner zurück in die Stadt. Sie lebten in dem beklommenen Gefühl, die Perser könnten wiederkommen. Mardonios hatte in Nordgriechenland Winterquartier bezogen. Er beabsichtigte, im kommenden Jahr ganz Griechenland unter die Herrschaft des Großkönigs zu bringen. Einschließlich der peloponnesischen Halbinsel mit Sparta und dessen Verbündeten. <p>
In der Zwischenzeit bot er den Athenern einen Sonderfrieden an. Er sandte den verbündeten Makedonenkönig Alexander (einer der Vorfahren von Alexander dem Großen) als Sonderbeauftragten nach Athen. Alexander sprach Griechisch und bot der Volksversammlung ein Bündnis mit Persien an. Mit verlockenden Bedingungen. Mardonios wolle den Athenern alles Böse vergeben, was sie den Persern angetan hatten, sie sollten sich selbst regieren können, ihre Tempel würden aus persischer Kasse wieder aufgebaut werden, und die Athener sollten ganz Attika behalten, sogar neues Land hinzugewinnen dürfen. "Ihr wäret ja verrückt, wenn ihr dieses Angebot ausschlagen würdet", fuhr Alexander fort. "Jetzt habt ihr die beste Gelegenheit, euch mit dem Großkönig auszusöhnen, der euch seine Hand reicht!" <p>
Zur selben Zeit hielt sich eine Gesandtschaft Spartas in der Stadt auf. "Die gerieten in große Furcht, dass sich die Athener mit den Persern einigen könnten" - auf Spartas Kosten. Die Spartaner appellierten an die Volksversammlung: "Lasst euch nicht überreden!" Und sie erinnerten daran, die Athener hätten "ganz gegen den Willen von Sparta" diesen Krieg verschuldet, "der ursprünglich nur eurem Land galt". Und dass nun mit Hilfe Athens ganz Griechenland in Knechtschaft geraten solle, sei ein unerträglicher Gedanke! <p>
Die Demokratie Athens war noch jung, sehr jung. Nicht mal ein Menschenalter war es her, dass die Volksversammlung zum ersten Mal zusammengetreten war. Und jetzt war sie mit einer Entscheidung konfrontiert, die über das Wohl und Wehe von ganz Griechenland verfügen sollte. Wie hätten sich wohl die Spartaner in einer ähnlichen Situation verhalten? Jedenfalls hätten sie erst nach Delphi geschickt, um den Rat der Pythia einzuholen. Und am Ende hätten sie womöglich beschlossen, die Interessen Spartas dem Schicksal Griechenlands überzuordnen. Nicht so die Athener. Sie fertigten Alexander, den Sonderbotschafter von Mardonios mit den Worten ab: "Solange nur ein einziger Athener noch am Leben ist, werden wir uns nicht mit Xerxes aussöhnen!" Ein großes Wort, angesichts der militärischen Übermacht, die Persien, 250 Kilometer entfernt, in Mittelgriechenland stationiert hatte. <p>
Griechenland bleibt griechisch <p>
Im folgenden Frühjahr setzte Mardonios seine Heerscharen in Bewegung. Er marschierte nach Süden, hielt geradewegs auf Athen zu. Athen rief um Hilfe. Doch die Spartaner zögerten. Statt dessen verstärkten sie ihre Verteidigungsanlagen auf dem Peloponnes. "Sie nahmen auf Athen keine Rücksicht", kommentiert Herodot. Athen schickte Eilboten auf den Peloponnes, doch die Ältesten Spartas verschoben ihre Entscheidung von einem Tag auf den anderen. "So machten sie es zehn Tage lang." Dann endlich setzten sie, noch bei Nacht, 5000 Spartiaten nordwärts in Marsch. Zu ihnen stießen die verbündeten Städte des Peloponnes. Vereint mit den Athenern rückten sie Mardonios entgegen. <p>
In der Ebene von Plataiai, 50 Kilometer nordwestlich von Athen, erwartete sie der persische Feldherr. Mardonios hatte 100 000 Mann unter Waffen, die griechischen Verbündeten stellten 40 000 Hopliten. Nach zähem, mehrtägigen Ringen trugen die Griechen den Sieg davon. Mardonios verlor sein Leben. Sein Schwert bewahrten die Athener später als Siegestrophäe in der Akropolis auf. <p>
In panischer Furcht zerstreute sich das Perserheer. Ein Teil floh nach Norden, der andere Teil verschanzte sich in dem befestigten persischen Zeltlager. "Die Verbündeten erschlugen die zu Zehntausenden Zusammengepferchten, sodass nicht einmal ein Dutzend von ihnen übrigblieb." Von den Griechen verloren über 10 000 ihr Leben. <p>
Die Beute war unermesslich. Ein Herold verkündete, niemand dürfe sich persönlich etwas davon aneignen. Man legte die Schätze auf einen Haufen zusammen: Golden und silbern ausgeschlagene Zelte, kostbar durchwirkte Teppiche, mit Gold und Silber verzierte Liegen, Goldbecher, Silberschalen, eine Unzahl von goldenen, silbernen Behältern, die goldenen Armbänder und Halsketten der Toten, ihre goldgeschmückten Waffen, Kisten voller Gold und Silber, und noch viele andere Kostbarkeiten. <p>
Die Kämpfer der Stadt Plataiai, deren Stadt Mardonios zerstört hatte, erhielten den Hauptteil der Beute zugesprochen. Damit erbauten sie den Tempel der Athene aufs Neue und verzierten ihn mit einem riesigen Schlachtgemälde. Auch die Spartaner und Athener brachten der Göttin Weihegeschenke dar, jeder für sich besonders. <p>
Für Delphi stiftete Plataiai eine vergoldete Riesenschale. Sie prangte auf einem von Schlangen umwundenen Fuß von 7 Metern Höhe vor dem Heiligtum des Delphischen Gottes. Dem Leib der Schlangen waren die Namen der 31 Städte eingraviert, die an dem Befreiungskampf der Griechen teilgenommen hatten. Ihr schlangenumwundener Fuß befindet sich heute im Hippodrom von Istanbul und ist dort im Original zu besichtigen. Der Christenkaiser Konstantin hatte die "Schlangensäule" von Delphi dorthin versetzen lassen. Die vergoldete (oder goldene) Schale selbst wurde im Mittelalter von christlichen Kreuzfahrern gestohlen. <p>
Als die Griechen nach der Schlacht von Plataiai in Delphi anfragten, wie sie Zeus, ihrem "Befreier", danken und ihn ehren könnten, gab ihnen das Orakel Bescheid, sie sollten dem Gott ein Dankopfer bringen. Doch ehe das Opferfeuer entzündet würde, müsse man im Land alle Herdfeuer löschen. Denn Hellas sei durch die Anwesenheit der Perser verunreinigt worden. Danach solle man reines Feuer aus Delphi holen, dem "gemeinsamen Herd", um damit die Opfer- und Herdfeuer Griechenlands neu zu entfachen. <p>
Mit dieser großen Geste erneuerte Delphi seinen Anspruch, das spirituelle Zentrum aller Griechen zu sein. Doch die Glanzzeiten des Orakels waren vorbei. Statt die Führung im gemeinsamen Befreiungskampf der Griechen zu übernehmen, hatte Delphi Untergangsstimmung verbreitet. Und den Kretern, aber gewiss auch anderen Städten, hatte es geraten, sich aus dem Streit der Großen herauszuhalten. Ein gesamtgriechisches Bündnis gegen Persien ist darum auch nie zustande gekommen. Gerade mal 31 der mehr als 200 Städte Griechenlands waren bereit gewesen, das Wohl von Hellas über ihre Krähwinkeleien zu stellen. Nein, Delphi war nicht hilfreich gewesen. Letztendlich lief die Politik seiner Priester darauf hinaus, Athen zu isolieren. <p>
So lässt sich auch erklären, warum Sparta seinen Bündnisverpflichtungen nur zögerlich nachkam. In Athen wurde sogar der Vorwurf laut, die Pythia "medisiere", also, das Orakel sei pro-persisch eingestellt. Das Renommee des Orakels war seit den Perserkriegen jedenfalls beschädigt. Und davon hat sich Delphi nie wieder erholt. <p>
Athens schöne Demokratie <p>
Die Siege des Mutterlands fanden ihr Echo unter den kleinasiatischen Griechen. Vor 15 Jahren hatten sie sich den Persern ergeben müssen. Nun jedoch regte sich Widerstand gegen die Besatzer: "Die Ionier brannten darauf, sich zu befreien", schreibt Diodor. Dazu aber benötigten sie die Hilfe des Mutterlandes. Denn Xerxes befand sich noch mit seinem Heer in Sardis, wenige Tagesmärsche von der Küste entfernt. <p>
Männer der Insel Samos, nördlich von Milet, sandten heimlich ein Schiff in die Ägäis, um die Festlandsgriechen zum Eingreifen zu bewegen. Mitten in der Ägäis, bei Delos, stießen die Samier auf die griechische Flotte. Sie zählte 250 Schiffe mit 5000 Mann Besatzung. Es war dieselbe Flotte, die im Jahr zuvor unter Xerxes Augen der persischen Armada die schwere Niederlage beigebracht hatte. Die Flottenkommandeure waren Leotychidas, ein Spartaner, und Xanthippos, ein Athener, die sich das Kommando teilten. <p>
Die Samier beschworen beide Strategen, Ionien anzusteuern. Dabei beriefen sie sich auf ihre gemeinsamen Götter und drängten, "die griechischen Menschen aus der Knechtschaft zu befreien". Auf ihr bloßes Erscheinen hin würden sich alle Ionier erheben und sie tatkräftig unterstützen. Die beiden Kommandeure willigten ein. Und die Samier schlossen ein feierliches Bündnis mit ihnen. <p>
Gegenüber von Samos, an der Küste von Mykale, kam es zur Schlacht. Leotychidas und Xanthippos errangen mit Hilfe der ionischen Aufständischen den Sieg gegen eine persische Übermacht. Die mit dem Leben davongekommenen Perser flüchteten nach Sardis. Xerxes aber unternahm keine Gegenmaßnahmen. Er zog über die Königsstraße ab nach Susa und legte 10 000 Kilometer zwischen sich und die rebellischen Griechen. <p>
Damit endete der persisch-griechische Krieg. Er hatte sich über ein Menschenalter hingezogen. Und danach hat nie wieder eine persische Invasion in Griechenland stattgefunden. Weder in Ionien, noch auf dem Festland. <p>
Dennoch haben die Großkönige jede sich bietende Gelegenheit wahrgenommen, sich weiter in die inneren Verhältnisse Griechenlands einzumischen. Persien finanzierte die Uneinigkeit der Griechen. Mit horrenden Geldbeträgen. Und die Griechen selbst luden die Perser, ihre Feinde von gestern, ständig dazu ein. Sie bettelten die Großkönige an, ihnen finanziell auszuhelfen, wann immer es ihnen an Mitteln fehlte, gegen andere griechische Städte aufzurüsten. <p>
Beide Siege, der von Plataiai und der von Mykale, schreibt Herodot, fanden "am gleichen Tag und im selben Monat" statt. Darin sah der Historiker so etwas wie eine "göttliche Fügung". Denn, so führt Herodot an anderer Stelle aus, "es missfiel den Göttern, dass Asien und Europa unter der Herrschaft eines einzigen Mannes stehen sollten". Alexander der Große versuchte 150 Jahre darauf das Unmögliche. Der "Philosoph in Waffen", wie ihn seine Bewunderer nannten, strebte eine Verschmelzung beider Kontinente an. Denn Alexander, schreibt Plutarch, war überzeugt, "dass er die Mission von Gott habe, als Versöhner der Welt die Menschen miteinander zu verbinden". <p>
Das klassische Griechenland beschwor jedoch wie Herodot den unüberbrückbaren Unterschied zwischen Ost und West. Der Brückenschlag über den Hellespont war den Göttern zuwider. Im Anschluss an den Sieg bei Mykale erwog man sogar allen Ernstes, die Ionier der Griechenküste Kleinasiens auf das griechische Festland zu verpflanzen. Denn, so sagte man sich, "wenn die Ionier weiterhin in Asien blieben, müssten sie in ständiger Alarmbereitschaft leben, seien doch ihre Feinde weitaus stärker als sie". So argumentierte, laut Diodor, besonders der spartanische Feldherr Leotychidas. Er schlug kurzerhand vor, "das ionische Land den Persern zu überlassen". <p>
Dem Athener Xanthippos gefiel das nicht. Er überredete die Ionier, in Asien zu bleiben. Wenn auch ganz Griechenland sie im Stich ließe, würde Athen ihnen doch immerzu helfen, versprach er. Schließlich sei Athen die Mutterstadt aller Ionier. "Und so nahmen die Athener die Städte von Samos, Chios und Lesbos und die anderen Inselbewohner in ihr Schutzbündnis auf. Und man ließ sie heilige Treueide schwören, für immer auf der Seite Athens zu bleiben." <p>
Ein paar Monate darauf schlossen sich 200 griechische Städte unter der Führerschaft Athens zum "Delischen Seebund" gegen Persien zusammen und schworen sich, "dieselben Freunde und Feinde" zu haben. Die Bundesgenossen bekräftigten ihr Bündnis, indem sie unter Eiden Eisenklumpen ins Meer versenkten. Zum Zeichen ihrer eisernen Freundschaft. Sparta und seine Verbündeten aber blieben dem "Delischen Seebund" fern. <p>
Mit der Schlacht von Mykale im Jahr 479 endet das Geschichtswerk von Herodot. Ein Historiker der ausgehenden Antike würdigt ihn mit den Worten: "Herodot, der Ionier aus Halikarnass, wurde kurz vor den Perserkriegen geboren und lebte bis zum Peloponnesischen Krieg. Er strebte eine Geschichtsschreibung an, die sich an den Tatsachen orientiert." Er ist unsere wichtigste Geschichtsquelle für diese Zeit. Zumal von der persischen Geschichte wüssten wir ohne Herodot so gut wie nichts. Denn die Archive der persischen Könige sind bei Alexanders Eroberung der Königsstädte Susa und Persepolis im Jahr 323 zum größten Teil verloren gegangen. <p>
Dem ersten Wirtschaftswunder Athens unter Peisistratos folgte ein zweites während der Perserkriege und ein dritter, noch größerer Boom nach deren Ende. Der Schiffbau hatte zu Wirtschaftswachstum geführt, jetzt mussten die verlorenen Schiffskapazitäten ersetzt werden. An Geld fehlte es nicht. <p>

Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:

Augenblicke der Geschichte - Das Mittelalter
Augenblicke der Geschichte - Das Mittelalter
von: Günther Bentele
EPUB ebook
13,99 €
Augenblicke der Geschichte - Die Neuzeit
Augenblicke der Geschichte - Die Neuzeit
von: Günther Bentele, Constanze Spengler
EPUB ebook
13,99 €
Deutsche Geschichte
Deutsche Geschichte
von: Manfred Mai, Julian Jusim
EPUB ebook
10,99 €