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Mein Leben mit Daniil Charms


Mein Leben mit Daniil Charms

Aus Gesprächen zusammengestellt von Vladimir Glozer
1. Auflage

von: Marina Durnowo, Vladimir Glozer

14,99 €

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: EPUB
Veröffentl.: 05.10.2010
ISBN/EAN: 9783462302097
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 176

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Vom turbulenten Leben der russischen Bohème.
Im St. Petersburg der 1930 er studierte sie Französisch und schnupfte Kokain. Daniil Charms hatte sie erst kurz zuvor kennengelernt: »Und plötzlich machte er mir einen Heiratsantrag. Da bin ich über Nacht bei ihm geblieben.« Die Erinnerungen von Marina Durnowo, geb. Malitsch, sind der letzte Augenzeugenbericht über die produktivsten Jahre von Daniil Charms. Vor dem Hintergrund des Stalinismus und den Wirren des Krieges spannt sich dieser turbulente Bericht einer tragisch endenden Ehe voller aberwitziger Details.
Auf nicht einmal 15 qm lebte das junge Ehepaar, auf einem Flur mit Charms’ asketischem Vater, der wegen seines Anschlags auf den Zaren dereinst beinahe exekutiert worden war. Ein stetiger Strom von Besuchern zog zu jeder Tages- und Nachtzeit durch das kleine Zimmer. Dort »vergötterte man Daniil. Weil er alle zum Lachen brachte.« Nachts sprang Charms auf, um den Kamin rosa zu malen, oder er überredete Marina zu einer imaginären Rattenjagd. Es wurde gefeiert, getrauert, gehungert, geliebt und gelacht. Oft genug hing der Haussegen schief: Charms war ein großer Frauenheld und hatte unzählige Affären – auch eine mit der Schwester seiner Ehefrau … Er wurde unvermittelt verhaftet, Freunde paukten ihn raus. Dann kam der Krieg, die Belagerung St. Petersburgs (Leningrad), und er wurde wieder verhaftet. Marina versuchte, ihn zu kontaktieren und zu besuchen – schließlich kam die Nachricht von seinem Tod. Vor Hunger entkräftet und von ihrer Heimat bitter enttäuscht, gehörte Marina Malitsch zu den Letzten, die aus Leningrad evakuiert wurden. Es begann eine Odyssee. Von den Nationalsozialisten wurde sie als Zwangsarbeiterin nach Deutschland deportiert und floh nach Frankreich. In Nizza traf sie zum ersten Mal seit ihrer Kindheit ihre Mutter. Und verliebte sich prompt in ihren Stiefvater.
Die Erinnerungen Marina Durnowos spiegeln unsentimental, authentisch und packend die ungeheure Lebenslust und -kunst der russischen Avantgarde in einer Zeit bitterster Armut und schlimmster staatlicher Repressionen – sowie das bewegte Leben einer außergewöhnlichen Frau.

Marina Durnowo

Marina Durnowo, geb. Malitsch, (1909-2002) war Daniil Charms’ zweite Ehefrau. Sie wuchs bei ihrer Tante in St. Petersburg auf und studierte Französisch. 1934 heiratete sie Daniil Charms. Nach seinem Tod 1942 irrte sie durch das vom Krieg zerrüttete Europa, kam als Zwangsarbeiterin nach Potsdam und floh nach Paris. In Frankreich traf sie zum erstenmal seit ihre Kindheit ihre Mutter und brannte mit ihrem Stiefvater durch. Schließlich wanderte sie nach Venezuela aus, wo Vladimir Glozer sie 1996 besuchte.

Andreas Tretner

Andreas Tretner, geboren 1959 in Gera, Übersetzer aus dem Russischen, Tschechischen und Bulgarischen, u.a. von Viktor Pelewin, Vladimir Sorokin, Boris Akunin, Josef Škvorecký und Jáchym Topol. Ausgezeichnet mit dem Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds e.V. (2001) und dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt (2011).
Vom turbulenten Leben der russischen Bohème.
Im St. Petersburg der 1930 er studierte sie Französisch und schnupfte Kokain. Daniil Charms hatte sie erst kurz zuvor kennengelernt: »Und plötzlich machte er mir einen Heiratsantrag. Da bin ich über Nacht bei ihm geblieben.« Die Erinnerungen von Marina Durnowo, geb. Malitsch, sind der letzte Augenzeugenbericht über die produktivsten Jahre von Daniil Charms. Vor dem Hintergrund des Stalinismus und den Wirren des Krieges spannt sich dieser turbulente Bericht einer tragisch endenden Ehe voller aberwitziger Details.
Auf nicht einmal 15 qm lebte das junge Ehepaar, auf einem Flur mit Charms’ asketischem Vater, der wegen seines Anschlags auf den Zaren dereinst beinahe exekutiert worden war. Ein stetiger Strom von Besuchern zog zu jeder Tages- und Nachtzeit durch das kleine Zimmer. Dort »vergötterte man Daniil. Weil er alle zum Lachen brachte.« Nachts sprang Charms auf, um den Kamin rosa zu malen, oder er überredete Marina zu einer imaginären Rattenjagd. Es wurde gefeiert, getrauert, gehungert, geliebt und gelacht. Oft genug hing der Haussegen schief: Charms war ein großer Frauenheld und hatte unzählige Affären – auch eine mit der Schwester seiner Ehefrau … Er wurde unvermittelt verhaftet, Freunde paukten ihn raus. Dann kam der Krieg, die Belagerung St. Petersburgs (Leningrad), und er wurde wieder verhaftet. Marina versuchte, ihn zu kontaktieren und zu besuchen – schließlich kam die Nachricht von seinem Tod. Vor Hunger entkräftet und von ihrer Heimat bitter enttäuscht, gehörte Marina Malitsch zu den Letzten, die aus Leningrad evakuiert wurden. Es begann eine Odyssee. Von den Nationalsozialisten wurde sie als Zwangsarbeiterin nach Deutschland deportiert und floh nach Frankreich. In Nizza traf sie zum ersten Mal seit ihrer Kindheit ihre Mutter. Und verliebte sich prompt in ihren Stiefvater.
Die Erinnerungen Marina Durnowos spiegeln unsentimental, authentisch und packend die ungeheure Lebenslust und -kunst der russischen Avantgarde in einer Zeit bitterster Armut und schlimmster staatlicher Repressionen – sowie das bewegte Leben einer außergewöhnlichen Frau.

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