Für Sturmie und die dritte Schublade

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© 2021 Jost Dröge

Satz, Umschlaggestaltung, Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

Printed in Germany

ISBN: 9783753468464

Inhalt

Über den Autor und das Buch

Jost Dröge war Diplom-Sozialpädagoge, hat Sozial- und Religionspädagogik, Philosophie und neuere deutsche Literatur studiert.

Diverse Gedichte und Essays (u.a. ›Hinter dem Schrank‹, ›Die Sieben-Tage-Geschichte‹), die Romane ›Schattenblut‹, ›Steinzeiten‹ und ›Metagrom‹ (Fouqué 2004) stammen aus seiner ›Feder‹, die beiden Kriminalromane ›Tod in der Lune‹ 2009 und ›Eisbrandung‹ 2010, ›Willbrock‹ 2014, ›Der DOM‹ 2016, zuletzt ›Gowinder‹ 2019, alle bei Books on Demand veröffentlicht.

Nunmehr stellt er bei Books on Demand sein neues Buch vor: BINDA – Das Netzwerk ›Tyrannenmord‹. Das Wort Binda stammt aus dem Altgermanischen und ist das Stammwort aller indogermanen und angelsächsischen Begriffe, die für die menschlichen Verbindungen stehen. Für die familiären, die freundschaftlichen, privaten, sozialen, aber auch für die kriminellen, die korrumpierenden, die Menschen eingehen, um ein System, eine Struktur zu schaffen, um Probleme zu lösen oder zu erzeugen.

Um daraus Nutzen zu ziehen, ein wenig wie die Gemeinschaft der Jäger, um ein Mammut zu töten und sein Fleisch gerecht zu verteilen.

Das machen Terroristen, religiöse, faschistische Extremisten ebenso wie Ärzte, Journalisten, Juristen, Natur- und Tierschützer ohne Grenzen, und die vielen NGOs (Non Government Organisations) in dieser Welt.

Die Guten sorgen dafür, dass die Welt allmählich gerechter, transparenter und lebenswerter wird, die anderen sind kranke Idioten, die faschistoiden Persönlichkeiten aller Couleur vorneweg.

Aber Binda ist auch die Verbindung der Zeitachsen, das immer wieder Aufeinandertreffen der Parallelen in der Unendlichkeit.

Binda ist also wertfrei die Mutter aller Synapsen (Netzwerke), nicht nur im Gehirn.

Prolog

»Ich liebe dich sehr! Du bist meine einzige Tochter, mein einziges Kind, liebe Rabea. Ich muss dir nicht sagen, dass du einen Vater hast, einen Vater, den ich dir immer vorenthalten habe. Das wird auch so bleiben, denn er war kein Vater und ich weiß nicht, was mich da … geritten hat … ist nur eine banale Replik. Jedenfalls haben wir beide uns durchgebracht, auch ohne ihn, besser sogar. Mit ihm, glaube ich, wären wir am Leben gescheitert. Ich hätte ständig Hämatome im Gesicht, Schmerzen in der Nierengegend und im Unterleib, wo man eben jene Hämatome nicht sofort sieht. Du wärst wahrscheinlich dem Alkohol, den Drogen oder sonst was verfallen. Und dann hätte ich ihn umgebracht, vielleicht hätten wir das auch gemeinsam getan. So jedenfalls habe ich das immer gesehen.

Ich habe mich (fast) immer mit dir befasst, meine liebe Tochter, natürlich nicht immer pro-aktiv, aber auch! Du warst eine ideale Tochter für mich, nicht brav, im Gegenteil, du warst aufmüpfig bis an meine mentalen Grenzen. Aber du warst du – und hast sogar irgendwann begriffen, dass ich auch nichts anderes sein konnte als ich. Auch mit den Lovern, die ich zwischenzeitlich benötigte. Aber außer Achim, der dich und den du ins Herz geschlossen hast und leider viel zu früh verstorben ist, uns viel zu wenige Jahre liebend begleitet hat, waren die anderen nur Randfiguren.

Gut, du weißt Bescheid. Aber deshalb schreibe ich dir nicht. Auch nicht als Testament. Dass du alles erbst, was ich habe und hatte, ist ja sowieso klar, andere Erben oder Erbschleicher gibt es nicht. Dazu war unsere Linie in den letzten zwei Jahrhunderten einfach zu monofeminin. Wir haben ja niemanden anderen als uns, nachdem Achim gestorben war, an uns, jedenfalls emotional, herangelassen. Achim wollte ein Kind von mir und ich habe es ihm verweigert. Vielleicht ist er daran gestorben. Aber ich konnte neben dir kein Kind haben! Das war, glaube ich, mein größter Fehler in meinem Leben! Denn damit habe ich nicht nur Achim, sondern wahrscheinlich auch dir eine normale Familie vorenthalten.

Ich schreibe dir diese Zeilen nicht, um mich zu rechtfertigen, oder eine späte Buße zu tun, denn wir haben viele Vorgänge in unserer individuellen Wirklichkeit ganz und gar nicht im Griff, auch wenn wir das gerne glauben wollen. Persönliche Entscheidungen haben Ewigkeitswert, gute und ungute!

Kraft hat mir jedenfalls vor und nach Achim gegeben, dass wir nicht allein waren, ontologisch, also im Dasein als solchem meine ich! Zu geschwollen gewortet, ich weiß, aber treffender kann ich es nicht ausdrücken. Denn wenn ich nicht gewusst hätte, woher ich komme, hätte ich dich nicht beschützen können! Wenn ich nicht gewusst hätte, dass wir fortleben durch das, was vor uns gewesen war, hätte ich dich in keine Zukunft schicken können. Bitte denke darüber nach, was du mit deinen Kindern machen wirst! Wahrscheinlich habe ich es falsch gemacht. Ich habe dich davor beschützt, auch wenn es für mich die einzige Stärke war, die ich entwickeln konnte: Unsere Stärke, erst einmal natürlich meine, aber auch die meiner Mutter, meiner Großmutter, Ur-Großmutter, vor allem, also deiner Ur-Ur-Großmutter. Ich weiß. Das hört sich … grottig an, hättest du in der Pubertät gesagt. Ist es natürlich auch, schon allein deshalb, weil ich nun gestorben bin, während du dies liest. Es wird sich nur widersprüchlich lesen lassen, was ich dir nun offenbare, quer, vielleicht auch ein wenig neurotisch, aber das ist es nicht!

Deine Ur-Ur-Großmutter Anna hat ihren eigenen Vater getötet, das ist uns Frauen, Töchtern der von Gerikes seit Generationen bewusst, es ist unser Familiengeheimnis – und sie hat nicht nur das getan! Anna hat damals im Jahr 1921 fünf weitere, fünf Väter und eine Mutter getötet, wobei, um korrekt zu bleiben, einer dieser Väter hat sich selbst getötet, wenn auch mit ihrer Hilfe. Sie tat es nicht allein, sondern sie waren zu sechst, sie selbst und fünf ihrer Schüler und Schülerinnen in einer Schule, heute würde man sagen ›Fachschule für Alten- (und Kranken-)pflege‹, in Berlin.

Sie hatten im Jahr 1919 einen Plan entwickelt, um ihn im Jahr 1921 umzusetzen: Diese sechs Menschen mussten sterben – und alle hatten das gleiche unwiderrufliche Schicksal: Sie mussten für ihre Haltung bestraft werden! Nicht etwa für irgendetwas, was sie getan hatten, nein, ausschließlich für ihre inhumane Haltung dem Leben an sich gegenüber. So jedenfalls habe ich es für mich zusammengefasst, obwohl ich bei weitem nicht alles gelesen habe.

Wahrscheinlich, liebe Rabea, hatten sie sogar recht! Aber der Akt, diese sechs Menschen zu töten, hat den Faschismus dennoch nicht aufgehalten, wenn es ihnen denn um die Verhinderung von Faschismus gegangen war. Ich will nicht spekulieren. Du bist meine, unsere Epigonin und hast daher das Recht, nein, die Pflicht, die Wirklichkeit unserer Vorfahrinnen einschließlich meiner zur Kenntnis zu nehmen, so wie ich es eben, allerdings noch vor dem Tod meiner Mutter, auch hatte tun müssen.

Genetisch sind wir dadurch natürlich weder Mörderinnen, Racheengel noch Satanistinnen oder sonst irgendetwas – was erzähl ich dir?!! Aber wir sind eben die weiblichen Nachkommen, von weiblichen Nachkommen, von weiblichen Nachkommen usw., deren Väter nichts als Spermaamigos waren, bis auf zwei Ausnahmen: mein (dein Ur-)Ur-Urgroßvater Otto von Gerike, also der Vater von Anna, einst ein angesehener Rechtsphilosoph, und Alfons Meyerherm, also der Vater meiner Mutter Magda Meyerherm, mein Opa, dein Ur-Opa, Ehegatte von Katharina und ein Widerling.

Otto von Gerike wurde Opfer seiner eigenen Tochter, Alfons Meyerherm wurde Täter und Opfer, ebenfalls seiner eigenen Tochter.

Alfons hatte meine Mutter, also seine eigene Tochter, zwischen ihrem neunten bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr sexuell missbraucht, also in den Jahren 1936 bis 1943.

Anna hat dieses Schicksal ihrer Enkelin sehr ausführlich und beweiskräftig dokumentiert. Du findest z.B. das Tagebuch von Magda in den Unterlagen, aber auch Fotos, die Anna von Magda gemacht hat, vor, während und nach den Misshandlungen.

Bitte vergiss die Zeit nicht! Dem Nazistaat war es völlig egal, wenn ein halb- oder vierteljüdisches Mädchen von einem Arier missbraucht wurde. Denn Alfons war SS-Mann und ist Ende 1944 in Russland ›gefallen‹, nachdem er dort wahrscheinlich dutzende zwölf- bis sechzehnjährige russische Mädchen vergewaltigt hatte.

Übrigens durfte deine Oma Magda 1945 nach dem Krieg wegen der Nazivergangenheit unseres Großvaters wieder den Namen von Gerike annehmen, den Namen unseres Stammhauses seit Otto und seiner Tochter Anna: von Gerike. Deren Tochter Katharina hatte Alfons Meyerherm geheiratet und sie hatte damals auch seinen Namen annehmen müssen, den meine Mutter Magda zu Recht als Beschämung empfand.

Meinen wirklichen Vater hat Magda auch den Behörden nicht genannt, ebenso wenig wie mir. Er sei auf Heimaturlaub gewesen; sie hatte ihn als Knut kennen- und lieben gelernt, für etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Tage bei drei Fronturlauben. Dann sei er wieder eingezogen worden – und sie habe niemals wieder etwas von ihrem Knut gehört, außer dass er gefallen sei, ohne dass man seine Leiche gefunden hätte. Sie wusste nur, dass er aus Sachsen stammte. Ja, bestimmt hatte er ihr auch seinen Nachnamen genannt, das war aber in den Kriegswirren nicht wichtig. Liebe und Geborgenheit zählten, keine Formalitäten! Aber eins wusste Magda ganz genau: Meyerherm wollte sie ganz gewiss nicht weiter heißen!

Man, vor allem die amerikanische Besatzungsbehörde, gab ihr 1945 recht. Das lag z.B. auch daran, dass Anna von Gerikes Bücher über die Altenpflege durchaus in den Besatzungsstaaten bekannt waren. Es gab englische, amerikanische, französische und sogar einige russische Übersetzungen.

Ich bin Hedwig (was für ein schrecklicher Name) von Gerike und habe keine andere Identität, wie du weißt! Und das gilt natürlich auch für dich, liebe Rabea. Dass mein Großvater meine Mutter sexuell missbraucht hat, spielte bei der Namensänderung bei den Behörden überhaupt keine Rolle. Es wusste auch niemand, außer meine Großmutter Katharina, geboren im Jahr 1900, und natürlich auch meine Ur-Großmutter Anna, schließlich hat sie alles festgehalten – der Zynismus des Lebens hat kaum wirkliche Grenzen, denn wir wissen natürlich nicht, was Mutter Anna und Tochter Katharina wirklich empfunden hatten, wenn sie die Lebensperspektive vom misshandelten Kind Magda betrachteten!

Nicht ohne Grund hat Katharina im Dezember 1943 Selbstmord begangen, wie es behördlich festgestellt wurde. Vielleicht, weil ihr Mann gefallen war, dann muss sie genauso böse gewesen sein wie er. Anna war zwar der eigentliche Halt für Magda gegenüber dem gewalttätigen SS-Vater Alfons Meyerherm, aber eher nicht für ihre Tochter Katharina, denn es war offensichtlich, dass sie sich hassten.

Jedenfalls war Magda der Tradition treu geblieben und hat mir alle Dokumente weitergegeben, vor allem aus der Zeit von 1919 bis 1922, als die Ursuppe unserer Familie zu kochen begann, so wie ich es jetzt bei dir mache.

Ob unsere Vorfahrinnen danach alle Dokumente gelesen oder gar gelebt haben, weiß ich nicht. Magda jedenfalls hat den Schatz behütet, aber kein Wort davon gelesen, hat sie mir gestanden. Es geht natürlich vor allem um die Dokumente, Tagebücher, Briefe, Stellungsnahmen, Diagnosen usw. usf., die Anna von Gerike gesammelt, kommentiert und geordnet hat. Schließlich hatte sie seinerzeit fünfzehn Fachbücher der Kranken- und Altenpflege veröffentlicht, nur eines ohne männliches Synonym, was von der damaligen Presse als ›dummes Zeug‹ betitelt wurde. Die vierzehn anderen galten jedoch als Standardwerke der Alten- und Krankenfürsorge, wie es damals, zwischen 1917 und 1933 hieß, geschrieben von Professor Dr. Anton von Gerike, den es natürlich niemals gegeben hat (die Promotion und sogar auch die Dissertation hatte Anna aber tatsächlich).

Nach 1933 wurden Annas Werke nun nicht gerade zur Bücher-Verbrennung freigegeben, aber als nichtdeutsch gebrandmarkt, vor allem natürlich, weil sie (also er) Halbjüdin(e) war (die früh verstorbene Ehefrau und Mutter von Anna, dem Juden Otto von Gerike, Christina Freifrau von Degenhardt war Christin). Das hob jedoch ihr Renommee im europäischen Ausland und in den USA eher an.

Überhaupt interessierten sich die Nazis schon gar nicht für Menschen, denen sie das Attribut ›unwertes Leben‹ gaben, ebenso wie die Faschisten dieses Jahrhunderts.

Dass Anna von Gerike 1921 ihren jüdischen Vater umgebracht hatte, war natürlich niemanden bekannt. Ob sie allerdings damit bei den Nazis gepunktet hätte, bleibt eher zweifelhaft. Irgendwie hatte sie sich ganz klein gemacht. Anna ist 1943 gestorben, aber nicht in einem KZ. Und glaub’ nun nicht, dass ihr Schwiegersohn Alfons Meyerherm als SS-Mann sie davor bewahrt hat. Im Gegenteil, sie haben sich gehasst und Alfons hätte seine Schwiegermutter ganz bestimmt gern im KZ gesehen. Aber er war eben erpressbar wegen seiner sexuellen Übergriffe und musste vermuten, dass seine Frau, aber vor allem seine Tochter Magda sich ihrer Großmutter gegenüber offenbart hatte. Was auch stimmte. Die differenzierbare Wahrheit wird in den Dokumenten vergraben sein, denn ich habe nur einen Teil, vielleicht ein Drittel der vielen Tausend Seiten davon wirklich gelesen.

Anna hatte sich die letzten Lebensjahre in ein kirchliches Damenstift vergraben. Kloster Neuenwalde, einem kleinen Ort mitten im Elbe-Weser-Dreieck, also fast jenseits der Nazipropaganda- oder Konzentrationslagerwirklichkeit. Ihre Freundin, die Dekanin Elisabeth von Finteln, hatte sie bei sich im Kloster aufgenommen und vor den Nazis beschützt. Hier starb sie mit nur neunundsechig Jahren, wann genau und woran auch immer, ist leider nicht überliefert, respektive, ich habe die diesbezüglichen Dokumente übersehen. In dieser Zeit, immerhin zehn Jahre, schrieb oder veröffentlichte sie keine weiteren Fachbücher, sondern widmete sich ausschließlich des Vermächtnisses, das ich dir nun zu übergeben habe. Frau von Finteln hat das im Kloster in den letzten Kriegstagen gesichert und an Magda weitergegeben. Anna begründete ihre Fachbuchverweigerung damit, dass sie keine empirischen Bücher über die Pflege von hilfsbedürftigen Menschen schreiben könne, wenn es für sie keinen praktischen Erfahrungshintergrund mehr gab, aber dennoch eine sinnvolle Lebensaufgabe benötigte.

Wie gesagt, diese Dokumente sind sehr umfänglich, manches geht über meinen begrifflichen und historischen Horizont, muss ich zugeben, manches zitiert sie häufig aus Nietzsches Schriften, aber auch von Hegel, Kant und Freud, vor allem aber C. G. Jung – und dort fehlt mir einfach der Kontext, anders als dir, wie ich weiß.

Annas Tochter Katharina, also meine Großmutter, starb, wie gesagt, Ende 1943 dreiundvierzigjährig durch einen Suizid: Sie hatte sich die Kehle durchschnitten, und das im Beisein ihrer Tochter Magda, die zu diesem Zeitpunkt siebzehn Jahre alt war, was meine Mutter natürlich zutiefst traumatisiert hat.

Diese Geschichte kennst du ja! Magda wurde psychisch krank nach all dem, was sie erleben musste.

Als ich geboren wurde, wandelte sich ihre Lebenssicht. Ihr Leben schien wieder einen Sinn bekommen zu haben, auch wenn ich Spross eines mir unbekannten Vaters war, der fast zeitgleich, vielleicht ein paar Monate später, und auch viel jünger als mein Großvater Alfons, ›auf dem Felde‹ geblieben war, der eine in Russland, der andere in Frankreich. Magda hat mir nicht einmal berichtet, wo. Nicht seinen Namen, außer dem Synonym Knut, nichts weiter!

Sie hat mir gestanden, dass sie keinen einzigen Satz der Dokumente gelesen hat, um sich zu schützen, wie sie sagte. Aber ich glaube, sie hat gelogen. Warum, weiß ich nicht genau. Ich denke, sie hat in den Papieren irgendetwas versteckt. Es sind übrigens noch immer viele Papiere, auch wenn ich einige Dokumente in den letzten Jahren digitalisiert habe, jedenfalls das, was zu verfallen drohte. Die Papiere liegen nach wie vor im Kloster Neuenwalde; ich habe zwischendurch ein paar Aktenordner mitgenommen, sie ein wenig studiert und zurückgebracht, manche auch dort gelesen, sozusagen ein paar Tage auf Bildungsurlaub in einem Kloster.

Magda war, wie schon gesagt, psychisch ziemlich deformiert, was ja mit dieser Sozialisation auch kein Wunder ist. Ich wäre in allem gescheitert, am Missbrauch durch den Vater, am Krieg mit allem kollateralen Drum und Dran, am (materiellen und seelischen) Hunger und auch an einer Schwangerschaft in solchen Zeiten. Sie wäre mit der Kenntnis dieser Inhalte wahrscheinlich eingegangen, denn das alles hat nicht nur eine gewisse Brisanz, sondern hätte Magda ins Zentrum ihrer Seele getroffen. Es hätte sie wahrscheinlich noch früher vernichtet. Insofern hatte sie recht getan und sich nicht auch noch diese Geschichten einverleibt.

Mein Erwachsenwerden war dann ihr viertes und letztes Trauma. Denn damit fühlte sie sich nicht nur völlig allein, sondern vor allem nutzlos, ungebraucht, verbraucht, nehme ich jedenfalls an, denn ich selbst kam nicht mehr so richtig an sie heran. Ich glaube, sie hat nicht ertragen, dass ich dadurch, dass sie mir die Dokumente schon zu Lebzeiten überlassen hatte, um genau zu sein, zwei Jahre vor ihrem eigenen Freitod, nun mehr über ihr Leben wusste als sie selbst.

Tatsächlich aber hatte sie immer meinen größten Respekt! Magda schlug sich nach 1945, sie war achtzehn Jahre alt mit einem Säugling, der unter unsäglichen Bedingungen geboren wurde, durch und wartete noch immer auf ihren Knut. Er blieb im Feld, wie es so schön pathetisch hieß.

Noch vor Ende des Krieges, am 11. Januar 1945 wurde ich geboren, irgendwie im Bombenhagel.

Ich glaube, dass sie vor allem an den Misshandlungen ihres Vater Alfons Meyerherm zugrunde gegangen ist, siebenundzwanzig Jahre später. Meine Mutter, du hast sie nicht kennengelernt, war eine in sich ambivalente Frau. Nach dem Tod ihrer einzigen Liebe zu einem Mann mit drei kurzen Fronturlauben, der Knut hieß, und nicht wiederkam, ist sie nie wieder eine Beziehung zu einem Mann, und auch zu keiner Frau, eingegangen.

Anders als bei uns beiden war ihr Lebenssinn ausschließlich ihre Tochter Hedwig (warum musste sie mich nur Hedwig nennen, habe ich mich immer wieder gefragt). Ohne mich wäre Magda eingegangen. Dass ich zu ihren Lebzeiten keine Kinder haben wollte, ich war bei ihrem Tod schließlich schon siebenundzwanzig Jahre alt, hat sie mir nie verziehen und das war vielleicht der letztendlich ausschlaggebende Grund, warum auch sie nicht mehr leben wollte. Ein Enkel hätte vielleicht eine weitere Lebensaufgabe für sie bedeutet.

Tod, ja sogar Mord, vor allem aber Suizid scheint unsere demographische Entwicklung bisher geprägt zu haben. Ich wünsche dir, dass das mit dir, deinen Kindern und Enkeln nicht so weitergeht. Aber um das zu verhindern, musst du unsere Geschichte kennen. Mir hat es geholfen, auch wenn ich nicht alles weiß, nicht alles verfolgt oder gelesen habe. Es war zu viel für mein Herz und Hirn!

Aber der Prozess der letzten Jahre hat mich versöhnt: Einige der Dokumente zu scannen, sie in eine gute Qualität zu speichern (du findest Sticks und CDs), bin ich ihnen nähergekommen. Ich fühle unsere Vorfahren, nicht nur die weiblichen! Aber es ist auch Ausgrenzung zugegen, manchmal Hass, wenn du den Stammbaum unserer Meyerherm-Linie betrachtest. Oder die Linie unserer christlichen Urahnin und Gattin von Otto von Gerike; sie war eine geborene Freifrau von Degenhardt, taucht z.B. gar nicht auf, jedenfalls habe ich keinen Hinweis gefunden, abgesehen von den unbekannten Vätern, die auch im Dunkeln bleiben.

Nicht nur Magda hat meinen Vater verschwiegen, jenen Knut, schließlich auch Anna den Vater ihrer Katharina und ich den deinigen! Nur Alfons Meyerherm steht fest, einer der schlechtesten Kandidaten auf dieser Welt!

Wie gesagt, das wurde mir erst in den letzten, sagen wir fünf Jahren klar. Davor genügte es mir, dir eine Mutter und dann auch eine Freundin zu sein. Ich hoffe, du siehst es genauso!

Die Lebensgeschichte unserer Urahnin Anna von Gerike jedenfalls hat mir als solche gefallen, nein, gefallen ist der falsche Ausdruck: Sie hatte Esprit, Charisma, würde man heute vielleicht sagen, ich denke, sie war Zivilcourage in Person, denn allein die Tatsache, dass sie sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als alleinerziehende Mutter geoutet, respektive nicht den nächsten x-beliebigen Mann geheiratet hatte, nur um ihr Kind ehelich nennen zu können, zollt meinen ganz großen Respekt! Denk an die Zeit um die damalige Jahrhundertwende und daran, dass sie auch beruflich, denn die wenigsten Frauen hatten damals überhaupt einen Beruf, ihrer Zeit weit voraus war!

Dass sie ihren Vater Otto von Gerike getötet hat, ist allerdings die andere Seite ihrer Persönlichkeit. Das, was ich in den Dokumenten gelesen habe, benennt ihn als Ordnungsfanatiker, wahrscheinlich zwanghaft. Als Jude lebte Otto als Rechtswissenschaftler in schwierigen Zeiten! Dass er zu den wenigen aristokratischen Juden gehörte und seine im Kindbett verstorbene Ehefrau sogar eine Freifrau von Degenhardt war, betrachtete er selbst offenbar als Lebensversicherung.

Aber, Antisemitismus gab es schließlich nicht erst 1933, sondern viele Jahre zuvor, schleichend, aber vorhanden.

Anna hat ihn getötet und zwar am 10. Januar 1921. Nicht, weil er Jude war, denn sie selbst war ja jüdisch-christlich sozialisiert! Warum also? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt und keine Antwort gefunden.

Anna hatte ihn nicht allein getötet. Sie waren bei allen Tötungen immer zu sechst. Der Tötungsakt selbst war (fast) immer human, wenn man von human sprechen kann, und dauerte zwei bis drei Stunden. Es gab für den (oder die eine) Delinquenten fast immer eine Ansprache, die sie vortrugen, jeweils beginnend mit dem Sohn/ der Tochter. Du findest alle fünf Ansprachen in den Hinterlassenschaften. Einer der Väter hieß August Bahrlow und hatte sich selbst getötet, aber eben in direktem Kontext mit den andern Tötungsdelikten, die auch sein Sohn Maximilian Bahrlow mit zu verantworten hatte, der bei Anna von Gerike studierte. Du wirst es nachlesen!

Sie bestraften in allen sechs Fällen! Sie taten es und wurden selbst dafür nicht bestraft!

Warum? Ich weiß es nicht, auch wenn ich einige der Texte gelesen habe! Für unsere Zeit ist das vielleicht gar nicht nachvollziehbar, du wirst es selbst lesen. Vielleicht, weil das ihr Recht war, oder legitimes Unrecht, oder akzeptierte Lynchjustiz!? Wie gesagt, ich weiß nicht einmal, ob sie dafür vor Gericht standen. Vielleicht fühlten sie sich auch als moralische Instanz in unmoralischen Zeiten, die Reinkarnation des toten Gottes, die Umsetzung Friedrich Nietzsches Vermächtnis oder auch das Gegenteil. Ich habe keine Ahnung, verstehe es einfach nicht. Deine Studien der Philosophie werden hier ganz sicher hilfreich sein!

Aber wissen musst du, dass deine Ur-Ur-Großmutter Anna von Gerike mir, meiner Mutter Magda, meiner Großmutter Katharina und nun dir ein Vermächtnis hinterlassen hat, das bislang schweigend der nächsten Generation weitergegeben werden musste. Eigentlich erfordert dieses Vermächtnis proaktives Handeln. Katharina und Magda konnten es nicht – aus nachvollziehbaren Gründen. Ich habe es versucht! Aber ich war überfordert, rein intellektuell überfordert! Anna war ein Genie, sie war viel, viel mehr Philosophin als Pflegerin, Lehrerin. Ihre abstrakten Gedankengänge habe ich nicht verstanden, manches vielleicht, aber nicht das Grundlegende ihrer Existenz.

Ich war froh, als du dich für eine brotlose Berufsperspektive entschieden hast. Wie du weißt, habe ich alles gegeben, um dein Philosophie-Studium zu sichern. Du warst immer eine dankbare Tochter, auch daher liebe ich dich! Aber du warst mir auch immer intellektuell überlegen, schon als Kind. Das war nicht immer leicht für mich! Aber deine Promotion hat mich für alles entschädigt. Fast mehr als den einen oder die andere Enkelin, die du mir zu diesem Zeitpunkt, wo du dies liest und ich nicht mehr in der Welt bin, vorenthalten hast.

Wir Einzeltöchter haben unser Schicksal alle irgendwie angenommen, als Teil unseres Selbst. Gehandelt, im Sinne von Geschichte geschrieben, hat allerdings ausschließlich unsere Urahnin Anna! Wir Epigoninnen hatten im Schatten dieser Übermutter keine Chance. Anna war immer zu mächtig in unserem weiblichen Geist. Sie war (emotionale) Intelligenz, Genialität, Generativität, Emanzipation in einer Person – und sie verkörperte nicht zuletzt eben auch Schuld! Dadurch, dass sie ihren Vater getötet hat, wurde sie zur Antinarzissin – oder besser, zum einzigen weiblichen Narziss!

Vielleicht siehst du es anders. Es ist erst einmal deine Verantwortung, wie es auch meine war, die meiner Mutter, meiner Großmutter – und nun bist eben du dran. Wenn du etwas machst, mache etwas daraus, das förderliche, universelle Erkenntnisse entwickelt, keine zurückgewandten!«

Kapitel 1

1900

(Zusammenfassung der Ereignisse aus den Archiven des Klosters Neuenwalde, Block G1, Register 1, Seiten 47–433)

Das neue zwanzigste Jahrhundert war ein Mutterboden der künftigen Revolutionen, die dann erst zehn, zwanzig, dreißig Jahre später oder auch gar nicht stattfanden. Keine dieser linken und rechten Revolutionen zwischen 1917 und 1933 waren wirklich gut. Aber alle diese Revolutionen hatten eines gemeinsam: Sie beschleunigten eine Evolution, die letztendlich dazu geführt hat, dass nach 1945 sogenannte Zivilisationen entstanden, weltweit mit unterschiedlichen Attributen, die wiederum die eine oder andere weitere Revolution erforderlich machte, z.B. 1945 in Korea, 1953 in Vietnam, 1968 in Deutschland und der Tschechoslowakei, 1987 in der Sowjetunion, 1989 in Deutschland, 1992 in Jugoslawien und 2001 in den USA, auch wenn sie selten vom Volk ausgegangen waren.

Otto von Gerike war durchaus ein innovativer Revolutionär während der vorletzten Jahrhundertwende. Er war ein enger Freund von Rudolf Diesel, der den Dieselmotor erfunden hatte. Rudolf Diesel entwickelte aber auch den ›Solidarismus‹, eine Utopie, die nicht Wirklichkeit werden konnte, weil sie viel zu wenig durchdacht und keineswegs umsetzbar war, wie Otto von Gerike wusste und an langen Abenden mit ihm diskutiert hatte.

Rudolf Diesels Ideen inspirierten Otto von Gerike aber dennoch: Er erfand das Handelsrecht, an dem er bereits seit 1880 arbeitete, das als HGB (Handelsgesetzbuch) 1900 in Kraft trat und zu einem Erfolgsmodell wurde: die erste Win-win-Situation: Konsumenten und Handeltreibende bekamen Handlungssicherheit.

Zuvor konnten alle tun und lassen, was sie wollten, meist zulasten der ehrlichen Menschen auf beiden Seiten, aber es war eben eine reine Wirtschaftsanarchie. Nun tauchten Begriffe wie Behaviorismus auf, also eine Wirtschaft, die auf das Verhalten der Menschen abgestellt war (und nicht allein der Aristokratie), oder soziale Aspekte in der Arbeitswelt, ausgelöst durch die Kapitalismus-Philosophien eines Karl Marx.

Im September 1900 waren das noch keine verifizierbaren Ergebnisse. Die Revolutionen der Zeit um die Jahrhundertwende hatten weniger mit Individuen zu tun, als mehr mit Ethnien. Die Juden z.B. standen im Fokus Europas, aber auch die Armenier im Vorderen Orient, die sogenannten Zigeuner im Balkan. Homosexualität und Transsexualität gab es nicht, Schwule, Lesben und transsexuelle Menschen lebten im Verborgenen. Kinder mit uneindeutigem Geschlechtsmerkmal wurden nach der Geburt so oder so verschnitten oder gleich als Satansbrut vernichtet. Autisten, Down-Syndrom- oder Wasserkopf-Kinder wurden als lebensunwert getötet, ohne dass es einen Aufschrei in der damaligen Gesellschaft gab. Das lag vor allem daran, dass das niemandem bekannt war, außer den betroffenen Eltern, die diese Schmach, die die ausschließlich männlichen Mediziner ihnen offenbarten, natürlich nicht weitererzählten. Kindstod war zu mehr als dreißig Prozent normal – über die Ätiologie wurde nicht gesprochen und wenn, dann nur in ›Fachkreisen‹ der aristokratisch abgehalfterten Mediziner- und höheren Beamtencliquen.

Otto von Gerike gehörte als Professor der Rechtsphilosophie zu jener Spezies, während Rudolf Diesel als neureicher Gesellschafter in diesen konservativen Kreisen mehr oder weniger geduldet wurde. Die beiden hatten zwischen 1889 und 1893 Schach gespielt, ehedem an jedem Dienstag der Woche.

Wie immer hatte einmal Diesel, einmal von Gerike gewonnen. Ihre gemeinsame Geschichte war einigen gemeinsamen Studiensemestern und der Heidelberger Burschenschaften geschuldet.

Im Jahr 1900 trafen sie sich in Berlin, dort, wo Otto von Gerike eine Privatdozentur an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin innehatte. Diesel war drei- bis viermal im Jahr geschäftlich in Berlin und versäumte natürlich nicht, seinen alten Freund zu besuchen. Aus alter Tradition spielten sie nach dem Essen Schach, wieder gewann jeder einmal, um sich anschließend ausgiebig über die aktuelle politische Lage auszutauschen.

An jenem Abend im September 1900 jedoch wagte Otto von Gerike ein privates Thema, auch wenn er es politisch verklausulierte:

»Was meinen Sie, lieber Freund, ist die Demographie unserer Gesellschaft abhängig von Bastarden?«

»Was meinen Sie, Otto? Bastarde sind überall. Wir werden sie nicht los. Wir können sie nur einbinden – sie werden ihrer Nutzung entgegengehen. Schauen Sie, lieber Freund, in meinem Solidarismus, er ist noch nicht verifiziert, aber wir haben oft genug über das Prinzip philosophiert, sind die Bastarde diejenigen, die dann einen Nutzen für die Gemeinschaft bilden, wenn sie insofern der Idee folgen, dass sie wissen: Sie werden keinen Durst, keinen Hunger erleiden, sie werden hart arbeiten; dafür aber entlohnt und Zufriedenheit in ihrem Salär erleben!«

»Ja, Rudolf. Da haben Sie sicherlich recht. Aber es gibt Umstände …!?«

»Nun …?«

Otto von Gerike fiel es offensichtlich schwer, mit der Sprache rauszukommen.

»Meine Tochter hat ein Kind geboren!«, platzte es aus ihm heraus. »Einen Bastard!«

»Oh …«, entfuhr es Rudolf Diesel. Seine drei Kinder waren im Jahr 1900 zwischen siebzehn und dreiundzwanzig Jahre alt und generativ noch nicht aktiv, soweit er wusste. Dafür wusste Rudolf Diesel, dass die (einzige) Tochter seines Freundes, Anna von Gerike, bereits 26 Jahre alt, unverheiratet und so etwas wie eine Suffragette war. Als Insider der Familie von Gerike wusste Rudolf Diesel natürlich, dass Anna sich um die Alten und Kranken der Gesellschaft kümmerte – sie nannte das Sozialpflege oder so ähnlich. Diesen Begriff empfand Rudolf Diesel als eher zynisch und seinem Solidarismus entgegengestellt, sagte das aber nicht, um seinen Freund nicht zu verletzen.

»Nun«, begann er, »Anna, Ihre Tochter, ist halt eine ungewöhnliche Persönlichkeit …!«

»Aber sie ist keine Jungfrau Maria!«, Otto von Gerike war nun sehr aufgebracht, so wie Rudolf Diesel diesen beherrschten Rechtsphilosophen bislang noch nicht erlebt hatte. »Sie hat nicht einmal einen Jesus zur Welt gebracht, sondern eine Tochter, eine Katharina, wie sie es mir mitteilte, eine Katharina, so wie Katharina die Große im großrussischen Reich! Was bildet sich diese Göre nur ein?!«

Rudolf Diesel konnte die Emotionen seines Freundes gut nachvollziehen. Würde eine seiner zwei Töchter ohne gutsituierte Verbindung schwanger werden, würde er sie verstoßen (müssen). Allerdings, gestand er sich heimlich ein, würde sein Sohn einen unehelichen Bastard vorzeigen, wäre er dennoch gern Großvater, denn sein generatives Bedürfnis wurde schon übermächtig, vor allem, weil seine Ehegattin nicht mehr ehedienstbereit war.

»Hätte man nicht …?«, fragte er sanft, aber das brachte Otto von Gerike erst richtig auf die Palme.

»Ja, lieber Freund, man hätte. Es gibt da ja die eine oder andere Kur, um zu verhindern, was nicht sein darf. Aber meine Tochter, ich weiß gar nicht, ob ich sie noch so nennen kann, hat sich verschnürt, viele Wochen und Monate. Ich jedenfalls habe nichts bemerkt. Und dass meine geliebte Gattin Christina mich jenseitig durch das Herzasthma verlassen hat, kurz bevor Anna das siebzehnte Jahr erreicht hatte, wissen Sie ja. Sie jedenfalls hätte uns vor der Scham bewahrt, die uns nun bevorsteht!«

»Und nun …?«, fragte Rudolf Diesel vorsichtig, denn ihm waren die naturgegebenen, aristokratischen Hierarchien, auch unter Freunden, durchaus bewusst.

»Und nun, fragen Sie?« Otto von Gerike sackte in sich zusammen. »Ich hatte gehofft, dass Sie eine Antwort kennen. Mit Ihrer Überzeugungskraft müssten Sie doch auch dieses Problem lösen können?! Einen Dieselmotor, der die Menschheit von den Bastarden befreit!«

»Wir werden einen Weg finden, lieber Freund! Es gibt in unserer Welt so viele Menschen, die so funktionieren, wie wir wollen. Sie wissen, dass mein Motor viel Anerkennung gefunden hat. Wir werden nun in die Produktion gehen und versuchen, dem Herrn Ford mit dem Modell-T in Amerika einen Gegenpol zu schaffen. Jetzt habe ich bald die Kapitale, um meinen Solidarismus demographisch umzusetzen. Vielleicht kann ich Ihre Tochter und den Bastard dahin mitnehmen, sie überzeugen vom Guten?! So eine Art ›Gut Heil‹-Stiftung für gestrandete Damen, die ja ihre Tochter Anna ohne Zweifel ist!«

Otto von Gerike hatte dem Idealisten natürlich nicht geglaubt, ja, er hatte in seinen Gedanken beschlossen, ihn nie wieder im Schach gewinnen zu lassen. Da sie sich aber nur zwei-, dreimal im Jahr sahen, war es vielleicht unwesentlich.

Otto von Gerike war voller Hass. Immer war sein Bestreben, dem Volke zu dienen. Dem Volke, das sich anständig in seinen Schranken bewegte. ›Jedem das Seine‹ war immer sein Motto gewesen und dass seine Tochter ihn auslachte, wenn er das sagte, verletzte ihn zutiefst, auch wenn er natürlich keinerlei Gefühlsregungen ihr gegenüber zuließ. Gefühle waren etwas für Frauen und schwache Menschen, nichts für respektable Verantwortungsträger wie er.

Dass er seine Autorität seiner Tochter gegenüber nicht umsetzen konnte, war ganz sicher verursacht durch die nachsichtige Erziehung seiner Frau Christina, als sie noch lebte. Zu der Zeit war er in seiner Arbeit als Professor und Privatdozent der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin so eingespannt, dass er seine Tochter quasi nur zu Geburts- und Feiertagen überhaupt zu Gesicht bekam.

Als Christina dann starb, hatte er eine Gouvernante eingestellt, die sich um seine Tochter zu kümmern hatte. Die erste, die zweite, die dritte hatte er wegen Unfähigkeit kündigen müssen, die vierte und fünfte gaben von sich aus auf. Anna war nicht zu maßregeln.

Otto von Gerike war immer wieder kurz davor, sich selbst, vor allem mit der Phantasie der körperlichen Züchtigung, einzumischen, aber Erziehung schickte sich schließlich nicht für einen anerkannten Professor mit hohem Renommee.

1900 war Anna schließlich sechsundzwanzig Jahre alt und seit dem 1. Januar galt das ›Bürgerliche Gesetzbuch‹ in Deutschland, das Kinder für volljährig erklärte, wenn sie das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet hatten. Alle Gouvernanten hatten bis dahin versagt, denn Anna begann mit nämlicher Volljährigkeit an der heutigen Humboldt-Universität (damals Friedrich-Wilhelm-Universität) Berlin zu studieren, die der Vater selbst als sein ureigenes Territorium betrachtete. Dass es schon vor Anna die eine oder andere weibliche Studentin gab, war Otto von Gerike ein Dorn im Auge, aber er hatte das auch in der Kanzlei- und Rektoratsversammlung der Universität nicht verhindern können. Wie gesagt, 1900 war ein Nährboden für Revolutionen.

Otto von Gerike hatte natürlich sofort festgelegt, dass seiner Tochter Anna jegliches Salär gestrichen wurde, als sie sich für Philosophie und Medizin inskribiert hatte. Da hatte er aber ein schlechtes Geschäft vorangetrieben. Seine Tochter machte ihm den Garaus: Sie würde sich vor das Portal der Universität mit einer Büchse und einem Schild setzen, worauf zu lesen war: Verarmte Tochter des Herrn Professors der Rechtswissenschaften Otto von Gerike bittet um eine milde Gabe zur Finanzierung ihres Studiums.

Hätte sie es getan, woran der Vater keine Sekunde zweifelte, wäre seine Reputation ein für alle Mal dahin.

Also gab er sich seinem Schicksal hin. Das wirklich Schlimme an diesen Vorgängen war eben jenes ›Bürgerliche Gesetzbuch‹. Otto von Gerike war vor allem Wirtschaftsrechtler – der Begriff Sozialrecht war ihm immer ein Widerspruch in sich selbst. Seiner Auffassung nach würde das Leben vor allem im Kreislauf von Nahrung und das eine oder andere Genussmittel (für die höheren Milieus Zigarren, Weinbrand, Trüffeln, für die niederen Bier, Schnaps und Kartoffeln) für Zufriedenheit sorgen. Und dafür müsse man Gesetze machen, die es so ermöglichten, dass jedem das Seine zugesprochen werden konnte. Zu denen Deklassierte, wie Zigeuner, Neger oder Muselmanen, jedenfalls nicht gehörten, also zu diesen Zufriedenheitszyklen, denn diese verursachten nur Zwistigkeit und Streit. Dass er selbst als aristokratischer (und nicht praktizierender) Jude zunehmend im wilhelminischen Deutschland genauso kategorisiert wurde, ignorierte er geflissentlich. Und natürlich lagen ihm die neuen technischen Möglichkeiten am Herzen:

Dampfmaschinen, die diese Nahrungsmittel auf Schienen zügig von A nach B transportierten, Maschinen, die sogar selbst Maschinen produzierten, um z.B. Bekleidung, Werkzeuge, Haushalts- und Gartengeräte oder Schiffe, ja sogar Unterseeboote, bald sogar Flugmaschinen herstellen würden. Sein Freund Rudolf Diesel war das beste Beispiel: Seine Erfindung eines Motors hatte der Gesellschaft nicht nur ein Fortbewegungsprojekt geschaffen, sondern auch vielen, vielen Menschen redliche Arbeit! Diesen ›Solidarismus‹ seines Freundes tat er als kleine Spinnerei ab. Er blieb ihm gegenüber dennoch immer konziliant, auch wenn dieser hin und wieder seine Tochter Anna doch zu sehr in Schutz nahm. Aber das tat er natürlich aus Respekt vor dem Professor und war daher tolerabel.

Seine Tochter hingegen immatrikulierte u.a. in eben jener sozialmedizinischen Wissenschaft mit Nebenfach Pathologie des Menschen und legte das Bürgerliche Gesetzbuch derart großzügig aus, dass sie daraus eine eigene Fakultät erwirken wollte: Die Pflege von Menschen, die nicht mehr allein im Familienkreis betreut werden konnten, eine ›medizinische Pflegefakultät‹.

Da hatte sie natürlich nicht mit den Möglichkeiten ihres Vaters gerechnet. Auch wenn im Jahr 1903 seine Tochter eine Summacum-laude-Promotion in Pathologie abgelegt hatte, verhinderte er die Einrichtung eines entsprechenden Fachgebietes. Schließlich gehörte er selbst zur Magnifizenz und pflegte privaten Kontakt mit dem Dekan, auch wenn sie nicht gerade befreundet waren – jener war kein Freimaurer wie er. Otto von Gerike gehörte der Großloge ›Urania zur Unsterblichkeit‹ an, und obwohl selbst als Jude geboren, teilte er rückhaltlos auch deren rassehygienische Prämissen, denn um die Jahrhundertwende gab es noch ›gute‹ Juden, nämlich ab ein bestimmtes Renommee z.B. von einer adligen Abstammung her, als Beamter oder Wissenschaftler, und schlechte Juden, vor allem diejenigen, die das Bank- und Wechselgeschäft beherrschten.

Dass seine Tochter Anna achtzehn Jahre später dann ein solches, außerakademisches Seminar für Kranken- und Altenpflegekräfte gründete – und er selbst sogar mitfinanzieren musste (Anna hatte diverse Erpressungsszenarien für ihren Vater parat), schürte den Hass gegen seine Tochter ins Unermessliche.

Aber nun, als sie ihm eine Enkelin präsentierte, eine Katharina, die er nicht haben wollte, versank er in rat- und rastlose Lethargie.

»Lieber Freund«, holte ihn Rudolf Diesel wieder aus den Grübeleien. »Ihre Tochter Anna ist doch agile Aktivistin. Vielleicht sollten Sie ihr die Last der Betreuung ihrer Tochter hin und wieder abnehmen …«

»Sind Sie verrückt? …« Im gleichen Moment bemerkte er seine Unpässlichkeit. »Entschuldigung, lieber Freund, aber das ist doch …, wie soll ich sagen, widersinnig. Ich bin doch keine Gouvernante!«

»Nein, sicherlich nicht …« Rudolf Diesel lächelte. »Auch ich entschuldige mich, lieber Otto. Vielleicht habe ich Sie etwas überrumpelt. Ich meine aber, dass Erziehung doch etwas Wichtigeres ist, als Sie anzunehmen scheinen – und ganz bestimmt nicht allein in den Händen von Gouvernanten oder gar, wie man neuerdings sagt, Sozialpädagogen sein sollte! Erziehung ist die Hinführung eines Kindes in die Gesellschaft, die es verdient! Auch wir sind schließlich entsprechend geschult worden – und anders als Ihre Tochter hatten wir offenbar befähigtere Gouvernanten und Lehrer als sie. Andernfalls wären wir nicht das, was wir sind!«

»Ja nun, bester Rudolf«, schmunzelte nun auch Otto von Gerike. »Und ich soll nun, sagen wir einmal, wenn denn nicht Gouvernante, dann eben Lehrer werden?«

»Ganz genau! Denn wären Sie der Lehrer Ihrer Tochter gewesen, müssten Sie heute diese Schmach nicht erleben!«

Nachdem er seinen Freund durch den Korridor zur Droschke brachte (die Dieselfahrzeuge des Erfinders gab es in Berlin noch nicht), war er ihm durchaus dankbar. So sehr, dass er sich verpflichtete, ihn auch beim nächsten Treffen im Schachspiel einmal gewinnen zu lassen.

Selbstredend hatte Otto von Gerike nicht vor, Lehrer seiner Enkelin zu werden, aber Rudolf Diesel hatte in ihm eine Idee gepflanzt, die eher mit seiner Tochter zu tun hatte, als mit diesem Bastard Katharina. Denn Anna war durchaus nicht unangreifbar – und Otto von Gerike wusste, wie er seine Tochter wenn auch nicht bändigen, aber zutiefst treffen konnte.

Kapitel 2

2018 – Rabea von Gerike

Da hatte ich den Salat!

Tja, was sollte ich damit nun anfangen, fragte ich mich. Meiner Trauer half es erst einmal nicht und ich verweigerte mich weiterzulesen, schließlich lagen einige tausend, dreißig-, vielleicht vierzigtausend Seiten, wie ich nach der ersten Durchsicht der Kiste voller Aktenordner und zwölf CDs und vier USB-Sticks schätzte, vor mir – viele sogar handschriftlich, Sütterlin, einige mit altertümlichen Schreibmaschinen geschrieben, immerhin ein Drittel von meiner Mutter in den letzten Jahren digitalisiert. Sie war Frührentnerin und hatte Zeit, wenn auch mit Schmerzen einer fortschreitenden multiplen Sklerose. Kein Wunder, dass Hedwig nicht alles gelesen hatte.

Ich wusste natürlich, was meine Mutter mit den Generationen meinte. Sie hat es mir viel zu häufig, mit einem machohaft-femininen Stolz erzählt: Ich bin ihre uneheliche Tochter Rabea von Gerike, geboren 1980, jetzt, 2018 achtunddreißig Jahre alt. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Ein wenig, aber wirklich, jedenfalls für die heutige Zeit, nur ein wenig ungewöhnlich ist unser Genogramm. Eine (fast uneheliche) Einzeltochter folgt der anderen, was natürlich biologisch so nicht zu funktionieren scheint, rein generativ:

Meine Mutter Hedwig wurde 1945 geboren, ihre Mutter hieß Magda Meyerherm. Magda war achtzehn Jahre alt (geb.: 24. April 1927) als Hedwig geboren wurde, die von ihrem Geliebten gezeugt wurde, der im Jahre 1944 drei Fronturlaube vom Frankreichfeldzug offensichtlich dazu genutzt hatte, Hedwig zu zeugen. Magda hatte den Nachnamen jenes Knut nicht nur nicht überliefert, sondern die Nachkriegssituation benutzt, um den Namen ihrer Großmutter anzunehmen: von Gerike. Meine Mutter Hedwig vermutete immer, dass der Vater von Magda, also mein Ur-Großvater Alfons Meyerherm, nicht nur ein ziemliches Nazischwein gewesen sei, sondern seine Tochter auch sexuell missbraucht hatte. Dessen Frau und Mutter von Magda war Katharina von Gerike/Meyerherm (geb.: 13. September 1900) – auch sie hatte kein gutes Renommee bei ihrer Tochter, wahrscheinlich, weil sie die sexuellen und gewalttätigen Eskapaden ihres Mannes gegenüber ihrer Tochter (und wem sonst noch?) geduldet und gedeckt hatte.

Es lag daher nahe, den Namen meiner Ur-Ur-Großmutter anzunehmen, denn diese war nicht nur eine Koryphäe der Frauenbewegung, sondern die (wahrscheinlich) erste Frau, die selbstbewusst alleinerziehende Mutter war, ohne den Namen des Vaters von Katharina jemals preisgegeben zu haben. Das lag natürlich auch daran, dass sie nicht nur Begründerin einer Pflege- und Hilfseinrichtung war, sondern auch diverse Fachbücher schrieb, jedenfalls bevor das Naziregime alles zunichtemachte, die die heutigen Mindeststandards der Kranken- und Altenpflege begründen.

Anna von Gerike, meine Ur-Ur-Großmutter, Tochter des Rechtsphilosophen Otto von Gerike, soll nun also, durch das Vermächtnis meiner Mutter, Hedwig von Gerike, eine Mörderin sein. Keine Massenmörderin, wie die Nazis, aber eine Serienmörderin, wie mir meine Mutter posthum mitteilte, warum auch immer.

Um wirklich dahinterzukommen, musste ich nicht nur den Brief, das Vermächtnis meiner Mutter, zu Ende lesen, sondern auch alle anderen Dokumente.

Wollte ich das?

Jedenfalls gab es keine Tochter, der ich das Vermächtnis zur Endlesung vorlegen konnte. Eine Tochter zu zeugen, um die Verantwortung dieser Lesung weiterzureichen, war auch nicht die wirkliche Lösung. Obwohl nicht von sich zu weisen, wenn man den geeigneten Partner dazu parat hatte. Den ich nicht hatte, nicht mehr. Aber vielleicht hatte ich ihn auch niemals. Die Männer, die mir geboten waren, waren nur die der Wirklichkeit, meiner einen und eigenen Wirklichkeit. Sie kamen, ein ums andere Mal, und sie gingen, ein ums andere Mal.

Den Mann, den ich gern, vielleicht geliebt, mit ihm eine Tochter gehabt hätte, habe ich sechsmal gesehen. Aber immerhin sechs Mal. Warum, weiß ich nicht. Nur einmal habe ich mit ihm gesprochen, kurz, sehr kurz. Ich habe ›Hallo‹ gesagt, er ebenso – und das wirklich Blöde daran war, dass ich nicht allein war. Ich hatte einen Mann dabei, der mir nichts bedeutete. Und dann kam er, ebenfalls mit einer Frau (die ihm hoffentlich auch nichts bedeutete, aber das ist Wunschdenken) – und wir sagten ›Hallo‹, als würden wir uns seit Jahren kennen. Eigentlich war das auch der Fall, denn die fünf anderen Begegnungen fanden in vier Jahren statt. Ich wusste, wo er wohnte, zufällig. Eine der sechs Begegnungen fand statt, als ich eine kleine Straße entlangschlenderte (ich war auf dem Weg zum Wochenmarkt), als er auf einem Balkon im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses auftauchte. Er goss seinen Blumenkasten, in dem sich eher Kräuter als Blumen befanden. Er sah mich und lächelte mir zu. Das waren große Worte!

Aber ich Idiotin antwortete nicht. Ich war einfach überrascht. Er hatte mich überrumpelt. Ich ging weiter, lächelte keineswegs, sondern dachte darüber nach, wie ich dieses Lächeln für immer einfangen könnte. Ich tat es. Und dann traf ich ihn in vier Jahren immer wieder; na ja, immer ist natürlich übertrieben, auch nach dem sechsten Mal.

Jedenfalls war dieser Mann der einzige, dem ich jemals nachtrauerte. Alle anderen Männer, die mir begegnet, die in mich eingedrungen waren, hatten nichts hinterlassen als nur ein banales Eindringen. Gut, gut! Hatte auch mal Spaß gemacht, hatte auch mit Lust zu tun, aber meist dachte ich an den Sechsmalmann, der den erotischen Kick beförderte. Alles andere war nur Sex.

Noch immer würde ich ihn treffen wollen. Hab’ hin und wieder von ihm in den Lokalzeitungen gelesen. Er ist kein großer Politiker, kein Wirtschaftsboss oder so, nein, er taucht nur am Rande auf. Mal hier, mal dort. Meist bei kulturellen Veranstaltungen oder sozialen Projekten, nicht als Mäzen oder Künstler, sondern eher als Macher im Hintergrund. Ein bisschen graue Eminenz. Aber das ist er schließlich ja auch bei mir. Ich glaube nicht, dass er sich an mich erinnert, oder ich irgendwie für ihn gegenwärtig bin oder war. Aber doch, in meinen Träumen, auch Tagträumen ist er real – so real, dass ich mir sicher bin, dass auch ich für ihn real bin. Wir finden nur einfach nicht zueinander. Jedenfalls bisher nicht.

Aber ich schweife ab, jedenfalls ein wenig, denn es geht um die Tochter, die ich nicht habe. Eine Tochter, die ich nur von ihm haben würde wollen. ›Haben würde wollen‹ – ›Wollen würde haben‹!?